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Die Straße von Lombok im November 2016: Oberhalb von Bali (links) und Lombok sind sogenannte interne Wellen zu sehen.
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Die Straße von Lombok im November 2016: Oberhalb von Bali (links) und Lombok sind sogenannte interne Wellen zu sehen.

Untergang der KRI Nanggala 402

Fatale Kräfte unter Wasser

  • VonBarbara Barkhausen
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Das vor Bali gesunkene U-Boot könnte von einer sogenannten Untermeerwelle in die Tiefe gedrückt worden sein. Fachleute gehen aber auch anderen Theorien nach.

Die russische „Kursk“, das argentinische U-Boot „ARA San Juan“ und nun Indonesiens „KRI Nanggala 402“ – das Entsetzen, das mit einem U-Boot-Unglück einhergeht, ist so groß, dass sich mitunter wilde Spekulationen um die Hintergründe der Tragödien ranken. Um herauszufinden, was im Fall des indonesischen U-Boots geschehen ist und um den 53 getöteten Crewmitgliedern die letzte Ehre zu erweisen, will die Regierung des südostasiatischen Landes das gesunkene U-Boot bergen lassen, wie am Wochenende bekannt wurde. Das in drei Teile zerbrochene U-Boot liegt in über 800 Metern Tiefe am Meeresgrund vor der indonesischen Insel Bali.

Schon jetzt gibt es mehrere Theorien zur Ursache des Unglücks. Neben einem Stromausfall, Materialermüdung und menschlichem Versagen scheint es einigen Fachleuten zufolge möglich, dass ein eigentlich faszinierendes, natürliches Phänomen das Unglück herbeigeführt haben könnte: eine sogenannte interne Welle, die das U-Boot in die Tiefe zog.

Für die Theorie der Naturgewalt, die auch als Untermeerwelle bekannt ist, sprechen einige Faktoren, wie der australische Sender ABC herausgefunden hat. So zitiert der Sender indonesische Marinebeamte, die berichten, dass solche interne Wellen wohl häufiger im Meer vor Bali auftreten. Diese Wellen erzeugen einen intensiven vertikalen Sog unter der Meeresoberfläche. Ein solcher Sog könnte auch das vor Bali gesunkene U-Boot in die Tiefe gerissen haben.

Laut der US-Raumfahrtbehörde Nasa treten diese intensiven internen Wellen in der Lombokstraße – eine Meerenge zwischen den Inseln Bali und Lombok – etwa alle 14 Tage auf. Die Untermeerwellen entstehen, da in der Region eine Kombination aus starken Gezeitenströmungen, einem unebenen Meeresboden und Wasseraustausch zwischen zwei Kanälen – einem flacheren und einem tieferen – zusammentrifft.

Eine US-amerikanische Studie belegte bereits im Jahr 2015, dass solche internen Wellen das Wasser mehr als 10 000-mal stärker in Turbulenzen versetzen können als Wellen an der Meeresoberfläche. Dass sie Schiffe ausbremsen und U-Boote heftig durchschütteln können, ist also bereits bekannt. Doch im Fall des indonesischen U-Bootes könnte solch eine Welle nun 53 Menschen in den Tod gerissen haben.

Tatsächlich sei das U-Boot genau zu dem Zeitpunkt im Norden Balis gesunken, als eine interne Welle aufgetreten sei, wurde Muhammad Ali, ein früherer Kommandant des U-Bootes, der nach wie vor für die indonesische Marine tätig ist, nun in einem Beitrag der ABC zitiert. Er gehe davon aus, dass „natürliche Gründe“ das Unglück verursacht hätten. Seine Aussagen werden von Satellitenaufnahmen aus dem Zeitraum gestützt, wie andere Marinevertreter gegenüber der Presse betonten. So sollen sowohl der japanische Satellit „Himawari 8“ als auch der europäische Satellit „Sentinel“ zu dem Zeitpunkt in der Region interne Wellen aufgezeichnet haben.

Fachleute haben aber noch andere Theorien aufgestellt, was mit dem U-Boot passiert sein könnte. So wurde gemutmaßt, das U-Boot könnte von der Rakete eines ausländischen Schiffes getroffen worden sein. Auch ein Stromausfall hätte das Unglück verursachen können. Diskutiert wird auch, ob das U-Boot überladen war. Es sei nur für 34 Menschen ausgerichtet gewesen, habe aber 53 Besatzungsmitglieder an Bord gehabt, hieß es in Medienberichten.

Doch die Verantwortlichen streiten dies laut ABC ab. Die nur 34 Betten an Bord ließen sich damit erklären, dass die Besatzung in drei Schichten aufgeteilt war und abwechselnd schlief. Experten halten es zudem für möglich, dass eine Materialermüdung das Unglück verursacht haben könnte. So könnten sich Risse im Metall gebildet haben. Das knapp 60 Meter lange U-Boot „KRI Nanggala 402“ wurde Ende der 1970er Jahre in Deutschland gebaut und zuletzt 2012 überholt.

Das U-Boot hatte den Kontakt zur Außenwelt während einer Übung Ende April verloren. Zu diesem Zeitpunkt hielt es sich rund 95 Kilometer nördlich von Bali auf. Mehrere Staaten, darunter die USA und Australien, halfen bei der Suche nach der vermissten Besatzung. Doch trotz der aufwendigen Rettungsaktion konnte keiner der 53 Seeleute lebend geborgen werden.

Letzter Gruß: Abschied von der Crew der „KRI Nanggala 402“. afp

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