Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Wind, Trockenheit und extreme Temperaturen fachen das Feuer am Tafelberg weiter an. afp
+
Wind, Trockenheit und extreme Temperaturen fachen das Feuer am Tafelberg weiter an. afp

Südafrika

Flammen am Tafelberg

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
    schließen

Ein Feuer in Kapstadt greift auf Wohngebiete und die Universität über. Menschen müssen ihre Wohnungen verlassen, historische Schätze sind bedroht. Der Löscheinsatz in Südafrika wird wohl noch Tage dauern.

Ein großes Feuer am Fuß des Tafelbergs in Kapstadt hat am Sonntag auf die renommierte Universität der Stadt, UCT, übergegriffen und dort mehrere Gebäude, darunter auch eine Bibliothek mit einmaligen historischen Schätzen zerstört. 4000 Studierende mussten am Sonntag aus ihren Wohnheimen in Sicherheit gebracht werden, weit über hundert Feuerwehrleute und drei Hubschrauber waren im Einsatz. Dennoch gelang es den Einsatzkräften nicht, den Großbrand unter Kontrolle zu bringen.

Am Montag breitete sich das Feuer in Richtung nahe gelegener Wohnsiedlungen aus. Hunderte Familien wurden evakuiert. Weil der Wind im Laufe des Tages immer stärker wurde, konnten auch keine Hubschrauber mehr eingesetzt werden. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass das Feuer frühestens in drei Tagen unter Kontrolle gebracht werden kann.

Todesopfer sind bislang keine zu beklagen, einzig vier verletzte Feuerwehrleute mussten ärztlich behandelt werden. Die Polizei nahm am Montagvormittag einen 34-jährigen Obdachlosen fest, dem sie vorgewirft, den Brand mit einem Lagerfeuer ausgelöst zu haben. An den Hängen des Tafelbergs übernachten vor allem im Sommer zahlreiche Obdachlose in natürlichen Unterschlüpfen. Einige Anwohnerinnen und Anwohner wollen allerdings mehrere Menschen gesehen haben, die das Feuer an verschiedenen Stellen absichtlich gelegt hätten. Der Brand wurde durch die in dieser Jahreszeit übliche Trockenheit, aber auch durch außergewöhnliche Temperaturen von bis zu 36 Grad noch angefacht.

Das Ausmaß des Schadens, den das Feuer in der fast 200 Jahre alten Kapstädter Universität angerichtet hat, steht noch nicht fest. Sicher ist lediglich, dass der Brand ein Restaurant am ehemaligen Denkmal des britischen Kolonialisten Cecil Rhodes zerstört sowie drei alte Universitätsgebäude beschädigt hat, darunter den Leseraum der historischen „Jagger-Bibliothek“.

In dem Gebäude ist die „Africa Studies Collection“ der Hochschule untergebracht, die einzigartige Dokumente, alte Bücher sowie Filmaufnahmen enthält. Glücklicherweise hätten sich die in dem Gebäude installierten eisernen Rollläden zum Feuerschutz automatisch geschlossen, teilte die Bibliotheksdirektorin der Hochschule, Ujala Satgoor, über Twitter mit: „Auf diese Weise wurden unsere wichtigsten Schätze vermutlich gerettet.“ Dennoch sei vom Verlust zahlreicher wichtiger Sammlungen auszugehen, fügte Satgoor hinzu. Der wahre Schaden könne erst ermittelt werden, wenn das Gebäude abgesichert sei. Zerstört wurde auch eine dem UCT-Campus nahegelegene historische Windmühle: Die „Mostert’s Mill“ war mit 225 Jahren die älteste, noch immer funktionierende Windmühle Südafrikas.

Im Verlauf des Montags rückte das Feuer in Richtung des Stadtteils Vredehoek vor, angefacht von einem zunehmenden Nordostwind, der schließlich auch den Einsatz von Hubschraubern unmöglich machte. Die bis dahin auf 250 Rettungskräfte angewachsene Feuerwehrtruppe rechnet unter den gegebenen Windbedingungen nicht damit, den Brand in den kommenden zwei Tagen unter Kontrolle zu bekommen.

Brände kommen am Tafelberg und den ihn umgebenden Höhenzügen regelmäßig vor. In der Sommersaison 2020 wurden in der Region mehr als 100 Brände gemeldet. Das einmalige „Fynbos“ (Feinbusch) Biotop am Kap der Guten Hoffnung besteht aus widerstandsfähigen kleinen Büschen, die mit fortgeschrittenem Alter immer trockener und härter werden. Gelegentliche Feuer schaffen dann wieder Platz für junge Pflanzen. Im aktuellen Fall brach der Brand jedoch nahe eines einst künstlich angelegten Kiefernwäldchens aus. Die alten Bäume, die dort eigentlich gar nichts zu suchen haben, brannten wie Zunder.

Mehr als 60 Prozent der Brände werden laut der Stadtverwaltung von Lagerfeuern verursacht. Diese zündeten meist die am Berghang campierenden Obdachlosen an – um zu kochen, etwas Licht zu haben oder sich gegebenenfalls zu wärmen. In 90 Prozent der Fälle seien die Brände jedoch nach 90 Minuten gelöscht, teilt die Stadtverwaltung mit. Der jüngste Fall wird diese Bilanz allerdings gründlich verhageln.

Ein brennendes Gebäude der historischen Jagger-Bibliothek. AFP

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare