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„Es geht nicht darum, irgendwo hinzugehen und den Menschen zu sagen, was sie zu tun haben. Es geht darum, zu fragen: Was können wir zusammen tun?“: David Höner in Orwa, Kenia.

Kochen in Krisengebieten

„Essen und Trinken sind sozialer Kitt“

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David Höner will Frieden stiften und kocht deshalb mit Menschen in Krisengebieten. Ein Gespräch über Nahrung für die Seele und warum sich internationale Entwicklungshilfe oft nur um Profite dreht.

David Höner hat was Raues, Ehrfurcht einflößendes an sich. Das mag an seinem Schweizer Dialekt liegen, oder auch an seiner Größe und der Ruhe, die er ausstrahlt. Am ehesten wohl aber daran, dass er schon so viel gesehen hat von der Welt. Gesehen im Sinne von: Gespürt. Erlebt. Gemacht. Seit 15 Jahren engagiert er sich mit seinem Verein „Cuisine sans frontières“ für den Frieden und ein besseres Leben der Menschen in Krisengebieten – weltweit. Die Idee: Mit den Menschen kochen, sie an einen Tisch bringen, nicht nur, um sie satt zu machen, sondern um ihnen das Gespräch in einem friedlichen, von Respekt und Fürsorge getragenen Umfeld zu ermöglichen. Über die Projekte seines Vereins in Lateinamerika, Afrika und entlegenen Regionen Europas hat David Höner ein Buch geschrieben. Aber „Kochen ist Politik“ ist kein Sachbuch über den Aufbau eines Vereins und die Konzeption von Entwicklungshilfeprojekten im Kleinen. Höner erzählt, wie er, der gelernte Koch, nicht mehr länger nur am Herd stehen oder als Autor über Foodtrends schreiben wollte; wie aus dem Bedürfnis, etwas gegen das Leid der Menschen zu tun, konkretes Handeln wurde; wie ihm klar wurde, dass die Schönheit der Natur und die Würde des Menschen nur zu retten sind, wenn man gemeinsam vor Ort schaut, was zu tun ist.

Herr Höner, warum ist Kochen Politik?

Essen und Trinken ist viel mehr als nur ein Weg, um Hunger und Durst zu stillen. Essen und Trinken sind ein sozialer Kitt, der Menschen zusammenbringt und zusammenhält. Und Tischgespräche sind dazu da, sich auszutauschen, sie sind oftmals der Ausgangspunkt für neue Ideen, nicht nur bei Geschäftsessen. Man darf eines nicht vergessen: Das Gastgewerbe ist der größte Arbeitgeber der Welt, Essen, Trinken und die Produktion von Lebensmitteln sind nicht nur wichtige Bestandteile unseres täglichen Lebens, sondern auch ein wichtiges Geschäft für große Unternehmen, die sich damit eine goldene Nase verdienen. Und unsere Organisation, die „Cuisine sans frontières“, ist eigentlich entstanden, weil wir der Meinung waren, die Idee des gemeinsamen Kochens und Essens findet in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit keinen Niederschlag.

Wann haben Sie gemerkt, dass gemeinsam Essen auch ein Weg sein kann, Konflikte beizulegen?

Ich habe als Autor viel im Foodbereich gearbeitet und war oft auf Reisen. Eines Tages erhielt ich den Auftrag, über die Kokainbekämpfung in Kolumbien zu schreiben und kam so zum ersten Mal in meinem Leben in ein wirkliches Kriegsgebiet. Und mir fiel auf: Was Kriege oder bewaffnete Konflikte zerstören, betrifft vor allem die Menschen, die nicht an den Kämpfen beteiligt sind. Die Zivilgesellschaft zerfällt, es gibt keine Treffpunkte mehr. Und Treffpunkte sind hier bei uns, wo wir leben, vor allem Kneipen, Restaurants oder Gasthäuser. Dort treffen wir uns, trinken was, wir tanzen und verlieben uns. Wir haben dort gemeinsam Spaß, aber wir streiten auch, wir feiern Hochzeiten und verabschieden uns von Verstorbenen mit einem letzten Essen. Geselligkeit ist Bestandteil vieler Kulturen, aber in Kriegs- und Krisengebieten gibt es diese Treffpunkte nicht mehr. Und wir haben damals eine – dachten wir jedenfalls – ganz einfache Formel gefunden: Wir haben gesagt, wir eröffnen jetzt Kneipen, wo niemand sonst eine Kneipe eröffnen will.

