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Weit kam es nicht: Wenige Minuten nach dem Ablegen musste das Schiff umdrehen.

Griechenland

Feuer auf Autofähre ausgebrochen

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600 Menschen vor griechischer Küste gerettet – Ermittler suchen nach Brandursache.

Bange Momente für mehr als 600 Menschen an Bord einer griechischen Autofähre: Kurz nach dem Auslaufen vom westgriechischen Hafen Igoumenitsa bricht ein Feuer aus. Die Passagiere können zwar gerettet werden. Aber es bleiben offene Fragen an die Reederei.

Am Samstagmorgen kurz vor Sonnenaufgang legte die Autofähre „Olympic Champion“ im Hafen Igoumenitsa ab. Dort hatte das aus Patras kommende Schiff der griechischen Reederei Anek Lines weitere Lastzüge, PKWs und Passagiere aufgenommen, bevor es mit 538 Fahrgästen, 74 Besatzungsmitgliedern und 293 Fahrzeugen zur Weiterfahrt ins italienische Venedig in See stach. Unter den Passagieren waren zahlreiche ausländische Reisende auf der Rückfahrt aus ihrem Griechenlandurlaub.

Weit kam die „Olympic Champion“ aber nicht: Bereits wenige Minuten nach dem Ablegen quoll dichter Rauch aus einem der Fahrzeugdecks. Der Kapitän löste Feueralarm aus, entschloss sich sofort zur Umkehr und wendete das 200 Meter lange Schiff. Brandgeruch drang in die Kabinen und Aufenthaltsräume des Schiffes. Unruhe machte sich unter den Passagieren breit. „Wir bekamen wegen des Rauchs Atembeschwerden, viele hatten große Angst“, berichtete eine Frau später im Fernsehen.

In Igoumenitsa erwarteten bereits Schlepper, ein Löschboot und ein Großaufgebot der Feuerwehr das qualmende Schiff. Nach einigen Stunden waren die Flammen gelöscht. Fünf Fahrgäste erlitten Rauchvergiftungen und Brandverletzungen, unter ihnen ein Deutscher und ein Migrant, der sich in einem Lastwagen versteckt hatte. Elf Lastzüge brannten völlig aus oder wurden durch das Feuer beschädigt.

Wie es ausbrechen konnte, war zunächst unklar. Brandermittler prüfen, ob es von Migranten verursacht wurde, die als „blinde Passagiere“ auf dem Garagendeck mitfuhren und möglicherweise einen Campingkocher verwendeten. Wäre das Feuer auf offener See ausgebrochen, hätte es womöglich eine Katastrophe gegeben. Der Brand weckt Erinnerungen an den Dezember 2014: Damals gerat die Fähre „Norman Atlantic“ auf der Fahrt von Igoumenitsa zum italienischen Ancona in Brand. Fast 40 Stunden lang trieb das brennende Schiff steuerlos in der sturmgepeitschten Adria.

Mindestens 29 Menschen ertranken oder verbrannten damals. Über 400 Passagiere und Besatzungsmitglieder konnten gerettet werden. Auch die „Norman Atlantic“ fuhr für die Anek Lines, auch damals waren Migranten unbemerkt an Bord gelangt. Viele Passagiere, die bei der Havarie ihre Autos verloren, warten bis heute auf eine Entschädigung.

Das neuerliche Unglück wirft Fragen an die Reederei auf. Erst vor gut einem Jahr, hatte sich ein ganz ähnlicher Vorfall ereignet: Am 28. August 2018 brach an Bord der Anek-Fähre „Eleftherios Venizelos“ nach dem Auslaufen aus dem Hafen von Piräus ein Brand aus. Erst nach vier Stunden konnte das brennende Schiff wieder Piräus erreichen. Verletzt wurde damals niemand.

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