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Aufarbeitung

Sexualisierte Gewalt im Erzbistum Köln: Weiterer Kölner Bischof beurlaubt

In der Untersuchung von Fällen sexualisierter Gewalt im Erzbistum Köln tauchen mehr als 200 Beschuldigte auf. Bei Kardinal Woelki wird keine Pflichtverletzung gesehen.

Update vom Freitag, 19.03.2021, 11.55 Uhr: Als Konsequenz aus dem am Donnerstag vorgestellten Missbrauchsgutachten ist ein weiterer Kölner Bischof vorläufig beurlaubt worden. Weihbischof Ansgar Puff habe Kardinal Rainer Maria Woelki selbst darum gebeten, teilte das Erzbistum Köln am Freitag mit.

Weihbischof Ansgar Puff (links) und Rainer Maria Kardinal Woelki. (Archivbild von 2020)

Sexualisierte Gewalt im Erzbistum Köln: Kardinal Woelki entlässt zwei Mitarbeiter 

+++ 11.55 Uhr: Unmittelbar nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachtens für das Erzbistum Köln hat der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und Offizial Günter Assenmacher von ihren Aufgaben entbunden. Gehrcke und die Co-Autorin der Studie, Kerstin Stirner, bescheinigten den Verantwortlichen eine große Rechtsunkenntnis und eine desaströse Aktenlage. Wenn Vorschriften geheim seien, sei Rechtsunkenntnis die logische Folge. Der Schutz der Institution Kirche habe im Vordergrund gestanden. Bei Verfehlungen von Laien habe es dagegen kein Fehlverhalten gegeben; es habe rasche Kündigungen gegeben. Woelki sagte dazu, er sei beschämt über diese Erkenntnis.

Sexualisierte Gewalt im Erzbistum Köln: Gutachten bestätigt zahlreiche Pflichtverletzungen

Erstmeldung vom Donnerstag, 18.03.2021, 11.48 Uhr: Köln – Nach monatelanger Debatte ist am Donnerstag (18.03.2021) ein Gutachten über den Umgang mit Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln vorgestellt worden. Es belastet unter anderem den Hamburger Erzbischof Stefan Heße (54), den Kölner Weihbischof und früheren Generalvikar Dominikus Schwaderlapp (53) sowie den früheren Kölner Generalvikar Norbert Feldhoff (81). Ihnen sowie den bereits verstorbenen Erzbischöfen Joseph Höffner (1906-1987) und Joachim Meisner (1933-2017) attestiert die Anwaltskanzlei Gercke & Wollschläger jeweils zahlreiche Pflichtverletzungen im Umgang mit Missbrauchsfällen – gemessen am staatlichen und kirchlichen Recht sowie am kirchlichen Selbstverständnis.

Den amtierenden Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki (64) treffen laut der Untersuchung keine Vorwürfe. Belastet wird dagegen auch der Leiter des Kölner Kirchengerichts, Günter Assenmacher (69), der in zwei Fällen unzutreffende Rechtsauskünfte gegeben haben soll. Das Gutachten hatte Kardinal Woelki erst im Oktober vergangenen Jahres in Auftrag gegeben. Es handelt sich um die zweite Ausarbeitung für das Erzbistum – ein erstes Gutachten der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) wurde zunächst nicht wie vorgesehen veröffentlicht, weil Woelki es für mangelhaft hält. Kritiker warfen ihm deshalb mangelnden Aufklärungswillen vor.

Sexualisierte Gewalt im Erbistum Köln: Erzbischof Woellki äußert sich erst nächste Woche

Für das aktuelle Gutachten wurden nach Angaben der Kanzlei der Zeitraum zwischen 1975 und 2018 untersucht. Es gab Übergriffe und Grenzverletzungen von insgesamt 202 Beschuldigten, davon knapp zwei Drittel Kleriker. Die Zahl der Opfer beläuft sich auf 314, darunter 178 männliche und 119 weibliche. Bei 17 Opfern gab es keine Angabe zum Geschlecht.

Woelki und sein Generalvikar Markus Hofmann nahmen als Gäste an der Präsentation teil. Laut Erzbistum kannten sie den Inhalt des Gutachtens bislang nicht. Woelki will sich am 23. März zu den Konsequenzen äußern. Das komplette Gutachten soll heute Mittag auf der Internetseite des Erzbistums Köln veröffentlicht werden, nachdem zunächst der Betroffenenbeirat Einsicht erhalten hat. Ab dem 25. März sollen Betroffene, Journalisten und weitere Interessierte Möglichkeit zur Lektüre des WSW-Gutachtens bekommen. (KNA/AFP)

Rubriklistenbild: © Guido Schiefer/imago-images

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