Das war die Geburtsstunde der „Cuisine sans frontières“ – aber so einfach, wie es sich anhört, war es dann doch nicht …

Wir waren blauäugig, damals im Putumayo, und sind sehr schnell auf die Schnauze gefallen. Zehn Tage, nachdem wir dort unsere Arbeit aufnehmen wollten, kamen Menschen, die die Gegend kannten, zu uns und sagten: „Ihr müsst sofort verschwinden hier!“ Heute weiß ich, dass ich es nur dem Zufall zu verdanken habe, dass man mich nicht erschossen hat.

Hinschmeißen wollten Sie trotzdem nicht?

Nein, denn ich habe damals gespürt, dass wir da einen Nerv getroffen haben. Nur hatten wir eben noch nicht genug Erfahrung und Know-how, um diese Idee der Friedensküche an einem Ort zu verwirklichen, an dem es wirklich heikel ist. Wir haben es in Kolumbien ein Jahr später an einem anderen Ort versucht. Und konnten dann bleiben. Das ist jetzt dreizehn Jahre her. Seither haben wir nach und nach Erfahrung gesammelt, mit unseren Projekten im Kongo, in Kenia und in Brasilien.

Wie muss man sich das vorstellen, wenn Sie mit Ihrer Küche ohne Grenzen ein Projekt angehen? Sie können ja nicht einfach irgendwo einen Gaskocher aufstellen und sagen: So, wir kochen jetzt mal was und dann wird alles gut!

„Die Abläufe müssen die Menschen selbst schaffen, wir können nur den Anschub geben“: David Höner beim Tischgespräch mit Lokalpolitikern in Orwa, Kenia.

Als wir unser zweites Projekt in San Josecito in Kolumbien begonnen haben, kam der Jesuitenpater, der die Gemeinde begleitet, auf uns zu und sagte: „Köche? Was wollt ihr denn hier?“ Wir haben ihm dann gesagt, was wir vorhaben, und haben zuerst eine Schulküche aufgebaut. Und aus dieser Schulküche hat sich ein Restaurant entwickelt, in dem sich die Dorfbewohner dann getroffen haben. Nach einem halben Jahr kam dieser Pater wieder zu uns und sagte, „Ihr habt das ganze Dorf verändert, die Kinder sind besser ernährt und die Menschen haben einen Ort, an dem sie sich treffen können.“ Und das hat uns bestätigt, dass diese Idee, in kleinen Schritten ein Gemeinschaftsleben wieder herzustellen, tatsächlich funktioniert. San Josecito liegt in einer Gegend, in der seit Jahren Militärs und Guerilla einander bekämpfen und es unzählige zivile Opfer gibt, zuvor war dort jeder zweite Mann getötet worden.

Wie steht es heute um San Josecito?

Sie können da heute hinfahren und in dem Restaurant etwas essen. Aber heute sind nicht mehr wir dort verantwortlich, die Leute im Dorf haben das Restaurant übernommen. Wir haben noch ein paar Jahre immer wieder kleinere Beträge dorthin überwiesen, damit Löhne bezahlt oder Ausgaben ausgeglichen werden konnten. Aber jetzt ist es selbsttragend.

Wie entstehen die Projekte? Wenden sich die Menschen an Sie – oder finden Sie neue Aufgaben, wenn Sie unterwegs sind?

In den ersten Jahren haben wir die Projekte selbst ausgesucht, wenn wir dachten, da könnte es hinpassen. Elementar wichtig ist ein lokaler Partner. So war es zum Beispiel in Salvador de Bahia in Brasilien, wo wir mit einem Frauenverein eine Kneipe aufgemacht haben. Seit etwa zehn Jahren werden wir angefragt, ob wir nicht an einem Ort etwas aufbauen wollen. Und da entscheiden wir dann, je nach unseren personellen und finanziellen Möglichkeiten, ob wir dahin gehen können und wie wir uns engagieren.

