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Radfahrer im Stadtverkehr.
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Radfahrer im Stadtverkehr.

Verkehrssicherheit

Fahrradhelm hilft, aber ... .

  • Oliver Teutsch
    VonOliver Teutsch
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Falsche Straßenbenutzung und Selbstüberschätzung sind oft die Ursache für schwere Unfälle.

Der platte Spruch vom Recht des Stärkeren gilt offenbar auch im Straßenverkehr. In mehr als der Hälfte aller Unfälle zwischen Radlern und Autofahrern, die sich im vergangenen Jahr in Frankfurt ereigneten, waren die Motorisierten die Unfallverursacher. Bei Unfällen zwischen Lastwagen und Radfahrern ist der Stärkere gar in 81 Prozent der Unfälle der Schuldige. Umgekehrt ist aber der Radfahrer in etwa zwei Dritteln der Unfälle mit Fußgängern der Verursacher.

Insgesamt sind Unfälle von Radlern mit Lastwagen oder Fußgängern vergleichsweise selten. Die mit Abstand meisten Konfliktsituationen gibt es zwischen Autofahrern und Radlern. Sie machen etwa 80 Prozent der Unfälle zwischen Radlern und anderen Verkehrsteilnehmern aus. Die häufigste Unfallursache ist dabei fehlerhaftes Abbiegen, falsche Straßenbenutzung und Verkehrstüchtigkeit. Bei jedem fünften Crash übersieht der Autofahrer beim Abbiegen den Zweiradfahrer.

Das unachtsame Öffnen von Autotüren ist hingegen nur bei sieben Prozent der Unfällen die Ursache. Die allgegenwärtige Angst der Radfahrer vor unverhofft auftauchenden Autotüren hat einen anderen Grund, wie Siegfried Brockmann von der Unfallforschung der Versicherer (UDV) weiß: „Unfälle mit Dooring sind selten, aber wenn sie passieren, sind sie meist schwer.“ Bei schweren Verletzungen wiederum ist häufig der Kopf betroffen. Die Verletzungen verteilen sich laut UDV zwar zu je einem Drittel auf untere Extremitäten, Brust-/Bauchbereich und Kopf, bei schweren oder gar tödlichen Verletzungen hingegen ist überproportional häufig der Kopf betroffen.

Fahrerseite mit rechter Hand öffnen

Autofahrer könnten mit dem sogenannten „niederländischen Griff“ die Sicherheit für sich und die Radler erhöhen. Statt mit der linken Hand, lernen die Niederländer, die Autotür auf Fahrerseite mit der rechten Hand zu öffnen. Der Körper und der Kopf drehen sich dabei so weit, dass der Blick nach hinten, woher ein Radfahrer kommen könnte, garantiert ist. Wann immer es Radfahrer mit Kopfverletzungen gibt, kommt der Fahrradhelm ins Spiel. Eine Studie des Münchner Instituts für Rechtsmedizin und der Uniklinik Münster belegen laut UDV eindrücklich die Wirksamkeit eines Fahrradhelms, aber UDV-Chef Brockmann schränkt ein: „Die Datenlage für solche Studien ist nicht ergiebig, weil 85 bis 90 Prozent der Radfahrer keinen Helm tragen.“

ADFC-Verkehrssicherheitsexperte Daniel Pepper verweist darauf, dass ein Helm kein Allheilmittel ist. So seien etwa die Hälfte der Kopfverletzungen im Gesicht, sodass sie sich mit einem Helm kaum vermeiden lassen.

Auch bei Fahrradunfällen mit Todesfolge sind die Krafteinwirkungen und die damit auftretenden multiplen Verletzungen so groß, dass ein Fahrradhelm den Tod kaum verhindern könnte. Ein Helm ist Pepper zufolge für Kollisionsgeschwindigkeiten von bis zu 20 km/h ausgelegt. Bei höheren Kollisionsgeschwindigkeiten bricht der Helm und die Schutzwirkung ist dann stark verringert. Auch die Schwere von Gehirnerschütterungen kann ein Helm Pepper zufolge kaum mindern: „Ein Fahrradhelm besteht aus einem relativ harten Kern, meistens Styropor, und hat dadurch kaum dämpfende Wirkung.“ Ein Helm helfe vor allem, um Verletzungen des oberen Kopfs abzumildern.

Pepper gibt auch zu bedenken, dass ein Helm nur hilft, wenn er gut sitzt. Soll heißen, es nützt nichts, wenn der Helm theoretisch passt, im Alltag aber aus Bequemlichkeit nur übergestülpt wird. Auch Thomas Gohla von der Verkehrssicherheit der Frankfurter Polizei unterstützt diese Einschätzung: „Den besten Schutz bietet nicht automatisch der teuerste Helm, sondern das Modell, das am besten passt.“

Wer bewusst auf einen Helm verzichten mag, hat auch ansonsten noch einige Möglichkeiten, Unfälle zu vermeiden. Noch häufiger nämlich als Crashs mit Autos sind sogenannte Alleinunfälle der Radfahrer. Im Jahr 2015 etwa war fast jeder vierte getötete und jeder dritte schwerverletzte Radfahrer in Deutschland auf einen Alleinunfall zurückzuführen. Denn häufig fühlt sich der Radfahrer selbst ziemlich stark.

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