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„90 bis 95 Prozent aller Sichtungen lassen sich wissenschaftlich erklären“, sagt Fleischer. Der Rest sei immer noch genug, um ernst genommen zu werden.

Aliens

„Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es zu einem Kontakt kommen wird"

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Robert Fleischers Thema sind UFOs, über Außerirdische will er lieber nicht reden.

Das Fernsehstudio für die erste Talkshow mit den Aliens gibt es ja schon.“ Auf diese flapsige Bemerkung des Besuchers reagiert Robert Fleischer mit einem müden Lächeln. Über Außerirdische will er nicht reden. UFO-Phänomene seien sein Thema, sagt er spitz. Wir stehen in einem verwinkelten Neubau in Leipzig-Connewitz, wo der 40-Jährige zwei Zimmer einer Büroetage für seinen Verein Exopolitik Deutschland gemietet hat. „Exopolitik Deutschland ist Teil eines weltweiten Netzwerkes von Bürgerinitiativen mit dem Ziel, die Öffentlichkeit über Hinweise auf eine außerirdische Präsenz auf unserem Planeten zu informieren“, heißt es in der Selbstdarstellung der Organisation. Man sei keine Glaubensgemeinschaft und keine Sekte, man grenze sich „ausdrücklich von rechtsgerichteten, antisemitischen Gruppierungen ab“.

In einem der beiden spärlich eingerichteten Büroräume blinken Computer auf Schreibtischen. Kabel ziehen sich von hier aus am Boden in den benachbarten Raum, wo Fleischer sein neues Fernsehstudio einrichtet. Dort sitzt er vor einer täuschend echt aussehenden Kunststoffwand mit Ziegelsteinaufdruck und moderiert. „Das Studio ist neu, es sieht jetzt viel professioneller aus und erlaubt uns in Zukunft auch andere Formate“, sagt Fleischer stolz. Finanziert worden sei der nicht gerade billige Studioneubau mit all seiner Technik unter anderem durch die Abonnementeinnahmen aus seinem Web-Magazin und durch Spenden seiner Zuschauer. „Es gibt viele Menschen da draußen, die sich sehr dafür interessieren, was wir machen“, sagt er.

Kein Hobby-Ufologen

Fleischers Thema sind unidentifizierte Flugobjekte, für deren Existenz es – so behauptet er – in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl von Belegen gegeben habe. Diese Belege stammen aus freigegebenen Regierungs- und Militärakten, wie er betont. Außerirdische Besucher? Fleischer verzieht das Gesicht. Den Begriff „Außerirdisch“ mag er nicht, und über Aliens will er erst recht nicht sprechen. „Ich halte es für möglich, dass UFOs von einer wie auch immer gearteten Intelligenz gesteuert werden“, sagt er schließlich.

Robert Fleischer (rechts) mit Luis Elizondo, der im Pentagon zu UFOs forschte.

Und dann erzählt er aber doch, dass er auch einmal mit dem Bauern Martin Wiesengrün – der eigentlich ganz anders heißt – auf Rügen geredet hat, der in den 1950er Jahren drei Tage lang in einem Ufo mitgeflogen sein will. „Klingt ziemlich phantastisch, was der erzählt“, sagt Fleischer, fügt aber hinzu, dass nicht alles so einfach von der Hand zu weisen sei, was der Bauer erlebt haben soll. „Ich habe mehrfach mit ihm gesprochen, und er hat seine Story aus den unterschiedlichsten Perspektiven erzählt. So wie jemand, der das wirklich erlebt hat. Er wiederholte nicht einfach immer wieder dieselbe Geschichte.“ Doch die meisten anderen Entführungsgeschichten, die er kenne, seien eher unglaubwürdig. „Es gibt zum Beispiel einen Aspekt, bei dem man dann sofort weiß, dass die Sache ausgedacht ist: Wenn der Betreffende erzählt, die Aliens hätten ihm an Bord des Raumschiffes zu essen und zu trinken gegeben.“

Nun sind wir doch beim Thema Aliens gelandet, was Fleischer stört, weil das ja eben nicht zum Forschungsgebiet des Journalisten gehört, wie er es auch gleich noch einmal betont. Um UFOs gehe es ihm. Er wolle mit seiner Arbeit erreichen, dass sich die Menschheit endlich wissenschaftlich und ernsthaft diesem Thema stellt. „Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass es in vielleicht gar nicht mehr langer Zukunft zu einem Kontakt kommen wird. Dann müssen wir bereit sein.“

