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Man findet keine Freunde mit Salat. Das weiß nicht nur Homer Simpson, sondern auch US-Präsident Donald Trump.

Fast Food im Weißen Haus

Man findet keine Freunde mit Salat

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Donald Trump lädt College-Football-Spieler auf eine Runde Burger ins Weiße Haus ein und nutzt die Gelegenheit für sexistische Kommentare. Aber wurden überhaupt alle satt?

Es waren mehr als tausend und nicht etwa nur 300 „Hamberder“. Oder Hamburger, wen interessiert das schon, Fast Food eben, Hauptsache es schmeckt. Und das tut es, zumindest Donald Trump, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. „Ich liebe das alles. Wenn es amerikanisch ist, dann mag ich es“, sagte Trump beim Empfang der Clemson Tigers, nationaler Meister im College Football, und führte aus: „Wir haben Pizza, wir haben 300 Hamburger und sehr viele Pommes Frites.“

Aus den 300 wurden auf Twitter schnell 1000, aus den Burgern in der Eile sozialer Medien ‚Berder‘. Aber aufgegessen wurde alles. Sogar die Salate. Sagt Donald Trump, immerhin Absolvent der Universität in Pennsylvania, eine der acht hochgeschätzten „Ivy League“-Hochschulen der USA.

There will be a hamberder on at least three DC menus by tonight. pic.twitter.com/bSRSOxvxbv

— Evan McMurry (@evanmcmurry)

15. Januar 2019

Geliefert wurden die Köstlichkeiten von McDonald’s, Wendy’s und Burger King. Weder Wendy’s noch Burger King befinden sich in US-amerikanischen Besitz. Beide Fast-Food-Ketten gehören seit 1995 (Wendy’s) und 2014 (Burger King) zur kanadischen Tim Hortons Inc., aber Trump hat auch nur von „amerikanischem Essen“ geredet, nicht von „US-amerikanischem“. Kanada gehört fraglos zu Amerika, wie zum Beispiel auch Mexiko oder Venezuela.

Sarah Huckabee Sanders gibt die Schuld den Demokraten

Bezahlt hat Trump für all das gute Essen aus seiner eigenen, prall gefüllten Tasche sozusagen. Das hatten der Präsident und seine Pressesprecherin Sarah Huckabee Sanders unisono behauptet. Sanders machte für das Buffet der etwas anderen Art die Demokraten verantwortlich. „Weil die Demokraten sich weigern, über die Sicherung unserer Grenzen zu verhandeln, sind die Mitarbeiter des Weißen Hauses im Urlaub“, erklärte sie die ungewöhnliche Bewirtung.

Donald hätte auch Melania Trump Salat machen lassen können

Trump selbst wollte die Speisenauswahl offensichtlich nicht für Kritik am politischen Gegner nutzen, sondern vielmehr, um ein paar sexistische Seitenhiebe abzusondern: „Ich hatte die Wahl: Haben wir kein Essen für Euch oder lasse ich die First und Second Lady ein paar Salate für Euch machen? Und ich sagte mir, Ihr seid nicht die Typen für Salate.“

Dafür erntete der Präsident ein paar Lacher der versammelten adoleszenten Macker vor ihm. Trump weiß eben, wie man sich Freunde macht und spätestens seit Homer und Bart Simpsons kleinem Lied wissen wir alle: Man findet keine Freunde mit Salat.

Im Nachgang löste Trump dagegen müdes Augenrollen bei CNN-Nachrichtenmoderatorin Erin Burnett und Journalistin Joan Walsh aus, die dagegen vorschlug, Mike Pence könne sich doch auch um einen Salat kümmern.

President Trump welcomed the NCAA national champion Clemson Tigers football team to the White House with a shutdown smorgasbord of fast food offerings he called "great American food," including piles of pizza and fries and more than 300 burgers. https://t.co/OVBdfzv4wg pic.twitter.com/dzEztYbia1

— NBC News (@NBCNews)

15. Januar 2019

Es bleibt unklar, ob Trump die Entscheidung für kostengünstiges und dafür kalorienhaltiges Fast Food getroffen hat, nachdem ihm klar wurde, dass er die Rechnung begleichen muss. Zugute kam dem Geldbeutel des Präsidenten, dass McDonald’s in den USA gerade ein Spezialpaket anbietet: zwei Burger für fünf Dollar. Die knapp 3.000 Dollar, die laut FR-Recherche der Spaß gekostet haben dürfte, sind also durchaus realistisch.

Die nun aber entscheidende Frage lautet vielmehr: Wenn wirklich alle 1.000 Burger aufgegessen wurden, wie viele, inklusive der Pizzastücke und der Pommes, hat jeder Football-Spieler im Schnitt in sich hineingestopft?

200 Besucher im Weißen Haus

Dazu muss man wissen: Ein College-Football Team besteht aus deutlich mehr Spielern als ein Team der Profiliga NFL. Statt wie dort nur 53 Spielern kann der Kader eines College-Teams bis zu 125 Spielern umfassen. Hinzu kommt der üppige Trainerstab. Empfänge im Weißen Haus lassen sich außerdem Sponsoren, hochdekorierte Alumnis und andere Würdenträger der Universitäten auch nur ungern entgehen. Realistisch ist also eine Zahl um die 200 Besucher und entsprechende Buffetnutzer.

Der Rechnung zugrunde liegen Trumps jüngste Angaben, nach denen 1.000 Burger serviert wurden. Wir rechnen darüber hinaus mit derselben Anzahl an Pommes, 500 Pizzen und 250 Salaten. Eine klassische nordamerikanische Pizza (also nach kanadisch und US-amerikanischer Weise) wird in acht gleich große Stücke geteilt. Laut der FR-Rechenmaschinen ergibt sich daraus: Jeder Besucher hat im Weißen Haus 5 Burger, 20 Pizzastücke, 5 Portionen Pommes (mittelgroß) und 1,25 Salate gegessen.

Das könnte genügen, um selbst eine derartig zahlreiche Gruppe „großer Jungs mit großem Appetit“ (Trump) satt zu bekommen.

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