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Und nun? Nur noch Rang 25 beim ESC. 

Song Contest

ESC: Sind wir „noch schlechter“?

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Zumindest immer noch schlecht. Aber es gibt Hoffnung!

Selbst Bar Refaeli hat beim Verlesen der Publikumspunkte etwas peinlich berührt dreingeschaut: „Germany – I’m sorry – zero points.“ Immerhin gab’s zuvor eine Handvoll Jurypunkte. Wer am Samstag noch dachte, „schlimmer geht nimmer“, sieht sich nun eines Besseren belehrt, denn schlimmer geht bekanntlich immer. Logisch eigentlich, als Dritter von hinten waren für das deutsche Duo „Sisters“ beim Eurovision Songcontest (ESC) ohnehin zwei noch schlechtere Plätze drin – und einen davon haben sie nun nachträglich ergattert. Nach einer fehlerhaften Berechnung des weißrussischen Juryvotings korrigierte die European Broadcasting Union (EBU) das Ergebnis, womit Deutschland jetzt Vorletzter ist. Vier Tage nach der Veranstaltung. Auch ein bisschen peinlich.

„Deutschland jetzt noch schlechter“ titelten gestern zahlreiche Onlinemedien, dazu Hohn und Spott auf Twitter. Mit Laurita Spinelli und Carlotta Truman alias „Sisters“ beziehen nun diejenigen die Prügel, die noch am wenigsten dafür können. Die beiden haben alles gegeben, mit dem Lied Sister wären jedoch wohl auch die besten und etabliertesten Musikerinnen gescheitert. Dass die Schmach nicht noch größer war, ist sowieso nur dem fragwürdigen Umstand geschuldet, dass Deutschland als einer der „Big Five“ sich gar nicht erst für das Finale qualifizieren musste – manch besserer Beitrag scheiterte leider im Halbfinale. „Big Five“, das ist ein aufgehübschter Begriff für die größten EBU-Geldgeber. Von denen konnte ohnehin nur Italien (Platz zwei) glänzen, Frankreich landete im hinteren Mittelfeld, Spanien, Deutschland und Großbritannien sicherten sich drei der fünf hintersten Ränge.

Aber ist Deutschland jetzt wirklich „noch schlechter“ geworden? Nüchtern betrachtet ja, sind sie doch nachträglich vom 24. auf den 25. Platz geschubst worden. Der Beitrag selbst bleibt natürlich so schlecht wie er war. Bedenklich ist aber vor allem eines: die „Sisters“ lieferten, gemessen an Punkten, den dritterfolgreichsten Beitrag Deutschlands in den vergangenen sieben Jahren. Böse Zungen munkeln in sozialen Netzwerken, Deutschland wolle gar nicht gewinnen. Schließlich müsste man dann den nächsten ESC austragen und das koste viel Geld.

Ob man das nun als Verschwörungstheorie abtun mag oder nicht, Fakt ist: In der Vorauswahl scheint für Deutschland kaum noch was anderes als ein austauschbares Castingprodukt nach dem anderen überhaupt infrage zu kommen. Das mag für die Standardabendunterhaltung von Pro7 und Co. und offenbar inzwischen auch der ARD und dem NDR genügen, auf der internationalen Bühne genügt es aber völlig zu Recht für exakt „zero points“. Und das muss bei der Qualität dann auch niemandem leidtun. Aber vielleicht findet ja dieses Mal ein Umdenken statt. Und in der deutschen Musikszene tummeln sich, auch wenn sie es selten ins TV-Abendprogramm schaffen, reichlich gute Musiker und Songwriter. Das macht etwas Hoffnung. Fair wäre es zudem, wenn sich alle Beiträge im Halbfinale bewähren müssten, damit die unmotivierten Beiträge der „Big Five“ nicht kleineren Nationen und besseren Interpreten die Startplätze wegnehmen. Wenn es dann mit dem Finale klappt, wirkt es auch weniger deplatziert, wenn die Kandidaten unter dem Motto „Dabeisein ist alles“ – so kamen die „Sisters“ in manchen TV-Beiträgen rüber – die große ESC-Party feiern.

Und um das ganze ESC-Debakel 2019 mit einer positiven Erkenntnis abzuschließen: Den „Sisters“ ist in Tel Aviv etwas gelungen, was bislang nur ganz wenigen Musikern gelungen ist: Sie standen an jenem Abend auf derselben Bühne wie Madonna – und haben mit ihrem Auftritt den US-Superstar ziemlich in den Schatten gestellt. Auch das macht Hoffnung.

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