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Das Satellitenbild der Nasa vom Freitag zeigt in Rot die aktuellen Flächenbrände auf der Welt.

Klimawandel 

Jahresbilanz zu weltweiten Großbränden

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Experten beobachteten 2019 viele riesige Brände – auch zu untypischen Zeiten.

Eigentlich sind Wald- und Flächenbrände in vielen Weltregionen nichts Außergewöhnliches, sie treten dort regelmäßig zu bestimmten Zeiten im Jahr auf. Dort können sie sogar positiv auf das betroffene Gebiet wirken – etwa, wenn die bei einem Brand entstehenden Hitze Samen freisetzt, aus denen neue Bäume entstehen. Immer wenn Waldbrände zu häufig, zu heftig, am falschen Ort oder zu einem ungewöhnlichen Zeitpunkt auftreten, gilt das als Zeichen, dass die Situation durch menschliche Eingriffe aus den Fugen geraten ist.

Lange Liste: Megabrände in Brasilien, Indonesien, der Arktis, Kalifornien und Australien

Im zu Ende gehenden Jahr machten Megabrände am Amazonas in Brasilien, Indonesien, der Arktis, Kalifornien oder wie jetzt in Australien Schlagzeilen. Weitere Feuer mit ebenfalls großem Effekt auf Umwelt, Klima und Luftqualität wurden kaum beachtet – etwa in Kolumbien, Venezuela, Syrien oder Mexiko. Für den von der EU finanzierten Copernicus-Atmosphären-Überwachungsdienst (Cams) sei es bei der Brandbeobachtung „ein sehr arbeitsreiches Jahr“ gewesen, sagte Wissenschaftler Mark Parrington. Es habe Brände in Regionen der Welt gegeben, die zu den betreffenden Zeiten normalerweise keine Feuer aufwiesen.

Keine Algen, sondern Asche am Balmoral Beach in Sydney.

Die Atmosphäre ist durch die Brände laut Cams in diesem Jahr bis Ende November mit schätzungsweise 6,73 Milliarden Tonnen Treibhausgasen (Kohlendioxid-Äquivalent) belastet worden. Zum Vergleich: Der energiebedingte CO2-Ausstoß beträgt pro Jahr weltweit rund 34 Milliarden Tonnen. 2019 ist demnach kein Rekordjahr, 2003 und 2015 zum Beispiel wurden sogar rund acht Milliarden Tonnen erreicht.

Übersicht über die verheerenden Brände

Im folgenden eine Übersicht über Megabrände nach Angaben von Cams und weiteren Instituten jenseits der aktuellen australischen Feuer.

Syrien:  Im Frühling und zu Sommeranfang kam es hier zu Flächenbränden, die viel Ackerland in Mitleidenschaft zogen. Feuer wüteten in der Nähe der militärischen Frontlinien in dem Bürgerkriegsland, aber auch andere Regionen waren betroffen, so die Weizen- und Gerstenfelder in der fruchtbaren Provinz Hassekeh. Laut Cams war es bereits Ende Mai überdurchschnittlich heiß und trocken, was zur Entstehung und schnellen Ausbreitung der Feuer führte und Löscharbeiten erschwerte. Die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung wurde beeinträchtigt.

Arktis:  Von Juni bis August wüteten am nördlichen Polarkreis Brände, wie es sie in diesem Umfang noch nicht gegeben hatte – unter anderem in Jakutien, Sibirien sowie Alaska. Die Brandsaison im borealen Nadelwald dort dauert von Mai bis September, jedoch war die Anzahl an Bränden dieser Größe und Dauer laut den Cams-Forschern „höchst ungewöhnlich“. Festgestellt wurden 100 Brandherde, mitverursacht durch die extrem heißen und trockenen Bedingungen in den Regionen. Bei den Bränden wurden rund 182 Millionen Tonnen Treibhausgase frei.

