+
Wer hat hier Fieber? Ein Mitarbeiter des internationalen Flughafens von Wuhan misst die Temperatur der Reisenden.

Coronavirus

Fieber, aber kein Schnupfen

Droht eine neue Pandemie? Was bislang über das Virus, die Übertragung und seinen Ursprung bekannt ist.

Wie viele Fälle gibt es bisher?

Die Zahl bestätigter Infektionen stieg am Dienstag auf rund 300. Anfangs war nur die zentralchinesische Elf-Millionen-Metropole Wuhan betroffen, inzwischen werden von den chinesischen Behörden auch Fälle an anderen Orten sowohl im Norden wie auch im Süden Chinas gemeldet. Bestätigt ist inzwischen auch, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. Unklar ist derzeit die mögliche Dunkelziffer nicht erkannter Infektionen. Nach einer Hochrechnung von Experten des Imperial College London könnte es bereits mehr als 1700 Infizierte geben

Hat sich das Virus schon in weiteren Länder ausgebreitet?

Bestätigte Infektionen wurden bis Dienstag aus Taiwan, Thailand, Japan und Südkorea gemeldet. Alle Betroffenen waren zuvor in Wuhan, haben sich also sehr wahrscheinlich in China angesteckt. Zudem gibt es in mehreren Ländern Verdachtsfälle, etwa auf den Philippinen. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt. Immer mehr Länder weltweit führen vorsorglich spezielle Kontrollen an Flughäfen für aus China einreisende Menschen ein.

Was ist über die Symptome der Viruserkrankung bekannt?

Nach derzeitigem Wissen sorge das Virus für Fieber und Symptome einer Lungenentzündung, erklärte der Berliner Virusforscher Christian Drosten. „Die oberen Atemwege sind kaum betroffen, es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.“ Von Lunge zu Lunge gelangt ein Erreger schwerer als etwa mit den Tröpfchen beim Niesen. Eine schützende Impfung oder eine spezielle Therapie zur Behandlung der Infektion gibt es nicht, lediglich die Symptome können mit Medikamenten abgemildert werden.

Schutzmaßnahmen: Was bringen Atemschutzmasken gegen das Coronavirus?

Was ist über die verstorbenen Patienten bekannt?

Bis zum Dienstag waren sechs Todesfälle bekannt. Nach Angaben chinesischer Behörden handelt es sich überwiegend um ältere Menschen mit Vorerkrankungen – einen 61-Jährigen, der auch an Krebs und einer chronischen Lebererkrankung litt; einen 69-jährigen Herzkranken und einen 89-Jährigen, der Diabetes und eine Herzerkrankung gehabt haben soll. Zu den übrigen Fällen lagen zunächst keine Details vor.

Was ist über das Virus bekannt?

Derzeit wird das Virus von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „neues Coronavirus“ – 2019-nCoV – bezeichnet. Eine Expertengruppe von Virologen wird die endgültige Namensgebung durchführen. Coronaviren sind dafür bekannt, sehr schnell auf neue Wirte überspringen und schwere Krankheitsverläufe verursachen zu können. Analysen des Erbguts haben dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich um eine Sars-Virus-Variante handelt. „Es ist dieselbe Virusart, nur in einer anderen Variante“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Charité in Berlin. Unterschiede gebe es vor allem bei den Proteinen, mit denen das Virus an menschliche Zellen andocke. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend 2002/2003 eine weltweite Pandemie mit 8000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben. Inzwischen ist es wahrscheinlich nur noch in Tieren unterwegs. Glücklicherweise sei das Virus nicht so leicht übertragbar gewesen wie etwa die saisonale Grippe, sagten Experten später. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom.

Was ist über den Ursprung des Erregers bekannt?

Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Auch der Sars-Erreger von 2002/2003 war höchstwahrscheinlich von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen, angenommene Quelle sind Schleichkatzen. Die chinesischen Behörden hätten bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der neue Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte, so Virusforscher Christian Drosten. „Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt.“

Wie reagiert die Weltgesundheitsorganisation (WHO)?

Die WHO hat wegen der Lungenkrankheit ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten sollten an diesem Mittwoch über die Lage beraten. Sollte die WHO einen internationalen Gesundheitsnotstand ausrufen, empfiehlt sie damit schärfere Maßnahmen zur Bekämpfung der Seuche. Dazu können unter anderem Grenzkontrollen und das Einrichten spezialisierter Behandlungszentren gehören. Derzeit empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation keinerlei Reise- oder Handelsbeschränkungen, gibt aber Hinweise zu generell einzuhaltenden Hygiene- und Verhaltensregeln für Reisende nach Wuhan in China. (dpa)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare