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Warum ist der Horizont nicht gekrümmt? Das fragen sich die „Flacherdler“.

„Flacherdler“

Youtube verursacht offenbar Anstieg von „Flacherdlern“

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Die Zahl der „Flacherdler“ scheint zuzunehmen - und Schuld daran ist Youtube. 

Die Erde ist eine Scheibe, keine Kugel. Diese Theorie vertreten die so genannten „Flat Earthers“, die „Flacherdler“. Als eine Erklärung für ihre abstruse Theorie nehmen die „Flacherdler“ gerne Fotos zur Hilfe, auf denen man eine kerzengerade Horizontlinie sieht. Die Begründung: Wäre die Erde eine Kugel, müsste man doch eine Krümmung erkennen können. Auf Youtube kursieren Videos mit Titeln wie „200 Beweise, dass die Erde kein sich drehender Ball ist.“ Immer wieder versuchen Wissenschaftler (beispielsweise Harald Lesch) und andere (beispielsweise der Astronaut Chris Hadfield) zu erklären, warum diese Theorien nicht richtig sind und dass die Erde tatsächlich eine Kugel ist. Doch die Zahl der „Flacherdler“ nimmt offenbar stetig zu.

Die Ursache für diesen Anstieg will eine Forscherin der Texas Tech University nun herausgefunden haben: Youtube. Während zweier „Flacherdler“-Konferenzen in den Jahren 2017 und 2018 hat Asheley Landrum, die die Studie geleitet hat, mit insgesamt 30 Teilnehmern Interviews geführt. In den Gesprächen habe sie ein Muster entdeckt, wie die Leute auf die Idee kamen, dass die Erde kein runder Felsbrocken sei, der sich durchs All bewege, sondern eine flache Scheibe, berichtet der „Guardian“. Von den 30 Personen sagten demnach 29, sie hätten ihre Meinung über die Erde geändert, nachdem sie Videos zu Verschwörungstheorien auf Youtube angeschaut hätten.

Darunter waren offenbar Videos mit Verschwörungstheorien zum Anschlag auf das World Trade Center 2001, dem Amoklauf an der Sandy-Hook-Schule in den USA 2012 und zur Mondlandung. Nach dem Ende dieser Videos hatte Youtube den Zuschauern „Flacherdler“-Videos angeboten – die diese sich offenbar anschließend angeschaut hatten. So wurden aus Menschen, die nach eigenen Angaben vor zwei Jahren noch nicht an eine flache Erde glaubten, Anhänger der „Flacherde“-Theorie.

Youtube will Empfehlungen ändern

Youtube habe eigentlich nichts falsch gemacht, findet Landrum. Die Videoplattform könne jedoch ihre Algorithmen etwas verfeinern, um korrekte Informationen anzuzeigen. „Es gibt viele hilfreiche Informationen auf Youtube, aber auch viel Desinformation“, so Landrum. Die Algorithmen machten es den Zuschauern leicht, im Kaninchenbau zu verschwinden.

Es ist nicht das erste Mal, dass Youtube diese Kritik zu hören bekommt. Erst Ende Januar hat Youtube reagiert und versprochen, sich genau anzuschauen, wie man das Verbreiten von Inhalten, die kurz davor seien, die Richtlinien von Youtube zu verletzen, reduzieren könne. Man werde damit beginnen, die Empfehlung von Inhalten, die die User desinformieren könnten, zu verringern. Dabei gehe es beispielsweise um Videos, die die Wunderheilung ernster Krankheiten versprechen, heißt es im Blogeintrag, mit dem die Änderung angekündigt wurde. Aufgelistet werden darin auch „Videos, die behaupten, die Erde sei flach“ und „Videos, die falsche Behauptungen über historische Ereignisse wie 9/11 aufstellen“. Dabei geht es nach Angaben von Youtube um weniger als ein Prozent der Inhalte auf Youtube.

Asheley Landrum hat noch eine andere Idee: Sie ruft Wissenschaftler und andere dazu auf, selbst Youtube-Videos hochzuladen und sich darin gegen die Verschwörungstheorien auszusprechen. „Wir wollen nicht, dass Youtube voll ist mit Videos, die Gründe dafür auflisten, warum die Erde flach ist. Wir brauchen andere Videos, die sagen: hier sind die Gründe, warum das nicht stimmt und hier sind Wege, wie du das selbst erforschen kannst“, so Landrum. Sie schränkt jedoch selbst ein: „Es wird immer eine kleine Zahl von Menschen geben, die alles ablehnen, was Wissenschaftler sagen.“ Doch das einzige Werkzeug, um Desinformation zu bekämpfen, sei, für bessere Informationen zu sorgen.

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