Der aus Chemnitz stammende Fleischer, der bis vor ein paar Jahren Redakteur beim Fernsehen des Mitteldeutschen Rundfunks war, ist ein großgewachsener, kräftig gebauter Mann. Mit seinem runden Gesicht, dem Bärtchen um den Mund und der Kurzhaarfrisur erinnert er auf den ersten Blick ein wenig an den jungen Rainer Werner Fassbinder. Der war ein Unangepasster, ein Rebell, der mit seinen Filmen der bundesdeutschen Gesellschaft den Spiegel vorhielt.

Auch Fleischer scheint sich dabei wohlzufühlen, die Rolle des unbequemen Außenseiters zu spielen, der angeblich von den Mächtigen geheim gehaltene Wahrheiten kundtut. Voller Überzeugung und mit durchaus ansteckendem Schwung erzählt er über UFOs und Geheimakten, von Gesprächen mit UFO-Forschern aus dem Pentagon und seiner – kostenpflichtigen – Sendung Exomagazin.tv, „dem Magazin für Freigeister“. Auf der gleichnamigen Internetseite veröffentlicht er monatlich zwischen zehn und 15 Minuten lange Filme. Die sind professionell produziert, mit schnellen Schnitten, wechselnden Kameraeinstellungen und flotter Musik. In den Filmen geht es meist um UFOs und Außerirdische, aber auch um, sagen wir mal so, grenzwissenschaftliche Phänomene: Haarige Menschenwesen namens Big Foot etwa und Dinosaurier, die immer mal wieder in den Sümpfen Afrikas gesichtet werden, Geister in einem Gefängnis und Autos mit Antrieb aus Raumenergie, Sterbebettvisionen und PSI-Spione bei der CIA.

Fleischers Favorit ist aber eindeutig die UFO-Forschung. Journalistisch gehe er an dieses Thema heran, stellt er klar. „Ich besuche Archive im In- und Ausland und sammle Militär- und Regierungsdokumente über UFOs, ich interviewe Wissenschaftler, Autoren, ich berate mich mit Experten.“ Bestens vernetzt sei er, im ganzen deutschsprachigen Raum gebe es keinen Journalisten, der so viele Kontakte zu UFO-Forschern weltweit unterhalte wie er. „Da ich Dolmetscher studiert habe und fünf Sprachen spreche, kann ich auch die Militärakten aus vielen anderen Ländern lesen, etwa aus Brasilien, Spanien, Frankreich, Italien. Welcher Journalist, der das UFO-Thema anfasst, tut das schon?“

Kürzlich waren er und seine Frau als einzige Deutsche zu einer internationalen Tagung in Rom eingeladen, wo namhafte UFO-Forscher und Wissenschaftler vertreten waren. Auch der Amerikaner Luis Elizondo sei dort gewesen, der im Pentagon von 2010 bis 2017 das geheime UFO-Forschungsprojekt „Advanced Aerospace Threat Identification Program“ (Programm zur Identifizierung fortschrittlicher Luftraumbedrohungen – kurz: AATIP) geleitet hatte.

Man merkt, Fleischer will sich abgrenzen von den Hobby-Ufologen, die jedes seltsame Licht am Himmel sofort für ein außerirdisches Raumschiff halten. „90 bis 95 Prozent aller dieser Sichtungen lassen sich wissenschaftlich erklären“, sagt er nüchtern. Aber der Rest sei immer noch genug, um ernst genommen zu werden: „1423. So viele Fälle von Flugobjekten, die nicht identifiziert werden konnten, wurden allein zwischen 1947 und 1987 registriert. Das belegen Unterlagen von staatlichen Forschungsprojekten in den USA, der Sowjetunion und Frankreich. Inzwischen dürften sehr viele hinzugekommen sein.“

