+
Finnlands Premierministerin bringt eine viertägige Arbeitswoche ins Gespräch.

Sechsstündiger Arbeitstag

Doch keine viertägige Arbeitswoche: Finnlands Premierministerin Sanna Marin dementiert Medienberichte

  • schließen

In Finnland spricht die Premierministerin Sanna Marin über eine viertägige Arbeitswoche vor. Man plane jedoch nicht, das Konzept umzusetzen.

  • Finnlands Premierministerin Sanna Marin bringt viertägige Arbeitswoche ins Gespräch
  • Arbeitstag soll sechs Stunden dauern
  • Idee kommt bei Li Andersson gut an
  • Regierung dementiert Medienberichte

Update vom Dienstag, 07.01.2020, 16:46 Uhr: Finnland führt bis auf Weiteres weder auf vier Tage verkürzte Arbeitswochen noch sechsstündige Arbeitstage ein. Die Regierung in Helsinki dementierte am Dienstag Medienberichte, wonach Ministerpräsidentin Sanna Marin entsprechende Pläne verfolge. Eine Vier-Tage-Woche stehe nicht im Regierungsprogramm und derzeit auch nicht auf der Agenda, teilte Marins Regierung auf Twitter mit. 

Marin habe die Idee lediglich kurz während einer Podiumsdiskussion im August 2019 aufgeworfen, als sie noch Transportministerin unter ihrem Vorgänger Antti Rinne war. "Es gibt keinen Plan, keine jüngsten Aktivitäten, keine Intentionen", sagte die Kommunikationschefin der Regierung, Päivi Anttikoski, der Deutschen Presse-Agentur.

Ursprünglicher Artikel vom 07.01.2020, 13:19 Uhr: Wer hat darüber schon einmal nachgedacht? Weniger arbeiten und mehr Zeit für die Familie und für Hobbys haben? In Finnland könnte dieses Wunschdenken bald Realität werden. Wie in Deutschland gehen die Finnen fünf Tage die Woche zur Arbeit und arbeiten acht Stunden pro Tag. Eine klassische 40-Stunden-Woche eben. Das sei viel zu viel und viel zu lange, findet Finnlands 34-jährige Regierungschefin. In Turku forderte Sanna Marin anlässlich des 120-jährigen Bestehens der Sozialdemokratischen Partei Finnlands eine viertägige Arbeitswoche und einen sechsstündigen Arbeitstag. 

Finnland: Premier Sanna Marins Idee kommt bei Bündnispartner super an

Hinter der 34-jährigen Mutter eines Kindes steht ihre Fünf-Parteien-Koalition. Demnach wolle man die viertägige Arbeitswoche testen, berichtet die „New Europe“. „Ich glaube, die Menschen verdienen es, mehr Zeit mit ihren Familien, ihren Angehörigen, mit Hobbys und anderen Aspekten des Lebens wie Kultur zu verbringen“, erzählt Marin. „Das könnte unser nächster Schritt im Arbeitsleben sein.“ Laut „Daily Mail“ wurde die Idee von Bildungsministerin und Chefin der Linksbündnis-Partei Li Andersson mit Begeisterung aufgenommen.

Finnlands Premier Sanna Marin und die viertägige Arbeitswoche: Blick nach Skandinavien

Marins Idee von einer viertägigen Arbeitswoche ist nicht neu. Firmen haben die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter bereits konzernintern verkürzt. In Japan versuchte sich Microsoft an einem dreitägigen Wochenende, da viele Angestellte massiv Überstunden machten. Mit Erfolg. Denn die Produktivität nahm um 39,9 Prozent zu. Und wie sieht es in Skandinavien aus? Dort genießen Arbeitnehmer flexible Arbeitszeiten. Sie können ihre Arbeit innerhalb eines Drei-Stunden-Fensters flexibel aufnehmen und haben einen Arbeitstag von sechs Stunden. 

Geschichte der 40-Stunden-Woche

40 Stunden pro Woche arbeiten? Das war nicht immer so. Durchschnittlich 48 Stunden malochten die Menschen im Jahr 1946 pro Woche. In den 1950er Jahren stand die Tarifpolitik in Deutschland im Zeichen guter Konjunktur. Den Gewerkschaften gelang es deshalb Lohnerhöhungen auszuhandeln. 1955 gab der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zum Maifeiertag die Forderung und den Slogan aus: „40 Stunden Arbeit sind genug!“ 1956 wurde die 40-Stunden-Woche für die Zigarettenindustrie als erste Branche tarifvertraglich vereinbart. 

Einfluss der Gewerkschaften geht zurück

Nachdem die Gewerkschaften es erreicht hatten, die 40-Stunden-Woche durchzusetzen, machten sie sich für eine 35-Stunden-Woche stark. Diese wurde 1990 in der westdeutschen Metallindustrie, tarifvertraglich auch in Stahl-, Elektro-, Druck- sowie holz- und papierverarbeitenden Industrie vereinbart. In anderen Branchen einige man sich auf eine 38,5-Stunden-Woche. In den 1990er Jahren sank der Einfluss der Gewerkschaften in den Tarifkonflikten. Eine Reihe von Branchen kehrte seit Mitte der 1990er Jahre wieder zur 40-Stunden-Woche zurück.

mse

Obacht: Wer krank ist, sollte besser nicht zur Arbeit gehen*. Das kann nicht nur dem Arbeitnehmer, sondern auch dem Arbeitgeber schaden.

Work-Life-Balance* ist schon länger ein Modewort und steht für das Gleichgewicht von Job und Privatleben. Doch wie gelingt es, zu Hause nicht an berufliche Aufgaben zu denken?

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare