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Erstes Todesopfer im Höhlen-Drama

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Von: Willi Germund

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Ein Spezialist auf dem Weg zum Eingang der Höhle.
Ein Spezialist auf dem Weg zum Eingang der Höhle. © dpa

Ein 38-jähriger Helfer stirbt an Sauerstoffmangel - die Lage für die in Thailand eingeschlossenen Jungen spitzt sich zu.

Das Drama um zwölf Nachwuchsfußballer zwischen elf und 16 Jahren sowie ihrem 25-jährigen Trainer in den Tham Luang Höhlen forderte das erste Todesopfer. Der 38-jährige Saman Kunan, im Hauptberuf Chef der Sicherheitsleute an Bangkoks Internationalem Flughafen Suvarnabhumi, starb an Sauerstoffmangel, nachdem er mit einem Gefährten stundenlang volle Sauerstoffflaschen für die Retter in den Katakomben verteilt hatte. Es war nicht der einzige Rückschlag am Freitag. Am heutigen Samstag stecken die Kinder genau zwei Wochen in der Höhle.

Kaum hatte Gouverneur Narongsak Osottanakorn am Freitagmorgen die tägliche Pressekonferenz beendet, öffnete der Himmel seine Poren – glücklicherweise nur für fünf Minuten. Aber die Sorge vor starken Regenfällen bleibt. Sie könnten Bemühungen zunichte machen, den Wasserspiegel in dem teilweise überschwemmten unterirdischen Labyrinth 800 bis 1000 Meter unter der Bergoberfläche zu senken.

Noch am Donnerstag hatte Gouverneur Narongsak Osottanakorn verkündet, die Retter würden alles daran setzen, Wasser aus den Höhlen in die Umgebung zu pumpen. Am Freitagmorgen lauteten seine Prioritäten: „Die wichtigste Aufgabe ist es derzeit, Luft in die Gewölbe zu bekommen.“

Beim Wettlauf gegen die Zeit und das Wetter drängte Arpakorn Yookongkaew, der Kommandeur der Navy Seals, auf Eile: „Wir dachten zunächst, die Kinder könnten dort länger aushalten. Aber viele Dinge haben sich geändert. Wir haben nur begrenzte Zeit übrig.“ So sank der Sauerstoffgehalt der Luft in dem kleinen Gewölbe rund vier Kilometer vom Höhleneingang entfernt, in dem die Jungen am Montagabend zufällig von einem britischen Taucher entdeckt worden waren, von 21 Prozent auf 15 Prozent. „Wegen der vielen Aktivitäten wurde die Luft verbraucht“, sagte der Gouverneur.

Zehn Jungen, so kalkulierten entgegen aller Skepsis einige zuversichtliche Retter, könnten von Tauchern herausgelotst werden. Zwei Jungen und der Trainer gelten als schwach. Der 25-jährige Coach Ekapol Chanthawong hatte die wenige Essensvorräte, die die Gruppe mitgenommen hatte, an die Kinder verteilt, während sie auf Hilfe warteten.

Bislang gelang es nicht einmal, ein Fiberoptikkabel durch die stockdunklen Gänge zu verlegen. Mühe macht den Rettern neben der nach wie vor starken Strömung ein Engpass. Erwachsene Taucher müssen ihre Sauerstoffflaschen ablegen und durch das Gestein schieben, bevor sie selbst folgen können.

Am Freitag versuchten die Retter, das Fiberoptikkabel innerhalb der Luftröhre bis zum Zufluchtsort der Kinder zu verlegen. Die Verbindung würde den Rettern ermöglichen, erstmals direkt mit den Eingeschlossenen zu kommunizieren und auf plötzliche Notfälle zu reagieren. Gegenwärtig braucht ein Taucher etwa fünf bis sechs Stunden, um bis zu der Grotte vorzudringen. Die gleiche Zeit wird für den Rückweg benötigt. Ein Soldat weilt seit Dienstag permanent bei der Gruppe.

Das Kabel würde den eingeschlossenen Jungen erstmals ermöglichen, mit ihren Eltern zu kommunizieren – und auf beiden Seiten die Moral heben. Denn die anfängliche Erleichterung und der Jubel, der nach der Entdeckung der vermissten Jungen aufgekommen war, weicht angesichts der vielen Rückschläge bei den Rettungsbemühungen wieder zunehmender Anspannung. 

Mit dem Tod des Tauchers und dem befürchteten erneut einsetzenden Regen stehen die Retter vor schwierigen Entscheidungen. Gouverneur Osottanakorn versuchte, alle Zweifel an den Rettungsbemühungen zu zerstreuen. „Die Kinder sind für uns wie ein rohes Ei im Stein“, erklärte er unter Bezug auf ein thailändisches Sprichwort. Ein Grund für die Entschlossenheit: Das Drama von Tham Luang wächst sich für die seit 2014 herrschenden Militärs inzwischen zu einer politisch brisanten Frage aus.

Diktator Prayuth Chan-ocha will sich bei Wahlen in der ersten Jahreshälfte 2019 als Premierminister bestätigen lassen. Im Norden Thailands wird er freilich als Instrument der Elite in der Hauptstadt Bangkok betrachtet. Sollte er die Rettungsversuche abblasen oder sollten sie scheitern, würde es nicht nur im Norden Thailands, sondern auch im Rest des südostasiatischen Königreichs angesichts seiner ohnehin sinkenden Beliebtheit schlecht um seine Wahlaussichten stehen.

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