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Bergung: Der Untergang der „Estonia“ gilt als das größte Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte.

Untergang der „Estonia“

Betroffene scheitern in Millionen-Prozess

Es erinnerte an den Untergang der „Titanic“: 1994 sank die Fähre „Estonia“ und riss Hunderte Menschen in den Tod. Das Drama lässt Betroffenen auch 25 Jahre später keine Ruhe. Nun geht ein Prozess um Schadenersatz zu Ende.

Nanterre - Rund 25 Jahre nach dem Untergang der Ostseefähre „Estonia“ sind mehr als 1000 Überlebende und Opferangehörige mit ihrer Forderung nach Entschädigung vor Gericht gescheitert. Die Kläger hätten kein grobes oder vorsätzliches Fehlverhalten der französischen Prüfungsstelle Bureau Veritas und der Papenburger Schiffsbauwerft nachweisen können, begründete das französische Gericht in Nanterre am Freitag seine Entscheidung.

Der Untergang der „Estonia“ gilt als das größte Schiffsunglück der europäischen Nachkriegsgeschichte. Die Fähre war Anfang der 1980er Jahre bei der Meyer Werft in Papenburg vom Stapel gelaufen. Das Bureau Veritas hatte es als seetüchtig eingestuft – daher fand der Zivilprozess in Frankreich statt. Bei dem tragischen Schiffsunglück kamen 852 Menschen ums Leben. Die Ostseefähre mit 989 Menschen an Bord war in der Nacht zum 28. September 1994 während der Überfahrt von Tallinn nach Stockholm bei stürmischer See vor der Südküste Finnlands gesunken.

Die Schuldfrage wurde nie endgültig geklärt. Der Prozess um Entschädigungen zog sich über Jahrzehnte durch die Instanzen. Die Kläger hatten bereits Mitte der 1990er Jahre Klage eingereicht und forderten nun mehr als 40 Millionen Euro. Sie klagten auf sogenannten immateriellen Schaden.

Spekulationen über Unglücksursache

Ein Sprecher der Meyer Werft sagte am Freitag auf Anfrage zu der Entscheidung des Gerichts: „Wir kommentieren das aus Respekt vor den Überlebenden und Hinterbliebenen nicht weiter.“ Einige Betroffene der Katastrophe hatten damals nach dem Untergang der Fähre eine einmalige Opferentschädigung der Reederei angenommen.

Über die Ursache der Tragödie in der Ostsee wird bis heute spekuliert. Die Stockholmer Staatsanwaltschaft hatte 1998 alle Ermittlungen zur Klärung der Schuldfrage ergebnislos eingestellt. Unstrittig ist, dass die Bugklappe des Schiffs sich auf offener See öffnete und abriss. Unmengen von Wasser strömten schnell und ungehindert ins Autodeck.

Die „Estonia“ liegt bis heute auf dem Grund der Ostsee, sie wurde nie gehoben. In den Jahren nach der Tragödie gab es ein Hickhack diverser Untersuchungskommissionen. Experten aus Estland, Finnland und Schweden kamen 1997 zu dem Ergebnis, dass ein Konstruktionsfehler an der Bugklappe vorlag – die Fähre sei nicht für die einwirkenden Kräfte ausgelegt gewesen. Eine von der Meyer Werft eingesetzte Untersuchungskommission macht die Besatzung und die estnische Reederei für die Katastrophe verantwortlich.

(dpa)

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