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ESA: Stärkere Präsenz im All

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Von: Stefan Brändle

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Zwischen der „Orion“-Kapsel, die die NASA zusammen mit der ESA gebaut hat und dem Mond schwebt klein die Erde im All. Sechs Tage nach Beginn der 25-tägigen Artemis-I-Mission führte die Orion-Raumsonde ein Schlüsselmanöver durch.
Zwischen der „Orion“-Kapsel, die die NASA zusammen mit der ESA gebaut hat und dem Mond schwebt klein die Erde im All. Sechs Tage nach Beginn der 25-tägigen Artemis-I-Mission führte die Orion-Raumsonde ein Schlüsselmanöver durch. © dpa

Die Raumfahrtagentur ESA will gegen die Konkurrenz aus den USA und China bestehen.

Die europäische Raumfahrtagentur ESA will nicht länger die kleine Schwester ihres amerikanischen Pendants Nasa sein. Auf ihrer Ministertagung, die alle drei Jahre stattfindet, präsentierte sie 17 neue Astronaut:innen, die Europa etwa auf der Raumstation ISS vertreten sollen. Im Reserveteam sind zwei Deutsche: Nicola Winter und Amelie Schoenenwald. Sie wurden aus rund 22 000 Kandidat:innen ausgewählt.

Ferner legte die ESA ihre Strategie bis 2025 fest. Dafür stellt sie 16,9 Milliarden Euro zur Verfügung – 2,4 Milliarden mehr als vor drei Jahren. Deutschland steuert 3,5 Milliarden Euro bei. Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck erklärte in Paris, wo das Ministertreffen stattfand, dies sei der Preis für eine „eigene Souveränität“. Dazu gehöre die Schaffung einer sicheren Kommunikation im All. Auch seien Klimadaten aus dem Weltall wichtig, um Nachhaltigkeit zu unterstützen und Klimapolitik auf der Erde zu betreiben.

„Signal an die ganze Welt“

Anna Christmann, Koordinatorin der Bundesregierung im Bereich Luft- und Raumfahrt, nannte die finanzielle und politische Einigung ein „sehr klares Signal an die ganze Welt, dass wir im Weltall ein starker Akteur sein wollen“. ESA-Direktor Josef Aschbacher sprach von einem „bemerkenswerten“ Resultat. Vor der Presse betonte der Österreicher, dass kein einziges Projekt gefährdet sei. Im Kernbereich der europäischen Raumfahrt, dem Bau und dem Start von Satelliten, wurde sogar ein großer Fortschritt erzielt.

Deutschland, Frankreich und Italien einigten sich namentlich auf ein Programm für Microlauncher, die ganze Konstellationen von Kleinsatelliten ins All bringen. Die ESA schafft damit ein erdumspannendes Kommunikationsnetz, wie es die Amerikaner mit Starlink seit Jahren aufbauen. 2000 von insgesamt 40 000 Minisatelliten hat Elon Musk bereits in einem niedrigen Orbit platziert.

Dass Europa nun eine eigene Konstellation schafft, wurde vom französischen Wirtschaftsminister Bruno Le Maire als „Beweis der europäischen Souveränität“ gewertet. Die europäische Einigkeit wurde jedoch auf eine harte Probe gestellt. Frankreich sträubte sich zuerst gegen die Microlauncher, man bevorzugte schwere Raketen wie die Ariane, deren sechste Generation Ende 2023 abheben soll.

Dieses europäische Pionierwerk hatte den Europäern jahrzehntelang die Vorherrschaft im Satellitengeschäft gesichert. Heute sind sie aber ins Hintertreffen geraten, da Musk mit wiederverwertbaren SpaceX-Raketen billigere Satellitenstarts anbieten kann. Habeck erreichte aber, dass die staatliche ESA nun vermehrt auf private Kleinanbieter setzt, wie sie die deutsche Space-Branche vermehrt hervorbringt.

Dieser Strategiewechsel zeigt, dass die Europäer in der Lage sind, sich neuen Gegebenheiten anzupassen. Die Anpassung erfolgt jedoch spät. Mehrere Jahre sind wegen der Differenzen zwischen Paris, Rom und Berlin verlorengegangen. Das Prinzip bleibt zudem schwerfällig: Die ESA wählt die europäischen Firmen je nach finanzieller Beteiligung ihres Herkunftsstaates aus.

Die ESA hat aber auch Erfolge vorzuweisen. Dazu gehört das europäische Navigationssystem Galileo mit 30 Satelliten im Orbit. Ebenso der Bereich der Erdbeobachtung. Mit ihren UV-Lasern liege die ESA sogar vor den Konkurrenten, die diese Technik nicht beherrschten, sagte Aschbacher.

Der ESA-Direktor bestätigte ferner, dass die europäische ExoMars-Expedition mit einem „Rover“ weitergehe, auch wenn die Russen ausgestiegen seien. Der Beizug amerikanischer Firmen rettete das Projekt, das im Frühjahr fast nach Beginn des Ukraine-Krieges gescheitert wäre.

Was Aschbacher nicht sagte: Da die russischen Sojus-Raketen der Agentur nicht mehr zur Verfügung stehen, müssen sie weitere Galileo-Satelliten durch ihren Hauptkonkurrenten SpaceX von Elon Musk ins All bringen. Noch ist die europäische Souveränität im Weltall nicht perfekt.

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