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Hugo Chávez im Gespräch mit Cristina Kirchner.

Venezuela

Der Feind macht krank

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Präsident Hugo Chávez äußert Mitgefühl für die krebskranke Präsidentin Argentiniens, Christina Kirchner - und unterstellt den USA Schuld an der Erkrankung zu haben.

Natürlich stecken die USA dahinter, wer denn sonst? Nachdem bekannt wurde, dass in Südamerika ein weiteres Staatsoberhaupt den Kampf gegen den Krebs aufgenommen hat, fand Venezuelas Präsident Hugo Chávez eine schnelle Erklärung. In seiner Fernsehansprache spekulierte er über ein Komplott der Vereinigten Staaten. Es sei doch merkwürdig und verdächtig, dass mehrere linke Staatsoberhäupter innerhalb kurzer Zeit an Krebs erkrankt seien, sagte er.

Am Mittwoch hatten argentinische Medien berichtet, dass die Präsidentin Cristina Kirchner nächste Woche an der Schilddrüse operiert werden muss. Bei einer Routineuntersuchung war ein Karzinom gefunden worden. Die Präsidentin wurde von der Diagnose überrascht, die Prognose auf eine erfolgreiche Operation sei aber gut, heißt es. Die Präsidentin, deren Mann und Amtsvorgänger Néstor Kirchner im Oktober 2010 an einem Infarkt starb, ist 58 Jahre alt.

Kirchner ist damit schon das fünfte südamerikanische Staatsoberhaupt, bei dem in letzter Zeit Krebs diagnostiziert wurde. Ende Oktober wurde bekannt, dass der brasilianische Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva Kehlkopf-Krebs hat; kurz darauf präsentierte er sich der Öffentlichkeit mit kahlem Schädel – und voller Optimismus. So weit bisher bekannt ist, hat die Chemotherapie bei ihm gut angeschlagen.

Der 66-Jährige war von 2003 bis Ende des vergangenen Jahres Präsident Brasiliens. Auch seine Nachfolgerin Dilma Rousseff, 64, litt unter Krebs, allerdings schon 2009, noch bevor sie Lula zu Beginn dieses Jahres nachfolgte. Die Debatte, ob eine an Lymphdrüsen-Krebs erkrankte Politikerin sich um das höchste Amt bewerben sollte, wurde von der Nachricht beendet, Rousseff sei geheilt. Mit Betroffenheit verfolgte die brasilianische Öffentlichkeit den jahrelangen Kampf von Lulas Vize José Alencar, der im vergangenen Januar mit 79 Jahren starb – nach 17 teils schweren Krebs-Operationen.

Castro mahnt zur Vorsicht

Der vierte Staatschef ist Fernando Lugo, der Präsident von Paraguay. Er erhielt im im August 2010 die Diagnose Lymphdrüsenkrebs. Nach sechs Chemo-Kuren gilt er als geheilt. „Es ist sehr schwer, die Zahl der Erkrankungen mit dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit zu erklären“, sagte Hugo Chávez, der für polemische Angriffe gegen die USA bekannt ist und bei dem im Juni auch ein bösartiger Tumor diagnostiziert und entfernt worden war.

Mit den ironischen Worten „My new look“ hatte er seinen wegen der Chemotherapie kahlen Schädel gezeigt. Unter was für einem Krebs der Venezolaner leidet, wird als eine Art Staatsgeheimnis gehandelt. Wegen der Geheimnistuerei trifft Chávez’ Versicherung, er habe die Krankheit im Griff, auf Misstrauen.

Bei objektiver Betrachtung ist kein Zusammenhang der Krebs-Erkrankungen zu erkennen. Das Gesundheitsrisiko für einen Staatslenker dürfte in Südamerika nicht größer sein als anderswo. Wahrscheinlich ist es nur Lebenspech.

Chávez betonte, dass auch der kranke kubanische Ex-Staatschef Fidel Castro ihn mehrmals zur Vorsicht ermahnt habe. Der heute 85-Jährige Revolutionsführer hatte 2006 die Regierungsgeschäfte abgegeben, als er sich einer Notoperation am Unterleib unterziehen musste. Castro habe ihm gesagt: „Pass auf, was dir ins Essen getan wird. Vorsicht mit kleinen Nadeln, mit der sie dir alles Mögliche injizieren können.“

Hugo Chávez schloss jedenfalls in seiner Fernsehansprache nicht aus, dass die Vereinigten Staaten eine Technologie entwickelt hätten, um Krebs zu erzeugen. Dies könne aber erst in 50 Jahren nachgewiesen werden, sagte er.

Obwohl die Medizin schon seit Jahrzehnten intensiv nach den Ursachen forscht, ist bisher nur bekannt, dass die Veränderung im Erbgut von Körperzellen zu einer bösartigen Geschwulst und zur Erkrankung führt.

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