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Protest gegen Klinikschließung im Essener Norden
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Protest gegen Klinikschließung im Essener Norden.

Dr. Hontschiks Diagnose

Finstere Zeiten

  • Bernd Hontschik
    VonBernd Hontschik
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Ökonomen übernehmen das Kommando und drängen die Medizin an den Rand. Sie ist nur noch Mittel zum Zweck.

Es beginnt immer klein. Es schleicht sich an, nur wenige merken es. Und wenn es endlich doch alle merken, ist es meist schon zu spät.

Ein Beispiel: Im Dezember brach im Krankenhaus Frankfurt-Höchst ein Streit über die Klinikapotheke aus. Der Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) erklärte, die Apothekenleistungen müssten an einen externen privaten Dienstleister vergeben werden, denn die Klinikapotheke hätte ab 2021 Verluste gemacht, man hätte sie „querfinanzieren“ müssen. Das ist verblüffend, denn das Krankenhaus macht jedes Jahr Millionendefizite, aber bestimmt nicht wegen der Klinikapotheke. Die Privatisierung werde „unter dem Strich eine Verbesserung der Versorgung“ ergeben, sagte er noch. Da kann man nur fragen: War denn die Versorgung bis jetzt schlecht? Davon kann keine Rede sein! Sie wird aber in Zukunft mit Sicherheit schlechter werden. Mit einem Versorger außer Haus ist keine Kommunikation mehr vor Ort möglich. Ein privater Versorger hält sich mit knappstem Personal natürlich nicht an Tarifverträge – wie sonst könnte er preiswerter arbeiten? Und durch Outsourcing wird der Bereich zudem dem Betriebsrat entzogen.

Wie geht das weiter? Das kann man in den Studien der Bertelsmann-Stiftung nachlesen: „In Deutschland gibt es zu viele Krankenhäuser. Eine starke Verringerung der Klinikanzahl von aktuell knapp 1400 auf deutlich unter 600 Häuser würde die Qualität der Versorgung für Patienten verbessern und bestehende Engpässe bei Ärzten und Pflegepersonal mildern.“ Wieso eine Verringerung der Krankenhäuser um mehr als die Hälfte die Qualität der Versorgung verbessert, muss das Geheimnis dieser Studien bleiben. Oder wird die Zahl der Patienten gleich mit um mehr als die Hälfte verringert?

Ökonomen übernehmen das Kommando und drängen die Medizin an den Rand. Sie ist nur noch Mittel zum Zweck. Das Sozialsystem Gesundheitswesen wird zur Gesundheitswirtschaft umfunktioniert. Viele Krankenhäuser sind uns in den vergangenen Jahren auf diese Weise abhanden gekommen. An die Verluste des Jahres 2020 sei hiermit erinnert:

Wir trauern um unsere Krankenhäuser, die im vergangenen Jahr für immer geschlossen wurden:

Baden-Württemberg: Krankenhaus Riedlingen, Krankenhaus 14 Nothelfer in Weingarten, St. Hedwig-Klinik in Mannheim. Bayern: Kreiskrankenhaus Parsberg, Krankenhaus Waldsassen, Krankenhaus Vohenstrauß, Schön-Klinik in Nürnberg-Fürth. Brandenburg: Weckebach-Klinikum in Wedel, Diakonissen-Krankenhaus in Lehnin. Nordrhein-Westfalen: St. Franziskus-Hospital in Winterberg, St- Josefs-Hospital in Bochum-Linden, Marienhospital in Essen-Altenessen, Alexianer-Krankenhaus in Tönisvorst, St. Vinzenz-Krankenhaus in Essen-Stoppenberg. Rheinland-Pfalz: Loreley-Kliniken in St. Goar und Oberwesel, Krankenhaus in Ingelheim. Saarland: Marienhauskliniken in Ottweiler und Losheim. Sachsen: Bergarbeiter-Krankenhaus in Schneeberg. Sachsen-Anhalt: KMG Klinikum Havelberg. Schleswig-Holstein: Regio-Klinik in Wedel.

Belegschaften und Bevölkerung haben den Kampf gegen Größenwahn und Gewinnsucht verloren.

Wir werden diese Krankenhäuser in lebendiger Erinnerung behalten.

Kondolenzadresse: Gemeingut in BürgerInnenhand, Weidenweg 37, 10249 Berlin, URL: www.gemeingut.org

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