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Neues Abfahrverbot in Österreich – Gardasee-Urlauber hat dafür in Tagesthemen kein Verständnis

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In Tirol gelten seit einer Woche strengere Verkehrsmaßnahmen für Durchreisende, die Staus umgehen wollen. Nicht jeder ist über die neue Regelung glücklich.

Innsbruck – Wer auf dem Weg in den Urlaub mit dem Auto oder Motorrad durch Österreich fährt, muss seit dem 9. Mai aufpassen: Tirol hat ein vorübergehendes Gesetz eingeführt, nach dem Durchreisende am Wochenende und an Feiertagen vielerorts nicht mehr in kleinere Ortschaften abfahren dürfen. Oft wurden diese als Abkürzungen oder Umwege für Staus genutzt – zulasten der Anwohner. Nun müssen sich Urlauberinnen und Urlauber offiziell an die Umgehungsstraßen halten. Während sich zahlreiche Ortschaften in Österreich über die Maßnahme freuen, trifft sie bei anderen auf Unverständnis.

Urlauber besuchte die österreichischen Gemeinden gerne – „jetzt muss man sich rechtfertigen“

„Früher, wenn ich an den Gardasee gefahren bin, bin in einfach über die Landstraße gefahren, weil ich es landschaftlich schön fand“, sagte der Autofahrer Hubert Streidl der ARD-Tagesschau, als er beim Abfahren in eine österreichische Ortschaft nahe der deutschen Grenze von Polizisten kontrolliert wird. Früher habe er eigentlich gerne einen kleinen „Abstecher“ in Tirol gemacht, sei über den Pass gefahren und habe spontan bei Restaurants angehalten, um Essen zu gehen. „Und jetzt muss man sich rechtfertigen oder braucht eine Reservierung.“

Das Abfahrverbot in Österreich erhitzt die Gemüter – auch in den Tagesthemen der ARD vom 15. Mai 2024.
Das Abfahrverbot in Österreich erhitzt die Gemüter – auch in den Tagesthemen der ARD vom 15. Mai 2024. © Screenshot ARD

Alle Autofahrer und -fahrerinnen, die in die Ortschaft wollen, werden an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen angehalten und nach ihren Plänen gefragt. Wer keinen plausiblen Grund für die Fahrt angeben oder sich als Anwohner ausweisen kann, dem droht ab sofort Bußgeld. Das Fahrverbot gilt vorläufig bis Oktober in den österreichischen Bezirken Innsbruck/Innsbruck Land, Kufstein, Imst und Reutte. „Unmittelbar an den Abfahrten werden KFZ-LenkerInnen, sofern sie nicht dem Ziel-, Quell und Anrainerverkehr zugerechnet werden können, keine Möglichkeit haben, örtliche Stauumfahrungen vorzunehmen“, hatte die Tiroler Landesregierung auf ihrer Website angekündigt. Seit März geht Österreich außerdem mit aller Härte gegen Raser vor.

Gerechtfertigt oder zu streng? Reaktionen auf neues Abfahrtverbot in Tirol sind zwiegespalten

Neben Hubert Streidl sieht auch der ADAC die Maßnahme kritisch. „Der ADAC tritt für einen freien und ungehinderten Reiseverkehr ein“, schrieb der Verein Anfang Mai auf seiner Website. Man verstehe, dass Tirol unter dem teils massiven Urlaubsverkehr leide. Dennoch seien die Verbote besonders „für Reisende ein Ärgernis“.

Andere Durchreisende zeigen wiederum Verständnis für die Entscheidung. Eine Autofahrerin, die in der ARD-Sendung ebenfalls von der Polizei aufgehalten wird, sagt den Reportern: „Ich kann es verstehen. Wenn ich in der Ortschaft wohnen würde, dann wäre es mir auch lieber, wenn dort nicht alle Leute durchfahren.“ Die Frau durfte weiterfahren, weil sie eine Reservierung für ein Freizeitbad in der Ortschaft hatte.

Auch in Deutschland beobachten Gemeinden nahe der Grenze zu Österreich einen zunehmenden Verkehr durch Urlauber und Urlauberinnen, die sich nicht an die offiziellen Verkehrsrouten halten wollen. Enrico Corongiu ist Bürgermeister der kleinen bayerischen Gemeinde Mittenwald. Im Gespräch mit der ARD sagt er, dass er sich für den Kurort eine ähnliche Maßnahme wünscht. Doch in Deutschland gibt es keine rechtliche Grundlage wie in Österreich, um so etwas durchzusetzen. Corongiu findet es „schade“, dass man sich hierzulande nicht vorübergehend mit Notwehrmaßnahmen helfen kann. „[Solche Abfahrtverbote] würden uns kurzfristig helfen.“, so der Bürgermeister weiter. (nz)

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