+
Königin Elizabeth II. und Prinz William in der königlichen Loge.

Royal Albert Hall

Fähnchen schwenken neben der Queen

  • schließen

Eine Loge in Londons altehrwürdiger Royal Albert Hall steht zum Verkauf – für läppische 2,9 Millionen Pfund.

Die weltberühmte Last Night of the Proms am Fernseher zu verfolgen ist natürlich eine tolle Sache. Umso glücklicher, wer live dabei sein kann, wenn die Briten ihre unvergleichliche Mischung aus klassischer Musik, Humor und Glamour zelebrieren. Bitte sehr: Zum Spottpreis von umgerechnet 2,9 Millionen Euro können sich Last Night-Begeisterte in Londons Royal Albert Hall (RAH) einen Stammplatz sichern und zukünftig höchstpersönlich ihr Fähnchen schwenken, ganz in der Nähe der mit einem Krönchen verzierten Loge von Elizabeth II.

„Eine extrem seltene Gelegenheit“ tue sich da auf, schwärmt Nicholas Shaw von Harrods Estates. Die Immobilientochter des weltberühmten Kaufhauses ist mit dem Verkauf von Loge 35 der riesigen Konzerthalle südlich des Hyde Park beauftragt; zum letzten Mal stand eine vergleichbare Loge vor neun Jahren zum Verkauf. Der glückliche Inhaber verfügt zukünftig über zwölf Plätze im ersten Rang in akustisch und optisch bester Lage.

Da lässt sich nicht nur die Last Night genießen, sondern auch das eine oder andere der mehr als 60 anderen BBC-Promenadekonzerte während des alljährlichen Sommerfestivals. Während der anderen zehn Monate veranstalten Londoner Bezirke dort ihre Jugendkonzerte, singen Chöre mit Hunderten von Mitgliedern schmalzige Weihnachtslieder, präsentieren Kapellen schmissige Militärmärsche.

Plätze sind nicht immer frei

Auch Pop-Künstler wie Kylie Minogue wählen gelegentlich die insgesamt 5272 Menschen fassende Halle für ihre Konzerte.

Das Vorrecht der neuen Logen-Besitzer gilt freilich nur für rund zwei Drittel der jährlichen Veranstaltungen, beim Rest erhalten sie vom RAH-Management eine Nutzungsgebühr. Für jene Tage, an denen die Besitzer selbst nicht erscheinen können oder wollen, übernimmt die RAH-Konzertkasse den Verkauf der Eintrittskarten. Erfahrungsgemäß klappt dies keineswegs immer gut: Selbst bei sonst ausverkauften Proms-Konzerten gab es in den vergangenen Jahren immer wieder leerstehende Logen zu besichtigen; auch die Königsloge steht meist leer, interessiert sich die Monarchin doch mehr für Galopprennen als für klassische Konzerte.

Das ungewöhnliche Arrangement geht auf die Entstehung des ursprünglich als „zentrale Halle für Kunst und Wissenschaft“ geplanten Bauwerks zurück: Private Investoren leisteten zum Bau in den 1860er Jahren ihre Beiträge und wurden dafür mit garantierten Plätzen belohnt.
1276 Plätze, also knapp ein Viertel, befinden sich bis heute im Besitz von Privatleuten und Firmen. Zu Ehren des 1861 verstorbenen Prinzgemahls von Königin Victoria in Royal Albert Hall umbenannt, brachte das akustisch schwierige Bauwerk lange Zeit Musiker aus aller Welt zur Verzweiflung.

Ein Umbau zu Beginn des Jahrhunderts brachte immerhin die Klimaanlage in Schwung, auch der zuvor seifige Klang wurde deutlich verbessert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion