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Mutmaßlich eine Gasexplosion zerstörte Teile eines Plattenbaus in Magnitogorsk.

Magnitogorsk

Explosion in russischem Hochhaus - viele Tote

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Im russischen Magnitogorsk explodiert ein Wohnhaus ? es werden mehr als 40 Tote befürchtet.

Es habe einen lauten Knall gegeben, danach sei eine Flamme aus einem Fenster im ersten Obergeschoss geschlagen. „Dann stürzte plötzlich alles ein, eine Staubwolke stieg auf wie ein Atompilz“, erzählte ein Augenzeuge der Zeitung Komsomolskaja Prawda. „Ich hörte Hilferufe aus den Trümmern.“

Am Silvestermorgen hat eine Explosion in Magnitogorsk im Südural ein zehnstöckiges Wohnhaus schwer beschädigt. Die Detonation zerstörte gegen sechs Uhr morgens 26 Wohnungen und überraschte viele Menschen im Schlaf.  Die Zahl der Toten stieg am 3.1. auf 39, darunter nach Angaben der Behörden sechs Kinder.

Auch andere Augenzeugen berichteten von Hilferufen aus dem Trümmerberg, die aber bald verstummten. Bei Temperaturen von Minus 18 Grad gab es schon am Montag eigentlich keine Hoffnung mehr, dort noch einen der 35 vermissten Hausbewohner lebendig herauszuholen. Trotzdem hörten die Bergungsmannschaften gestern Nachmittag Kinderweinen und gruben trotz akuter Einsturzgefahr ein 11 Monate altes Baby aus, dass warm verpackt im Wrack eines Kinderwagens lag. Das Kind kam mit Erfrierungen und Kopfverletzungen auf die Intensivstation.

Die Behörden halten eine Gasexplosion für die Ursache des Unglücks, der Inlandsgeheimdienst FSB schloss schon drei Stunden nach der Katastrophe andere Ursachen aus. Im Internet wurde derweil über einen möglichen Terrorakt spekuliert.

In russischen Haushalten kommt es allerdings immer wieder zu Gasexplosionen. „Meist entweicht Gas wegen nicht ausgeschalteter Gasherde oder defekter Gasschläuche in der Küche“, sagt der Twerer Installateur Wadim Jakowlew der FR. „Aber gerade bei starkem Frost lecken oft auch unzureichend geschmierte Verbindungsstellen der Gasleitung im Haus. Dann reicht ein elektrischer Funke in der Wohnung, um eine Explosion auszulösen.“

Dazu habe man in viele Wohnungen hermetisch schließende Kunststofffenster installiert, es fehle deshalb an Spalten, durch die auftretendes Gas entweichen könne.

Nach Angaben der Betreiberfirma „Gasprom Gasoraspredelenije Tscheljabinsk“, war das Gasnetz in dem Haus im März gewartet worden und arbeitete fehlerlos. Aber mehrere Medien berichteten, schon vor der Explosion hätten sich Bewohner über Gasgeruch in dem Haus beschwert.

Der Hausverwaltungsexperte Konstantin Krochin beklagte in der BBC, das Gasüberwachungssystem in Russland sei völlig heruntergekommen, zumindest im Wohnungssektor. „Der Gesetzgeber verpflichtet heute allein die Wohnungsinhaber dazu, die Gasgeräte innerhalb ihrer Wohnung in Ordnung zu halten.“ Den meisten von ihnen aber fehle das Geld, um diese Geräte zu warten.

Präsident Wladimir Putin flog am Montag  nach Magnitogorsk, besuchte Verletzte im Krankenhaus und leitete eine Krisensitzung. „Ungeachtet der Festtage, müssen wir heute der Toten und Verletzten gedenken“, erklärte der russische Präsident vor laufenden Fernsehkameras.

Die Einwohner von Magnitogorsk spendeten so reichlich für die Opfer der Explosion, dass die Sammelstellen vorzeitig geschlossen wurden.

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