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Blitzerattrappe in Ettersdorf (Westerwald): Solche Attrappen sind in Rheinland-Pfalz legal, wenn sie auf privatem Grund stehen, nicht den Verkehr mit Blitzen stören und nicht mit Foto- oder Videoaufnahmen von Autofahrern gegen den Datenschutz verstoßen.

Attrappen

Falsche Blitzer bremsen Raser

Viele Autos fahren zu schnell in Dörfer und Städte hinein. Manch findiger Anwohner betätigt sich als privater Verkehrserzieher. Mit Attrappen von Radarfallen erschrecken sie Raser. Weniger Tempo, mehr Sicherheit? Die Meinungen gehen auseinander.

Es geht bergab, Schrecksekunde, Tritt aufs Pedal: In Montabaur-Ettersdorf im Westerwald lässt am Ortseingang ein grauer Kasten mit zwei kreisrunden Öffnungen viele Autofahrer abbremsen. Wenige Dinge sind im Verkehrsalltag so unbeliebt wie Radarfallen – doch dieser Starenkasten ist nur eine Attrappe. „Ich finde das nicht schlecht, weil die hier wirklich reinrasen“, sagt Waltraud Kunz, die rund 100 Meter entfernt wohnt. Auch andernorts in Rheinland-Pfalz, etwa gegenwärtig in Bettendorf im Taunus oder vergangenes Jahr in Oberöfflingen in der Eifel, haben solche selbst gebastelten Fake-Blitzer den Autoverkehr gedrosselt.

Private Verkehrserziehung am Straßenrand – erlaubt oder nicht? Hilmar Allef von der Polizei Montabaur sagt, eine solche Attrappe sei in Rheinland-Pfalz legal, wenn sie auf privatem Grund stehe, nicht den Verkehr mit Blitzen störe und nicht mit Foto- oder Videoaufnahmen von Autofahrern gegen den Datenschutz verstoße. „Ich habe schon öfter so etwas privat gesehen. Wenn wir diese Attrappen dienstlich wahrnehmen, dann gucken Kollegen, ob sie zulässig sind“, erklärt der Beamte.

Waltraud Kunz sagt, ihre Nachbarn hätten den Fake-Blitzer aufgestellt, „weil sie vom Verkehrslärm genervt waren. Da sind schon um 5.00 Uhr morgens welche runtergerast“. Selbst Autofahrer, die die Attrappe längst kennen, machen sich laut Kunz bei ihrem erneuten Anblick wohl Gedanken und drosseln das Tempo – mehr Sicherheit für große und kleine Fußgänger im Ort.

Polizei spricht von „sehr gut gemachten“ Attrappen

Handwerklich besonders gut gelungen sind 2018 die beiden hohlen Nachbauten eines modernen Blitzer-Anhängers an den beiden Ortseingängen in Oberöfflingen. Jan Hoffmann, gelernter Heizungsbauer, hat sie aus Grobspanplatten zusammengesetzt, weiß angestrichen und ein Fenster reingeschnitten, mit einer runden Holzplatte als vermeintliche Kamera und einer CD als angeblichen Blitzer. Die Trierer Polizei hat seinerzeit von „sehr gut gemachten“ Attrappen gesprochen, die rechtlich nicht zu beanstanden seien.

Christoph Thul, der sie mit Hoffmann zusammen aufgestellt hat, sagt, Ende 2018 seien die Holzkonstruktionen nach den Regenfällen des Jahres nicht mehr ansehnlich gewesen und abgebaut worden. „Wir hätten vorher nie gedacht, dass das so toll einschlägt.“ Die Anwohner hätten die Entfernung der bundesweit bekanntgewordenen Fake-Blitzer mit Nummernschildern bedauert.

Doch nicht alle finden solche Attrappen gut. Ein Polizist im Westerwald, der nicht namentlich zitiert werden will, spricht von Irreführung: „Da wird der Anschein erweckt, da sei amtlich etwas aufgestellt worden.“ Wenn ein Autofahrer deswegen „stark bremst und es zu einem Auffahrunfall kommt, dann wird es schwierig“.

Der gleichen Meinung ist Herbert Fuss, Leiter der Abteilung Verkehr und Technik beim ADAC Mittelrhein: Auch eine falsche Radarfalle in einem privaten Garten könne ein Eingriff in den Straßenverkehr sein - wenn es zu einem Auffahrunfall komme. „Das ist juristisch grenzwertig.“ Tatsächlich ist vor einem Jahr ein Tischler in Köln im Nachbarland Nordrhein-Westfalen wegen eines falschen Starenkastens wegen Amtsanmaßung vor Gericht gelandet. Das Verfahren wurde zwar eingestellt, aber sein Verhalten als strafbar eingestuft.

Echte Radarfalle geht in Flammen auf

Der Montabaurer Polizeibeamte Hilmar Allef dagegen sagt zum Risiko von Auffahrunfällen bei Fake-Blitzern: „Jeder Verkehrsteilnehmer sollte so auf Sicht fahren, dass er jederzeit in der Lage ist, rechtzeitig zum Stehen zu kommen. Es könnte ja auch mal eine Katze von einer Mauer springen und ihn kurz erschrecken, so dass er sonst auf den Vordermann auffahren würde.“

Echte außerörtliche Radarfallen haben 2017 in Rheinland-Pfalz nach Angaben des Innenministeriums rund 1,5 Millionen Mal Temposünder überführt. 2018 stieg diese Zahl ohne kommunale Blitzer auf etwa 1,9 Millionen Verfahren. Das Ministerium erklärt die Zunahme auch mit der Inbetriebnahme der landesweit zehn modernen Blitzer-Anhänger vor allem auf Autobahnen.

Die sogenannten Trailer können sogar kriminellen Hass erzeugen: Im April 2019 ist auf der Rastanlage Polbach an der Autobahn 1 in der Eifel ein mobiler Blitzer in Flammen aufgegangen. Sachschaden: rund 140.000 Euro. „Der Täter ist bis heute nicht ermittelt worden“, teilt die Autobahnpolizei Schweich jetzt mit. „Vermutlich ist da einer selbst geblitzt worden und hat das Gerät dann zerstört.“ (dpa)

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