In Ihrem Buch beschreiben Sie die Arbeit Ihres Vereins, aber es steckt auch voll kritischer Anmerkungen. Die internationale Entwicklungspolitik etwa bezeichnen Sie als „Entwicklungsindustrie“.

Für mich steht am Anfang immer die Frage: Warum sind wir dort und was können wir tun? Es geht nicht darum, irgendwo hinzugehen und den Menschen zu sagen, was sie zu tun haben. Es geht darum, hinzugehen und zu fragen: Was können wir zusammen tun? Um diese Gespräche in Gang zu bringen, dafür haben wir die Restaurants. Wir bringen Menschen zusammen – und dann entwickelt sich etwas. An dem einen Ort wird eine Art Kulturzentrum gebraucht, an einem anderen Ort fehlt eine Einrichtung, in der man Essen für Kinder oder alte Menschen ausgeben kann. Das ist immer wieder anders. Und meine Kritik an der internationalen Entwicklungszusammenarbeit setzt genau dort an: Es werden immer riesige Programme gefahren, mit sehr viel Geld im Hintergrund, was in manchen Ländern leider auch korruptionsfördernd ist. Und diese Programme dienen nicht dazu, gemeinsam mit den Menschen dort etwas aufzubauen, sondern sie dienen dazu, dass wir den Leuten sagen, was sie zu tun haben, damit sie in unser globales Wirtschaftsgefüge passen.

Heißt konkret?

Da geht es um große Monokulturen, zum Beispiel Palmöl-Plantagen, aber auch um die Erdöl-Industrie, die Holz- und die Bergbau-Industrie. Das sind keine Projekte, die sich die Menschen vor Ort ausgedacht haben, das sind unsere Projekte, denn wir wollen diese Rohstoffe. Diese Aufträge an Land zu ziehen ist ein riesiger Markt. Und dieser Markt wird in Deutschland versorgt vom BMZ, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die haben sehr viel Geld für Projekte zur Verfügung, damit sie etwas tun, wovon wir dann profitieren – und das läuft sehr oft gegen die Interessen der Menschen vor Ort. Das ist keine Entwicklungszusammenarbeit!

Sondern?

„Kochen ist Politik. Warum ich in den Dschungel gehen musste, um Rezepte für den Frieden zu finden“, Westend Verlag, 24 Euro.

Das ist eine Entwicklung unserer Wirtschaftsmodelle vor Ort, die viel Unheil anrichtet. Und dieser internationale Markt von Entwicklungszusammenarbeit, in dem es um Milliarden von Dollar geht, ist Gegenstand heftigen Hin- und Hergezerres. Ein kleines Beispiel: Es wird eine Straße gebaut in ein Erdölgebiet im oberen Amazonas. Für diese Straße braucht es Baumaschinen, wofür etliche Millionen Dollar eingeplant sind. Es gibt aber eine Auflage: Für dieses Projekt müssen deutsche Baumaschinen gekauft werden. Vor Ort gäbe es auch Baumaschinen, aber dank dieser Auflage, dass nur deutsche Maschinen eingesetzt werden dürfen, wandert ein großer Teil des Geldes direkt wieder zurück in die heimische Wirtschaft. Es gibt Berechnungen, dass für jeden Dollar, der in Entwicklungshilfe fließt, ungefähr 1,50 Dollar zurückkommt. Entwicklungszusammenarbeit ist ein Geschäft!

Und das offenbar auf allen Ebenen. In Ihrem Buch erzählen Sie von einem Projekt in der Nähe von Tschernobyl. Ihre Partner in Weißrussland warnten Sie davor, Autos oder allzu große Geräte mitzubringen, weil sie fürchteten, die Bezirksverwaltung würde sich alles unter den Nagel reißen…

Auch diese Geschichte ist symptomatisch. In diesem Dorf, einer ehemaligen Kolchose, haben wir versucht, das alte Hotel mit Kantine wieder in Betrieb zu nehmen, weil die Menschen, die damals nach Kiew umgesiedelt wurden, wieder in ihrer alten Heimat leben wollten. Nach dem dritten Besuch kamen sie zu mir und sagten: „Du brauchst nicht mehr kommen. Denn je mehr du mitbringst, desto mehr müssen wir abgeben. Wir machen es einfach selbst und danken dir, dass du gekommen bist und uns diesen Anstoß gegeben hast.“ Das war für mich zuerst sehr eigenartig, aber es war auch so, als hätten wir einen Akupunkturpunkt getroffen – und dann konnte die Energie fließen. Auch das zeigt: Die Abläufe müssen die Menschen selbst schaffen, wir können nur den Anschub geben.