Rätselhafter Vorgang auf Fehmarn

Wenn es aber in den letzten 50, 60 Jahren tatsächlich Tausende Kurzvisiten von UFOs gegeben haben sollte, stellt sich eine Frage: Was findet man in den Tiefen des Weltalls so spannend an der Erde? „Ich behaupte ja nicht, dass es sich bei all diesen Objekten um außerirdische Raumschiffe handelt“, sagt er. „Fest steht lediglich, dass es unidentifizierte Flugobjekte gibt und – und das ist das entscheidende für mich – verschiedene Militärs der Welt hinter dem Phänomen eine Intelligenz vermuten.“

Allerdings habe der ehemalige AATIP-Chef vom Pentagon, Luis Elizondo, in Rom davon gesprochen, dass die Auswertung von Flugbahnen ein besonderes Interesse der Flugobjekte an Atomanlagen, Atomwaffen und Wasser nahelegen würde. „Ich kann nicht beurteilen, was das bedeutet“, sagt Fleischer. Das sei auch nicht seine Aufgabe. „Ich will mit meiner Arbeit vielmehr erreichen, dass Politik und Wissenschaft endlich dieses Thema der unidentifizierten Flugobjekte ernst nehmen und erforschen, worum es sich dabei handelt.“

Davon, dass UFO-Anflüge auf die Erde längst Realität sind, ist der Leipziger überzeugt. Das ließe sich anhand zahlloser, vom Militär gründlich dokumentierter Ereignisse in vielen Ländern nachweisen, sagt Fleischer. „Piloten und andere Zeugen haben Flugbewegungen beobachtet, die auch auf dem Radar verfolgt und dokumentiert werden konnten und die mit unserer Technologie nicht zu steuern sind. Objekte konnten in einem Maße beschleunigen, wie es kein Mensch und keine auf der Erde gefertigte Maschine überstehen könnte.“ Das alles könne man nachlesen in Untersuchungsberichten von Militär und Wissenschaft, die in einigen Ländern inzwischen freigegeben sind und die man nun zum Teil auf seiner Webseite nachlesen könne. „In 21 Ländern der Welt hat das Militär UFO-Sichtungen dokumentiert und die entsprechenden Akten nach langer Geheimhaltung auch freigegeben. In fünf Ländern gibt es offizielle staatliche UFO-Forschungsbehörden: Frankreich, Argentinien, Chile, Peru, Uruguay“, zählt Fleischer auf. „Hinzufügen müsste man noch die im Nachhinein bekannt gewordenen geheimen UFO-Forschungsprojekte in Großbritannien – das ‚Project Condign‘ – und das Pentagon-Projekt AATIP in den USA.“

Und Deutschland? Fleischer winkt ab. „Während in den USA das Pentagon längst alles daransetzt, die Antriebstechnologie extraterrestrischer Objekte zu erforschen, wird in Deutschland noch immer einfach abgestritten, dass es UFOs überhaupt gibt“, sagt er. Dabei hatte sogar der BND eine UFO-Akte geführt. Zumindest stand UFO darauf, wie man es im Bundesarchiv in Koblenz nachsehen kann. Dort liegt der gerade mal 67 Seiten umfassende Ordner, in dem der BND zwischen 1982 und 1986 mehrere Zeugenberichte über unbekannte Flugobjekte entlang der innerdeutschen Grenze gesammelt und analysiert hat. Schließlich interessierte sich Pullach dafür, ob solche Sichtungen Hinweise auf möglicherweise neu entwickelte Spionageapparate des Ostens geben könnten.

Ein Vorgang aus dem Jahr 1986 aber blieb auch für den BND ein Rätsel. Der Akte zufolge, so erzählt es Robert Fleischer, habe sich dieser Fall auf der Ostseeinsel Fehmarn zugetragen. Am frühen Morgen des 26. August 1986 beobachten demnach drei Grenzschutzbeamte ein Objekt mit „strahlenförmig blendender Beleuchtung“, das langsam auf den Fährbahnhof Puttgarden zuflog und dort in einer Höhe von 50 bis 60 Metern in der Luft stehenblieb. Der BND stellte Nachforschungen an, doch worum es sich dabei gehandelt hat, kam nie heraus. Drohnen, wie man sie heute kennt, waren auf dem damaligen technologischen Niveau noch undenkbar. Ohnehin sprach die helle Beleuchtung des Objekts dagegen, dass es der Osten zu Spionagezwecken gestartet haben könnte. Das rätselhafte Flugobjekt blieb bis heute unidentifiziert.

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