Vermisster Arian: Ehemaliger Ermittler spricht von „letztem Strohhalm“ und nennt wahrscheinlicheres Szenario
Die Polizei hofft mit einer neuen Suchaktion auf Erkenntnisse im Vermisstenfall des sechs Jahre alten Arian. Ein Ex-Ermittler zweifelt am Erfolg.
Bremervörde – Seit fast vier Wochen gilt der sechsjährige Arian als vermisst. Noch immer ist unklar, was mit dem Jungen passiert ist. Nachdem die Polizei die aktive Suche eingestellt hatte, startete sie eine erneute Befragung der Familie und des Umfeldes. Zusätzlich gibt es am Donnerstag (16. Mai) eine weitere Aktion am Fluss Oste – Sonarboote und Taucherteams suchen den Fluss in beide Richtungen ab. Ein ehemaliger Ermittler der Bremer Kriminalpolizei bezweifelt jedoch, dass der Sechsjährige lebend gefunden wird.
„Ein letzter Strohhalm“: Neue Suchaktionen hofft auf neue Erkenntnisse
Die Suchaktion nach Arian forderte viele Mittel. Mit Luftballons, Feuerwerk, Süßigkeiten sowie einer stillen Suche versuchte die Polizei den Jungen zu finden. Die Ermittler mussten ungewöhnliche Methoden nutzen, weil Arian aufgrund von Autismus nicht auf Ansprache reagiert. Ohne Erfolg. „Die Entscheidung, nach acht Tagen die aktive Suche einzustellen, ist mutig, zeigt aber, dass sie sich wirklich sicher waren, alle möglichen Aufenthaltsorte optimal durchsucht zu haben“, erklärte Axel Petermann im Interview mit dem Stern. Der Ex-Ermittler war langjähriger Leiter der ersten Mordkommission.
Die Wiederaufnahme der Suche und die erneute Befragung des Umfeldes sei ein typisches Vorgehen bei solchen Vermisstenfällen: „Das ist ein letzter Strohhalm, den man ergreift, der aber erfolgreich sein kann“, erklärt Petermann. „Die Ermittler machen sich noch einmal bemerkbar, sprechen Menschen gezielt an, ob sie alles gesagt haben oder ob ihnen vielleicht noch irgendetwas eingefallen ist.“

„Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering“: Ex-Ermittler rechnet nicht mit Erfolg
Bei der anfänglichen Suche nach Arian fand die Polizei Fußspuren in der Nähe des Flusses Oste, die sich dort verlieren. Eine neue Durchsuchung des Gewässers könne neue Erkenntnisse bringen. Doch Petermann befürchtet: „Die Wahrscheinlichkeit, dass Arian noch lebt, ist äußerst gering.“ Eine Theorie sei, dass man das Kind nicht gefunden habe, weil es ins Wasser gefallen und ertrunken sei. Durch die schnelle Strömung könne Arian bereits in die Nordsee getrieben worden sein.
Doch auch, wenn er nicht ertrunken ist, würden die Chancen schlecht stehen: „Ein sechsjähriges Kind kann sich nicht über drei Wochen selbst versorgen, ohne dass es Hilfe von außen erhält. In der ersten Zeit war es noch recht kühl. Dass er an einer Unterkühlung gestorben, hilflos verdurstet oder verhungert ist, ist leider nicht unwahrscheinlich.“ (hk)