Gibt es Rezepte für den Frieden, die überall funktionieren?

Es ist wichtig, sich eines immer wieder bewusst zu machen: Essen ist Identität, Essen ist das Eigene. Kochen ist das, was wir von unseren Eltern oder Großeltern gelernt haben, da ist ganz viel Gefühl drin. Und wenn ich jetzt im North West Rift Valley in Kenia eine Schweizer Rösti mache, dann finden die das vielleicht interessant, aber das hat nichts mit dem Ort, nichts mit deren Kultur zu tun. Die Menschen dort möchten gerne ihre Speisen haben, sie möchten eine Ziege schlachten am Feiertag oder Bohnen und Mais kochen. Das ist auch der Fehler, den ich anfangs gemacht habe: Ich kam irgendwo hin und habe gesagt, jetzt kochen wir mal was Schönes für die Leute. Heute weiß ich, was es bedeutet, das eigene Essen zu essen und nicht die Sachen aus den Care-Paketen von Entwicklungsdiensten.

Was ist verkehrt an den Paketen?

Die sind natürlich ein Segen, aber sie sind oftmals falsch gepackt. Das sehen wir auch in Flüchtlingslagern, etwa im Libanon, wo wir gerade ein Projekt aufbauen: Die Menschen dort haben das Bedürfnis, für sich selbst zu kochen, ihr eigenes Ding zu machen, denn das eigene Essen ist auch ein Trost. Deswegen ist es schwierig, zu sagen, es gibt eine internationale Friedensküche. Was es auf jeden Fall gibt: Eine internationale Art und Weise, sich zu verhalten und den Herd anzuschalten. Ich gehe nicht als Koch dahin, ich gehe als Gastgeber dahin. Als Mensch, der einen Raum öffnet, damit die Menschen dort ihr Essen zubereiten können.

Sie leben seit 25 Jahren in Ecuador, im oberen Amazonasgebiet. Dort wird auch Erdöl gefördert, was viele Konflikte mit sich bringt – nicht nur zwischen indigenen Gruppen. Öl wird es dort noch zehn Jahre geben – was kommt nach dem Öl?

Die Alternative könnte ein nachhaltiger Tourismus sein, der von den Leuten vor Ort selbst gestaltet wird. Aber dieses Selbstgestalten ist nicht so einfach, denn eine Dienstleistung muss man beherrschen, muss sie in den richtigen Zusammenhang bringen können. Ein schönes Beispiel ist die Chicha, ein Getränk, das dort traditionell zur Begrüßung gereicht wird. Chicha wird von den Frauen zubereitet, aus Yucca oder Mais, das wird gekaut und in einen Eimer gespuckt, dann kommt Wasser dazu, ein Deckel drauf und nach ein paar Tagen hat man ein dickflüssiges, leicht alkoholisches Getränk. Da bekommt man als Gastgeschenk einen halben Liter von gereicht.

Und den muss man trinken...

Natürlich, sonst sind sie auch zurecht beleidigt! Aber diese Chicha ist nicht nur Grundnahrungsmittel, sie ist auch eine Art Medizin, denn darin sind ja alle Bakterien, die es in diesem Dorf gibt, enthalten, wir nehmen also eine Art Gegenmittel für sämtliche Krankheiten der Gegend zu uns.

Ein Geschenk, das den Gast beschützt...

