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Sowieso meistens Gaga.

#grannyhair

Fifty Shades of Oma

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Tausende junge Leute weltweit machen es denn Promis gleich: Sie färben sich die Haare grau. Ganz schön praktisch dieser Trend.

Da färben sich Millionen Frauen auf der Welt wie verrückt die Haare, um ja nicht als alt zu gelten, und was macht die Jugend: färbt sich ihre blonde, brünette, schwarze oder rote Mähne weiß. Unter #grannyhair finden sich beim Foto-Portal Instagram mehr als 8500 Bilder von vorwiegend jungen Frauen und Männern mit ergrautem Haar.

Dabei ist alles erlaubt, was Omas Farbpalette hergibt: von weiß bis anthrazit, mit oder ohne rötlichem oder lilafarbenem Schimmer. Grau gibt an Nuancen mehr her als man denkt. Bei Mädchen beliebt sind lockige, auftoupierte Frisuren im 60er-Jahre-Stil genauso wie lange glatte Haare. Die Jungs drehen sich über der Stirn häufig eine Elvis-Tolle.

Wie so oft dienen Promis als Vorbilder. Sängerin Lady Gaga inszenierte sich erst bei der vergangenen Grammy-Verleihung mit weißer Mähne. Reality-TV-Star und Tochter von Ozzy Osbourne Kelly Osbourne taucht immer mal wieder ergraut auf. Ebenfalls Musikertochter und It-Girl Nicole Richie. Sie gehört zu den ersten, die den Trend mit ausgelöst haben. Und zwar lange vor Fifty Shades of Grey. Bereits 2013 lief sie mit kurzen weißen Locken über den Laufsteg und verblüffte Fans und Fotografen. Ist sie beim Anblick von Paris Hilton plötzlich ergraut? Gut möglich. 2014 gab es lilafarbene Reflexe obendrauf. Mittlerweile hat sie wieder an Farbe gewonnen. Vielleicht hat sie gemerkt, dass der graue Schopf beim anderen Geschlecht nicht gut ankommt. Schließlich sind graue Haare ein Zeichen des Älterwerdens – nichts, worauf die meisten in der nach ewiger Jugendlichkeit strebenden Gesellschaft stolz sind. Graue Haare signalisieren laut Wissenschaftlern: „Ich bin mit der Fortpflanzung fertig. Nimm einen anderen Partner.“ Sie stehen aber auch für Lebenserfahrung und Weisheit.

Feministinnen kämpfen seit langem dafür, dass Frauen, wie längst die Männer, auch mit grauen Haaren als sexy gelten. Bis heute weitestgehend erfolglos. Birgit Schrowange hat unlängst angekündigt, einmal die erste Moderatorin im deutschen Fernsehen mit grauen Haaren zu sein. Bis heute färbt sie.

Was lange Debatten und Proteste nicht geschafft haben, erreichen Hipster mal eben so: Sie holen ein Phänomen aus der Nische und machen es zum Kult. Mit ironischer Überhöhung geht so einiges. Siehe die übergroßen Nerd-Brillen. Lange verpönt. Längst gesellschaftstauglich.

Bis wir uns an junge Menschen mit grauen Haaren gewöhnen, wird es sicher noch dauern. Das schöne an dem Trend ist jedoch, jeder von uns wird automatisch irgendwann dazugehören.

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