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Meghan Markle ist durch ihre Rolle in der Serie "Suits" bekanntgeworden.

Royale Hochzeit

Die Feministin in der Kutsche

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Die Hochzeit von Meghan Markle mit dem britischen Prinzen Harry verspricht, ein fröhliches Fest zu werden.

Hunderttausende auf den Straßen von Windsor, bis zu drei Milliarden an Bildschirmen weltweit – die Hochzeit des britischen Prinzen Harry und Meghan Markle verspricht ein fröhliches, buntes Fest zu werden. Die Generalprobe verlief reibungslos, die Sonderseiten der Zeitungen sind gedruckt, die Wetterfrösche sagen für Samstag Sonnenschein und angenehme Temperaturen voraus. Dem Start ins Eheglück steht nichts mehr im Weg. Alle wichtigen Details zum frohen Ereignis.

Beginnen wir mit der Braut: die Kalifornierin Meghan Markle, 36. Vor 80 Jahren musste König Eduard VIII abdanken, weil er eine geschiedene Amerikanerin heiraten wollte. Heute gilt die geschiedene US-Schauspielerin, bekanntgeworden durch die TV-Serie „Suits“, als erfrischend moderne Ergänzung des Hauses Windsor. Die selbstbewusste, wohlhabende Feministin stellt als Tochter aus der Ehe einer Schwarzen mit einem Weißen zudem ein Symbol dar für die zunehmende ethnische Vielfalt der britischen Gesellschaft.

Der Bräutigam betet seine Zukünftige erkennbar an. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass Prinz Henry Charles Albert David noch vor zwei Jahren wortreich beklagte, mit einem wie ihm halte es ja keine lange aus. Unvergessen ist der lange Marsch des damals knapp 13-Jährigen an der Seite von Vater, Großvater, Bruder und Onkel hinter dem Sarg seiner Mutter Diana. Die Briten haben ihm seither alles verziehen, von der Prügelei mit Fotografen über die Wehrmachtsuniform samt Hakenkreuzbinde im Fasching bis hin zum Strip-Poker von Las Vegas. Einer jüngsten Umfrage der Firma Ipsos in 28 Ländern zufolge liegt Harry im Popularitätsranking hinter seinem älteren Bruder William auf Platz zwei, noch vor seiner Schwägerin Catherine und der Queen.

Überhaupt sieht es gut aus mit der Popularität der Royals. Königin Elizabeth II wird laut einer YouGov-Umfrage von 60 Prozent ihrer Untertanen gemocht, 70 Prozent sprechen ihr eine positive Amtszeit zu. Lediglich 16 Prozent würde die Abschaffung der Monarchie glücklich machen. Von solcher Zustimmung können Politiker nur träumen. Allerdings sollte man sich von den schönen Bildern aus Windsor nicht täuschen lassen. Zwei Drittel der Briten behaupten, sie interessierten sich kaum oder gar nicht für die Hochzeit.

Das Fest besteht im Wesentlichen aus vier Teilen: dem Traugottesdienst in der Schlosskirche St. Georg, der um Punkt 13 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit beginnt; einer Kutschfahrt der frisch Vermählten durch das Städtchen und den Schlosspark; einem Empfang mit Mittagessen auf Schloss Windsor (Gastgeberin: die Queen) für die 600 Gäste aus der Kirche sowie eine Auswahl der zusätzlich 2640 Menschen aus dem ganzen Land, die das Ereignis auf dem Schlossgelände miterleben dürfen; schließlich abends ein Fest im kleineren Kreis in Frogmore House, ausgerichtet von Thronfolger Charles.

Charles führt die Braut zum Altar 

Dem Vater des Bräutigams, 69, wird schon im Gottesdienst eine besondere Aufgabe zuteil: Er darf die Braut zum Altar führen, in Abwesenheit des 73-Jährigen Brautvaters Thomas Markle, der sich diese Woche einer Herzoperation unterziehen musste. Bis zur Kirche wird die Braut von ihrer Mutter Doria Ragland, 61, begleitet; die Sozialarbeiterin und Yoga-Lehrerin hat in den vergangenen Tagen erste Bekanntschaft mit Charles und dessen Frau Camilla geschlossen und war am Freitag zum Tee bei der Königin zu Gast. Hingegen bleiben sämtliche Stiefgeschwister der Braut vom Fest ausgeschlossen, Markle hat teils seit Jahrzehnten keinen Kontakt mehr zu ihnen. Hingegen übernimmt Prinz William für Harry die Rolle des „Best Man“, fungiert also als Trauzeuge und hält abends eine idealerweise vergnügliche Ansprache. Vor sieben Jahren bei Williams und Kates Hochzeit glänzte Harry in dieser Rolle.

Den Gottesdienst leitet der Domdekan von Windsor, David Conner; die Trauung vollzieht das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche und Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, der die royale Braut in diesem Frühjahr bereits getauft und konfirmiert hat. Die Festansprache hält Michael Curry, der erste schwarze Primas der anglikanischen Kirche in den USA. Für musikalische Highlights sorgen der 19-Jährige Cellist Sheku Kanneh-Mason, der vor zwei Jahren als erster schwarzer Nachwuchsmusiker einen wichtigen BBC-Preis gewann, sowie das Londoner Gospel-Ensemble Kingdom Choir.

Zu den Gästen zählen natürlich allerlei Royals, angeführt von der Queen und dem von einer Hüftoperation genesenen Prinzgemahl Philip; die Musiker Edward Sheeran und Elton John sowie die frühere Girl Band Spice Girls; die Schauspieler Patrick Adams, Sarah Raffery und Rick Hoffman, Markles Ko-Darsteller aus „Suits“; der Ex-Fußballer David Beckham, die Modedesignerin Misha Nonoo sowie Jessica Mulroney, Tochter des früheren kanadischen Premierministers Brian Mulroney und enge Freundin der Braut. Deren Kinder dürfen ebenso Blumen streuen wie William und Kates Kinder George und Charlotte. Hingegen bleibt der vier Wochen alte Babyprinz Louis zuhause. Weder Premierministerin Theresa May noch Oppositionsführer Jeremy Corbyn erhielten eine Einladung.

Das nächste royale Großereignis? Entweder gründet das glückliche Paar selbst eine Familie, oder William und Kate fügen ihren drei Kindern ein weiteres hinzu. Rechnen müssen Royal Watchers mit Blick auf das fortgeschrittene Alter von Prinz Philip (fast 97) und der Königin, 92, aber auch mit traurigen Anlässen. Die nächste Royal Wedding fällt deutlich bescheidener aus: Prinz Andrews jüngere Tochter Eugenie, Neunte der Thronfolge, heiratet im Oktober den Weinhändler Jack Brooksbank.

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