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Der letzte Bergmann, der gerettet wurde: Luis Urzúa.

Film über verschüttete Bergleute

Filmreifer Zoff

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Der Film "The 33" bringt das Schicksal der in einer chilenischen Mine verschütteten Bergleute auf die Leinwand. Hinter den Kulissen herrschen Streit und Frustration. Die als Helden gefeierten Männer haben mit vielen Problemen zu kämpfen.

In den nächsten Tagen beginnen die Dreharbeiten für den Film „The 33“, der das Schicksal der in einer chilenischen Mine verschütteten und spektakulär geretteten Bergleute auf die Leinwand bringt. Aber die Bergleute sind zerstritten. Einige fühlen sich von ihren Anwälten verraten und fürchten, von der 25 Millionen Dollar teuren US-Produktion zu wenig zu profitieren.

Als die 33 Bergleute am 13. Oktober 2010 nach 69 Tagen Gefangenschaft in 700 Metern Tiefe gerettet wurden, war schon klar, dass sich auf kurz oder lang Hollywood des Dramas annehmen würde, dessen glücklichen Ausgang weltweit eine Milliarde Menschen atemlos in den Medien verfolgten. Die 33 Männer unterschrieben kurz danach einen Vertrag mit Carey & Cia, einer der prominentesten Anwaltskanzlei Chiles, die bei der Verwertung ihre Interessen wahren sollte.

Schweigepakt geschlossen

Und sie schlossen eine Art Schweigepakt: Keiner solle öffentlich über die ersten 17 Tage reden – also die Zeit zwischen dem Einsturz des Stollens und ihrer Entdeckung, als sie den berühmten Zettel mit der Nachricht ihres Überlebens mit der Such-Sonde nach oben schicken konnten. Was sich in diesen Tagen, in denen sie dem Tod ins Auge sahen, abgespielt hat, ist bis heute unbekannt – und das stellt ihr wichtigstes Kapital bei den Verhandlungen um die Verwertung ihres Loses dar. Der Film „The 33“ soll nun auch diese Zeit darstellen. Parallel dazu wird ein Buch erscheinen, das diese 17 Tage erstmals erhellt.

Aber bald nach der Rettung brachen die Differenzen auf. Einige der Bergleute verstanden es besser als andere, aus ihrem Schicksal materiellen Nutzen zu ziehen. Der gewählten Vertretung – an der Spitze Luis Urzúa, der frühere Schichtleiter – schlug immer wieder Misstrauen entgegen.

Dass es auch bei den Verhandlungen um den Film und den Gewinn, den die 33 davon haben, hinter den Kulissen krachte, wurde spätestens im Oktober klar: Da gab die Kanzlei Carey mit wenigen Worten bekannt, dass sie die Bergleute nicht mehr vertreten werde. Wegen „unüberbrückbaren Gegensätzen“ mit der Vertretung der „mineros“. Damit verschärften sich zugleich die Konflikte zwischen der Gruppe um Urzúa und den anderen Bergleuten, die die Trennung als Fehler empfanden.

Vorwürfe an die Anwälte

Urzúa wirft den Anwälten indirekt vor, sie hätten die Bergleute kurz nach der Rettung über den Tisch gezogen. „Wir waren (damals) eigentlich gar nicht in der Lage, irgendetwas zu unterschreiben“, klagte Urzúa kürzlich, „wir standen eben noch unter Schock und haben einfach unterzeichnet“. Omar Reygadas, einer der 33, sagte, die Urzúa-Gruppe habe andere Anwälte zur Überprüfung der Carey-Verträge hinzugezogen und „Unregelmäßigkeiten“ festgestellt, die den Anlass zur Trennung gaben. Urzúa behauptet, der Vertrag mit Carey sei auf Englisch abgefasst gewesen; andere Bergleute sagen jedoch, sie hätten einen spanischen Vertrag unterschrieben.

Produzent des Filmes mit dem vorläufigen Titel „The 33“ ist Mike Medavoy, einer der einflussreichsten Hollywood-Bosse, der an zahlreichen Filmen – von „Apocalypse Now“ über „Das Schweigen der Lämmer“ bis „Black Swan“ – beteiligt war. Die Mexikanerin Patricia Riggen ist einer der neueren Regie-Stars in Hollywood, und als Schauspieler sind der Spanier Antonio Banderas, der Brasilianer Rodrigo Santoro und der US-Amerikaner Martin Sheen verpflichtet.

Dass Jennifer Lopez aus Termingründen abgesagt hat, dürften zumindest die der 33 Bergleute nicht so schlimm gefunden haben, die an der angeblichen Höhe ihrer Gage – 14 Millionen Dollar – Anstoß nahmen. Banderas soll Mario Sepúlveda spielen, den die Medien wegen seiner Späße aus dem Untergrund „Super-Mario“ tauften. Obwohl sich Sepúlveda erfreut zeigte, sich so prominent dargestellt zu sehen, lehnte er ein Treffen mit Banderas ab, als der Spanier kürzlich zur Präsentation seines Parfüms „Her golden secret“ mit seinem Privatflugzeug in Santiago einschwebte. „Solange die Probleme in den Verträgen nicht gelöst sind, gibt es kein Treffen mit Banderas“, sagte Sepúlvedas Ehefrau und Agentin Elvira Valdivia der Presse.

Tiefe Kluft

Jenseits der ohnehin schwierigen Frage, wie eine „gerechte“ Honorierung der medialen Verwertung solch extremer Lebenssituationen aussehen könnte, öffnete sich eine tiefe Kluft zwischen dem Glamour Hollywoods und der nach wie vor tristen Realität der von drei Jahren in Chile als Helden gefeierten, später beneideten und schließlich weitgehend vergessenen Bergleute. Viele von ihnen klagen über gesundheitliche Probleme, wenige haben ordentliche Jobs, keiner ist reich oder auch nur wohlhabend geworden. Und alle dürfte im August die Entscheidung der Justiz, die Ermittlungen gegen die Mineneigner und die staatliche Aufsichtsbehörde einzustellen, ohne ein Verfahren zu eröffnen, tief getroffen haben.

Dass die unterirdischen Szenen von „The 33“ nicht einmal in Chile, sondern in der kolumbianischen Salz-Mine Nemocón gedreht wird, unterstreicht die Entfernung der Film-Fiktion von der Realität ebenso wie die Sprache: Gedreht wird auf Englisch.

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