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Der Secondhand-Basar des Deutschen Kinderschutzbundes in der Orangerie im Günthersburgpark in Frankfurt.
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Der Secondhand-Basar des Deutschen Kinderschutzbundes in der Orangerie im Günthersburgpark in Frankfurt. (Archiv)

Recycling

Ex und hopp ist out

  • Joachim Wille
    VonJoachim Wille
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Die Studie „Circular Economy 2021“ des Wuppertal-Instituts zeigt: Viele finden Secondhand und Reparaturen gut.

Kreislaufwirtschaft statt Ex und hopp – so heißt das Stichwort für eine zukünftige nachhaltigere Wirtschaft. Dabei geht es nicht nur um verbessertes Recycling, um Rohstoffe wiederzuverwerten, die bei der Entsorgung von Altprodukten anfallen – ob Kleider, Handys oder Autos. Es kommt auch auf ein optimiertes Produktdesign an, das Recycling, Haltbarkeit, Reparierbarkeit, Sharing und Mehrfachnutzung verbessert. Eine Studie zeigt nun: Bürgerinnen und Bürger sind hier für eine Veränderung aufgeschlossen – insbesondere, was die Nutzung von Gebrauchtwaren angeht.

Das Kaufen und Verkaufen von gebrauchten Produkten ist kein neues Phänomen. Es hat in Zeiten von elektronischen Secondhand-Börsen wie Ebay-Kleinanzeigen, Rebuy oder Vinted (früher Kleiderkreisel) jedoch stark zugenommen. Auch der Wunsch, Produkte länger nutzen zu können, ist bei vielen groß, wie die boomende Nutzung von Repair-Cafés zeigt, von denen es bundesweit mehr als 550 gibt. Und dieser Teil der „Circular Economy“ ist durchaus noch ausbaufähig. In deutschen Schubladen und Kellern lagern Milliardenwerte, die auf Weiternutzung und Reparatur warten – es fehlen bisher nur die richtigen Anreize.

Bereits heute ist das Kaufen und Verkaufen von Secondhand-Produkten für viele selbstverständlich. Laut einer Umfrage erstehen bundesweit sieben von zehn Befragten (71 Prozent) mindestens zwei Mal im Jahr gebrauchte Dinge – meist Kleidung, Bücher, Dekorationsgegenstände und Möbel, aber auch elektronische Geräte. Rund 38 Prozent wiederum verkaufen auch selbst mindestens zwei Mal pro Jahr Gebrauchtes. Und knapp die Hälfte (47 Prozent) kann sich vorstellen, künftig noch mehr auf die Nutzung von Gebrauchtwaren zu setzen. Das sind Ergebnisse der aktuellen Studie „Circular Economy 2021“ des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie, die von Ebay-Kleinanzeigen und dem Berliner Umweltsenat in Auftrag gegeben wurde.

In fast allen Haushalten bundesweit (88 Prozent) finden sich ungenutzte, aber noch funktionsfähige oder reparierbare Produkte. Sie haben laut der Untersuchung einen geschätzten Gesamtwert von 52,6 Milliarden Euro. Um diesen Schatz zu heben, braucht es aber mehr Anreize. Vielen Bürger:innen (44 Prozent) sei der Aufwand, die gebrauchten Dinge zu verkaufen, zu hoch. Wenn sei sie loswerden wollen, verschenkten sie sie oder würfen sie einfach weg.

Als Vorteil beim Kauf von Gebrauchtwaren sehen die Befragten laut der Umfrage natürlich vor allem die Möglichkeit, Geld zu sparen. Aber auch die Ressourcenschonung ist vielen wichtig, dabei deutlich mehr Frauen als Männern. Der Trend wurde offenbar durch Corona verstärkt. Rund 62 Prozent der Befragten gaben an, sie handelten „zumindest teilweise“ nachhaltiger als zuvor. Um Produkte länger zu nutzen oder als Gebrauchtwaren leichter verkaufen zu können, wünscht sich etwa die Hälfte der Befragten leicht zugängliche Reparatur-Netzwerke sowie mehr Annahmestellen für Gebrauchtes.

Der Berliner Senat sieht in diesem Sektor großes Potenzial für die Hauptstadt mit ihren rund 3,8 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern – dort gibt es seit 2018 etwa die Initiative „Re-Use Berlin“, die die Wiederverwendung gebrauchter Produkte fördert. Laut der Studie kennen 13 Prozent der Berliner:innen das Projekt, knapp die Hälfte davon gibt an, als Folge der Initiative tatsächlich häufiger gebraucht zu kaufen. Den 2020 eingerichteten „Re-Use-Superstore“ im Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz sowie das Gebrauchtwarenhaus „NochMall“ im Ortsteil Reinickendorf kennen zehn Prozent, das „Re-Use-Zentrum“ am Alexanderplatz fünf Prozent. Hier gibt es noch Einiges zu tun. Denn 76 Prozent gaben an, noch keines der genannten Häuser zu kennen.

Der Berliner Umwelt-Staatsekretär Stefan Tidow kündigte an, die Re-Use-Initiative werde ausgebaut. So wolle man ein Reparatur-Netzwerk aufbauen und die Zahl der Annahmestellen für Gebrauchtwaren auf den Recyclinghöfen erhöhen. Damit würden ökologische Stoffkreisläufe geschlossen, Ressourcen gespart – „und damit auch schädliche Klimagasemissionen“. Interessant in diesem Zusammenhang: Die aktuelle Untersuchung zeigte, dass die Berliner:innen schon heute ihre Altprodukte weniger häufig (43 Prozent) in den Müll entsorgen als die Bundesbürger:innen insgesamt (50 Prozent).

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