Rumänien

Festnahmen nach angeblichem Missbrauch in Kinderheim

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Sechs Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Untersuchungshaft.

Die Situation in dem rumänischen Kinderheim Maramures, in dem verhaltensauffällige deutsche Kinder schwer misshandelt worden sein sollen, ist weiter eskaliert. Nach Angaben des zuständigen deutschen Jugendhilfeträgers Wildfang in Bothel im Landkreis Rotenburg hat die rumänische Ermittlungseinheit für organisierte Kriminalität und Terrorismus (DIICOT) am Montag sechs weitere rumänische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festgenommen und zu Vernehmungen nach Bukarest gebracht.

Bewaffnete und maskierte Beamte hätten in den frühen Morgenstunden die Unterkünfte gestürmt und drei Frauen und drei Männer mitgenommen, die als Lehrkräfte, Büroleiter und Hilfskräfte in dem Projekt tätig waren, heißt es von Seiten von Wildfang: Es bestehe zurzeit kein Kontakt.

Bereits Ende August 2019 hatten die rumänischen Behörden in dem Heim eine Razzia durchgeführt. Dabei waren bereits mehrere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter festgenommen und Bargeld in Höhe von knapp 150 000 Euro beschlagnahmt worden. Drei Mitarbeiter, darunter der deutsche Leiter des Kinderheims, sitzen nach Angaben von Wildfang seitdem in Untersuchungshaft. Sie bestreiten alle Vorwürfe.

Die Anschuldigungen gegen das Heim reichen von Menschenhandel und illegaler Freiheitsberaubung bis zu Sklaverei. Bemerkenswert ist, dass die dort untergebrachten Jugendlichen die Zustände extrem unterschiedlich beschreiben: Manche reden von Prügeln und Sklavenarbeit, andere von einer „Superzeit“.

Einer Pressemitteilung der Strafverfolgungsbehörde DIICOT zufolge wurden am Montag überdies zwölf Hausdurchsuchungen in der Gegend von Viseu de Sus im Landkreis Maramures durchgeführt und Laptops, Mobiltelefone, und Computer beschlagnahmt. Unter den jetzt Festgenommenen sei ein Sozialarbeiter der Kinderschutzbehörde in Baia Mare, heißt es weiter. Ihm wird vorgeworfen, dass er das Kinderheim geduldet habe, obwohl er gewusst haben soll, dass es nicht den gesetzlichen Bestimmungen entspricht.

Außerdem habe der Mann nur oberflächliche Kontrollen durchgeführt. Der Jugendhilfeträger Wildfang hatte immer wieder darauf verwiesen, dass das Heim regelmäßig von rumänischen Kinderschutzbehörden überprüft worden sei. Allein deshalb hätten die Missstände den Behörden auffallen müssen. Nach Angaben von DIICOT sollen drei der jetzt festgenommenen Rumäninnen und Rumänen in Untersuchungshaft genommen, drei weitere unter Hausarrest gestellt werden.

Das Kinderheim in den rumänischen Karpaten ist mittlerweile zumindest vorübergehend geschlossen worden. Nach Angaben von Marcel Kankarowitsch, deutscher Büroleiter des Kinderheims, hatten die verbliebenen rumänischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schon Ende November von der Staatsanwaltschaft erfahren, dass jetzt auch gegen sie ermittelt wird. Der niedersächsische Träger Wildfang habe daraufhin für die verbliebenen sieben Jugendlichen eine alternative Betreuung außerhalb Rumäniens gesucht und ein Objekt in Polen gefunden.

Man habe dies bei der örtlichen Polizei, dem Jugendamt und den Anwälten unverzüglich kommuniziert – „auch in der Hoffnung, dass der Verfolgungsdruck sich endlich mindere“, sagt Kankarowitsch. „Wir fordern Klarheit im Verfahren und ein Statement der rumänischen Behörden, wie und ob wir in Zukunft unsere pädagogisch erfolgreichen Projekte für betreuungsintensive Jugendliche in Rumänien fortführen können“ sagt Dirk Precht, Leiter der Wildfang GmbH.

Die Mädchen und Jungen aus dem Kinderheim wünschten sich nichts sehnlicher, als in ihre rumänischen Gastfamilien zurückkehren zu dürfen und hielten auch ständigen Kontakt zu ihnen, so Kankarowitsch weiter. Ihnen sei „die Chance auf Ruhe und Entwicklung in ihren schon lang anhaltenden Heimkarrieren“ genommen worden.

Die vier Jugendlichen, die die Vorwürfe gegen das Kinderheim erhoben haben und deshalb in Obhut genommen wurden, sind mittlerweile alle zurück in Deutschland. Sie werden von Jugendämtern in Remscheid, Kassel, Dormagen und dem Landkreis Leipzig betreut, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ berichtet. Das einzige Mädchen unter ihnen soll den Wunsch geäußert haben, in das rumänische Kinderheim zurückzukehren. Ein anderer Jugendlicher soll straffällig geworden sein.

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