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Rückkehrer, die mit einer Sondermaschine aus Tunis in München gelandet sind, geben am Münchner Flughafen ein Interview.

Rückholaktion

Erste Urlauber kehren nach Deutschland zurück

Die Bundesregierung chartert Flugzeuge von Reisekonzernen.

Die größte Rückholaktion für Deutsche aus dem Ausland in der Geschichte der Bundesrepublik ist angelaufen. Am Mittwochnachmittag sollte in München die erste von der Bundesregierung gecharterte Maschine mit Urlaubern landen, die wegen der Coronakrise in Tunesien gestrandet sind. Später sollten nach Angaben des Auswärtigen Amts zwei Maschinen aus Ägypten in München und drei aus Marokko in Frankfurt am Main folgen.

In den vergangenen Tagen hatten zahlreiche Länder wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus Grenzen dicht gemacht und Flugverbindungen gekappt. Da Deutschland inzwischen zu den Hauptrisikoländern gehört, sind Bundesbürger besonders stark von den Einschränkungen betroffen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Dienstag angekündigt, 30 bis 40 Maschinen bei Lufthansa, Condor und TUI zu chartern, um Deutsche aus den Ländern zurückzuholen, aus denen es keine Linienflüge mehr gibt. Die Bundesregierung will dafür bis zu 50 Millionen Euro ausgeben. Nach Schätzungen des Auswärtigen Amts sind noch weit mehr als 100 000 Deutsche im Ausland unterwegs.

Auch per Schiff werden Urlauber zurückgeholt. Aus dem Baltikum machten sich am Dienstagabend mehrere Deutsche mit einer Sonderfähre auf den Weg zurück in die Heimat. An Bord des in Lettlands Hauptstadt Riga gestarteten Schiffs waren 68 deutsche Passagiere und 20 Autos, teilte die Reederei Tallink am Mittwoch mit. Organisiert wurde die Fähre von Estlands Außenministerium. Damit sollen Esten und Letten nach Hause gebracht werden, die wegen der Krise in Deutschland gestrandet sind.

Im Zuge der jüngsten Rückholaktion einerseits und Reisebeschränkungen andererseits beklagt der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, Probleme der türkischstämmigen Bevölkerung. „Es herrscht eine gewisse Unklarheit darüber, ob auch Türken zurückgeholt werden, die einen Aufenthaltstitel für Deutschland haben“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. „Da wäre es gut, genauere Angaben zu machen. Auch Menschen mit solchen Aufenthaltstiteln sollten zurückgeholt werden.“

In Deutschland leben etwa drei Millionen türkischstämmige Menschen, rund die Hälfte von ihnen besitzt mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft. Die Türkei selbst holt angesichts der Coronakrise 3614 Staatsbürger aus Europa nach Hause. Das teilte Außenminister Mevlüt Cavusoglu am Dienstag in Ankara mit. (dpa/mdc)

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