Ja, für mich ist das ein wahnsinnig schönes Symbol für Gastfreundschaft. Aber Chicha können wir nicht anbieten, der Tourist, der aus Zürich kommt, wird sagen: Das trinke ich nicht! Also müssen wir in der Küche etwas machen, was einer Chicha ähnlich ist. Genauso ist es mit Touren für Touristen. Wenn man in den Dschungel geht oder in einer Lagune schwimmt, so ist es unglaublich wichtig, dass die Guides von dort sind, denn sie wissen, wo das Krokodil ist, sie wissen, welchen Weg man nehmen kann. Sie haben eine große Freude daran, zu zeigen, was es dort gibt, aber sie haben eben auch ihre Eigenheiten: Ein Shuar-Krieger rennt durch den Dschungel im lockeren Laufschritt, der hält nicht an, er ist ja auf der Jagd. Da muss man ihm dann sagen: Nicht rennen, du musst gehen, denn sonst kommt der David nicht hinterher. Das sind winzige Details, aber die findet man raus, wenn man abends zusammen sitzt und miteinander isst und trinkt, sie erzählen von ihren Erfahrungen und ich von meinen. Und so lernen wir voneinander.

Was haben Sie im Dschungel noch gelernt?

Das Träumen und darüber sprechen. Die Quechua stehen jeden Morgen um drei Uhr auf und trinken ein Glas Guayusa, das ist der Saft von einem Baum, eine Art Tee, sehr koffeinhaltig. Und während sie die Guayusa trinken, erzählen sie sich ihre Träume. Und mit diesen Träumen gehen sie hinaus in den Tag. Ich bin auch um drei Uhr aufgestanden und habe von meinen Träumen erzählt, da entsteht eine tiefe Verbundenheit und Empathie. Und wenn man diese Verständigung erlebt hat, dann sieht man auch die Ölförderung in diesem Gebiet mit anderen Augen. Das ist eine der Aufgaben, die wir da am Río Napo haben – und nicht nur dort: Ein Bewusstsein zu schaffen, die Augen zu öffnen.

Erzählen Sie uns noch von Ihren Träumen, was die Cuisine betrifft?

Unser Verein wird weiterhin an abgelegenen Orten oder Orten, an denen es den Menschen nicht so gut geht, seine Restaurants aufmachen. Die Botschaft, die ich verbreiten möchte, ist: Jeder kann etwas tun. Jeder hat eine Fähigkeit, die er teilen kann. Und jeder von uns hat auch Empathie. Diese menschliche Empathie, dieses zusammen etwas tun, das ist der Weg, wie wir die Welt tatsächlich ein bisschen verbessern können. Wenn ich kein Salz zu Hause habe, dann klopfe ich bei meinen Nachbarn und frage, ob sie mir ein Tässchen Salz geben können. Und sie werden mir das Salz einfach geben, sie werden nicht sagen: Morgen hätten wir aber gerne zwei Tässchen Salz zurück. Und da liegt die Botschaft unserer Cuisine: Der kleinste gemeinsame Nenner ist, zusammen zu sitzen, etwas zu essen und gemeinsam zu überlegen, was können wir tun – ohne immer über Gewinn und Verlust und das Preis-Leistungsverhältnis zu diskutieren.

Interview: Boris Halva

Zu Person und Buch

David Höner, 1955 in der Schweiz geboren, arbeitete nach seiner Kochausbildung fünfzehn Jahre als Koch, Küchenchef und Caterer. Journalistisch ist er seit 1990 für Radio, Fernsehen und Printmedien und als Autor von Hörspielen, Radiofeatures und Theaterstücken tätig. Langjährige Auslandsaufenthalte führten ihn 1994 nach Quito in Ecuador, wo er als Mitarbeiter in Kulturprojekten (Theater, Radio), in Entwicklungsprojekten und als Gastrounternehmer aktiv wurde.

2005 gründete er die Hilfsorganisation „Cuisine sans frontières“ (CSF). Inzwischen hat die CSF auf nahezu jedem Kontinent Hilfsprojekte initiiert. Derzeit baut der Verein ein Projekt in Thessaloniki auf. Auch im Libanon wollen sich Höner und seine Kolleginnen und Kollegen engagieren. Dort versucht CSF, in einem Lager für syrische Flüchtlinge, in dem etwa 70 000 Menschen leben, einen sozialen Cateringservice aufzubauen.

Sein Buch „Kochen ist Politik. Warum ich in denDschungel gehen musste, um Rezepte für den Frieden zu finden“, ist im Oktober im Westend Verlag in Frankfurt erschienen. Es kostet 24 Euro. FR/boh

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