Brandrodungen für Palmöl-Plantagen einer der Auslöser für Großbrände

Indonesien:  Hier begannen die Waldbrände im August und dauerten Monate an, ähnlich wie im Jahr 2015, das die schwerste Brandsaison seit knapp rund zwei Jahrzehnten verzeichnete. Sie entstanden durch Brandrodungen der Torfgebiete, meist für Palmöl-Plantagen, sowie durch eine überdurchschnittliche Trockenheit. Den Flammen fielen tausende Hektar wichtiger Ökosysteme zum Opfer, die extreme Rauchentwicklung bedrohte die Gesundheit der Bevölkerung und war auch in Nachbarländern wie Malaysia zu spüren. Regenfälle im südlichen Kalimantan im Oktober löschten dort die Feuer, jedoch brennt es weiterhin im südlichen Sumatra. Die CO2-Emissionen von August bis November werden auf 708 Millionen Tonnen geschätzt.

Amazonasgebiet:  In der Region brannten große Flächen ab August, vor allem im Westen des Regenwald-Gebietes – in den Bundesstaaten Rondônia und Mato Grosso auf brasilianischer Seite sowie in Santa Cruz auf bolivianischer. Auf Satellitenbildern konnten Rauchschwaden mit einer Ausbreitung über Millionen Quadratkilometer beobachtet werden. Sogar Sao Paulo war stark betroffen, da Nordwestwinde den Rauch bis zur Atlantikküste trieben. Ursachen waren vor allem Brandrodungen, um Agrarfläche für Sojaanbau und Viehzucht zu gewinnen. Für die brasilianischen Teile des Amazonasgebiets erreichten die geschätzten Emissionen einen Rekord für den Monat August. Brände dieser Größe am Amazonas drohen durch die Veränderungen in der Vegetation den globalen CO2-Kreislauf zu beeinflussen. Anfang der 2000er Jahre allerdings gab es am Amazonas noch mehr Waldbrände als 2019.

Tausende von Bränden auf dem afrikanischen Kontinent 

Angola und Kongo:  Tausende Brände gab es in diesem Sommer auch auf dem afrikanischen Kontinent, wie Nasa-Satellitenaufnahmen zeigten – vor allem im südlichen Teil, etwa in Angola und der Demokratischen Republik Kongo. Teils gehören die Feuer hier zum natürlichen Kreislauf. Sie entzünden sich in der Trockenzeit, doch bald wächst die Vegetation wieder, und die Savanne ist nach kurzer Zeit wieder grün. Allerdings betreibt die Landbevölkerung auch Brandrodung, um die Felder für die nächste Pflanzsaison vorzubereiten. Diese Feuer seien nicht mit den riesigen Brandrodungen im Amazonasgebiet zu vergleichen, sagen Experten. Im Kongo, der (noch) „grünen Lunge Afrikas“ gab es offenbar aber auch größere Feuer, nachdem Brandrodungen außer Kontrolle geraten waren. Auch geschützter Urwald ging so verloren. Ähnlich ist die Lage laut der Umweltorganisation Greenpeace in Mosambik und auf der Insel Madagaskar. wo pro Jahr fast 300 000 beziehungsweise 120 000 Hektar Wald verloren gehen.

Kalifornien:  Der US-Bundesstaat Kalifornien erlebte im Oktober und November heftige Waldbrände, die auch im Hinterland der Metropolen Los Angeles und San Francisco wüteten. In der Weinbauregion Sonoma zerstörten die Flammen eine Fläche von rund 30.000 Hektar, größer als das Stadtgebiet von München. Fast 200.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen. In dieser Jahreszeit kommt es in Kalifornien regelmäßig zu Bränden, was an den saisonal auftretenden sehr starken Winden liegt, die die Vegetation stark austrocknen – im Süden des Bundesstaats die „Santa-Ana-Winde“, im Norden die „Diablos“. 2019 waren die Winde besonders stark, hinzu kamen ungewöhnlich hohe Temperaturen. Die Region hat sich in den vergangenen 100 Jahren bereits um drei Grad erwärmt, und hier hat es über Jahre hinweg viel zu wenig geregnet. Klimaforscherinnen und -forscher erwarten, dass der Klimawandel eine Verschiebung der kalifornischen Waldbrandsaison vom Herbst in den Winter begünstigt. Sie befürchten, dass die Feuer wegen der dann noch trockeneren Vegetation länger dauern könnten.

Die Kolumne zum Thema Klimawandel lesen Sie hier.

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