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Rechtschreibung

Feler sind erlaubd

  • VonAlexander Abel
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Zumindest wenn’s nach Kretschmann geht: Baden-Württembergs Ministerpräsident findet Rechtschreibung in Schulen nicht mehr wichtig.

Autokorrektur auf dem Smartphone, Schreibprogramme, die Tippfehler markieren: Sind Rechtschreibkenntnisse nicht mehr wichtig? Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) sieht das so – und provoziert damit heftigen Widerspruch.

Für Kretschmann ist Rechtschreibung im Unterricht nicht mehr so wichtig wie früher. „Jeder Mensch braucht ein Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen, das ist gar keine Frage. Aber die Bedeutung, Rechtschreibung zu pauken, nimmt ab, weil wir heute ja nur noch selten handschriftlich schreiben“, sagte der Grünen-Politiker. Kretschmann arbeitete früher selbst als Biologie- und Chemielehrer. Es gebe „kluge Geräte“, die Grammatik und Fehler korrigierten. „Ich glaube nicht, dass Rechtschreibung jetzt zu den großen, gravierenden Problemen der Bildungspolitik gehört“, sagte er.

Der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Udo Beckmann, dagegen ist „immer wieder erstaunt“, mit welcher Leichtfertigkeit Politiker sich zu bildungspolitischen Grundsatzfragen äußern: „Selbst das ‚Grundgerüst an Rechtschreibkenntnissen‘ muss erst einmal erworben werden. Hierfür ist das Schreiben mit der Hand immens wichtig“, sagte Beckmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Laut einer Umfrage sind 84 Prozent der Lehrkräfte davon überzeugt, dass sich das Handschreiben positiv auf die Rechtschreibung auswirkt. Viele Studien zeigten, dass per Hand Geschriebenes eher gemerkt und besser erinnert werde und in komplexen Denkprozessen eher abgerufen werden könne, ergänzt Beckmann.

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) pflichtet dem VBE-Chef bei: „Richtig schreiben zu können, ist eine wichtige Fähigkeit. Daran hat sich nichts geändert.“ Die Vermittlung der Rechtschreibung gewinne in der heutigen Zeit sogar noch an Bedeutung, weil sie in der Kommunikation in sozialen Medien vernachlässigt werde.

Die Vorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Susanne Lin-Klitzing, kritisiert: „Wir werden zu lasch im schulischen Umgang mit Rechtschreibung. Ich plädiere dafür, auch Abiturienten eine ganze Note abziehen zu können bei schwerwiegenden Verstößen gegen die Rechtschreibung.“ Das sei bisher nicht der Fall. „Die Autokorrektur reicht nicht, weil der Computer nicht jeden Fehler ausmerzt, geschweige denn richtige Kommas setzt, um Sinnzusammenhänge und Zusammenhänge zwischen Neben- und Hauptsätzen zu verdeutlichen.“

Der Grundschulverband stimmt Kretschmann dagegen zu: Die Rechtschreibkompetenz bedeute heute etwas anderes als früher, sagt Hans Brügelmann vom Grundschulverband Baden-Württemberg. Es gehe dabei nicht mehr um das blinde Üben eines begrenzten Wortschatzes für Diktate.

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