1. Startseite
  2. Panorama

Erzbistum Köln: Justiziarin erhält Kündigung wegen Bürostuhl im Homeoffice

Erstellt:

Von: Katja Thorwarth

Kommentare

Das Erzbistum Köln steht wegen Kindesmissbrauchsfällen im Fokus.
Das Erzbistum Köln steht wegen Kindesmissbrauchsfällen im Fokus. © Oliver Berg/dpa

Das Erzbistum Köln kündigt seiner Justiziarin fristlos. Begründung: Sie hat wegen der Corona-Pandemie ihren rückenschonenden Bürostuhl ins Homeoffice mitgenommen.

Köln - Mehr als zehn Jahre hat die Justiziarin für das Erzbistum Köln gearbeitet. Dann bekam sie vor wenigen Monaten ihre Kündigung - und zwar ohne Angabe von Gründen, wie sie sagte. Dagegen hat die Frau geklagt. Erst im Zuge ihres ersten Termins vor dem Kölner Arbeitsgericht im September 2021 soll die Juristin den Grund für die Kündigung erfahren haben.

Der früheren Justiziarin des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki wurde angeblich fristlos gekündigt, weil sie zu Beginn der Corona-Pandemie ihren rückenschonenden Bürostuhl mit nach Hause ins Homeoffice genommen hatte. Nicht nur die Kündigung ist Klagegegenstand, die Juristin verlangt zusätzlich mindestens 50.000 Euro Schmerzensgeld.

Erzbistum Köln entlässt Justiziarin wegen Bürostuhl - oder wegen Missbrauchsrecherche?

Nachdem auf dem ersten Gerichtstermin 2021 keine Einigung erzielt werden konnte, will das Arbeitsgericht Köln am Dienstag (18.01.2022) voraussichtlich endgültig in der Sache entscheiden. Es sei aber auch möglich, dass es etwa zu einem Auflagenbeschluss oder einem Beweisbeschluss komme und das Verfahren noch weitergehe, sagte eine Gerichtssprecherin.

Wolfgang Glöckner, der Anwalt des Erzbistums, hatte in der Verhandlung im vergangenen Jahr betont, bei dem Bürostuhl gehe es um einen „Gegenstand von durchaus erheblichem Wert“. Die Mitnahme sei „illegal“ gewesen. „Es gibt keinen einzigen Bürostuhl, der in Corona-Zeiten mit nach Hause genommen werden durfte“, erläuterte der Anwalt. Zudem habe sich die Justiziarin kurz danach krank gemeldet.

Erzbistum Köln: Entlassene Justiziarin war an Aufklärung von Missbrauchsfällen beteiligt

Folgt man der Verteidigung, könnte der Bürostuhl nicht der einzige beziehungsweise wahre Grund für die Kündigung sein. Denn nach Angaben ihres Anwalts Stephan Vielmeier leidet die Justiziarin an einer posttraumatischen Belastungsstörung, da sie jahrelang die Akten zu den Fällen von sexuellem Kindesmissbrauch durch Priester des Erzbistums Köln habe durcharbeiten müssen. Die Details seien schockierend und extrem belastend gewesen.

Vielmeier sprach von einer „Kampagne“ des Erzbistums gegen seine Mandantin, denn immerhin war die Justiziarin unmittelbar an der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle beteiligt. Wie der WDR berichtet, werde sie in den Gutachten zu den Missbrauchsfällen, die im März erschienen waren, namentlich genannt. Das Gutachten bescheinigt ihr laut WDR, großen Einsatz während der Bearbeitung der Verdachtsfälle gezeigt zu haben.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, steht wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch in der Kritik.
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, steht wegen Vertuschung von Kindesmissbrauch in der Kritik. © Rolf Vennenbernd/dpa

Kardinal Woelki befindet sich in einer Auszeit, da ihm gravierende Fehler in der Missbrauchs-Aufarbeitung vorgeworfen werden. Das Erzbistum Köln diskutiert aktuell dennoch seine Rückkehr. (ktho/dpa)

Auch interessant

Kommentare