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Am Tegernsee ist normalerweise viel los. 

Tourismus

„Erst einmal nur Tagesausflüge“

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Süddeutschland will den Tourismus in drei Stufen wieder hochfahren. Zunächst sollen nur Urlauber aus der Region angelockt werden.

Der Hotelgasthof Post in Nesselwang im Allgäu ist eine bekannte Adresse in der Region mit jahrhundertealter Geschichte. Das Haus wird häufig nicht nur für sein selbst gebrautes Bier gelobt, die Gegend im Voralpenland mit geschwungenen grünen Wiesen und Alpensilhouette zieht viele Urlauber an. Doch jetzt? „Wir wissen gar nicht, wie es weitergeht“, sagt Stefanie Meyer von der Post. Gasthof und Hotel sind geschlossen wie überall. „Wir haben auf die Zeit nach Ostern gehofft, jetzt hoffen wir auf den Sommer.“ Die erste Braumeisterin des Allgäus meint: „Abwarten und Tee trinken.“

Was wird aus diesem Sommer in den süddeutschen Touristenregionen? In den bayerischen Alpen, am Bodensee, im Schwarzwald? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) wollte jüngst ein bisschen Hoffnung geben, dass der Branche womöglich ein sehr erfolgreicher Sommer bevorsteht – weil die Bürger wegen der geschlossenen Grenzen nicht ins Ausland fahren könnten, nicht nach Italien, Frankreich oder Spanien. „Wir sind komplett abhängig von den weiteren Entscheidungen der Politik“, sagt Andreas Braun, Geschäftsführer der Tourismus Marketing Baden-Württemberg. „Wir warten sehr auf stufenweise Signale, wie es weitergeht.“ Buchungen für Pfingsten und den Sommer gebe es praktisch keine, und Braun rät derzeit auch dringend davon ab. „Bitte abwarten, sonst hat man nur Ärger, wenn es nicht klappt.“

Dennoch wird am Wiederhochfahren des Tourismus in Bayern und Baden-Württemberg durchaus emsig gearbeitet. Barbara Radomski, Geschäftsführerin des bayerischen Tourismusverbands, berichtet von einer Drei-Stufen-Planung: „Jetzt ist Durchhalten angesagt, die Devise lautet: Das packen wir schon.“ In Stufe zwei, wenn allmählich unter vielen Auflagen der Betrieb wieder anläuft, sollte man sich auf bayerische Urlauber konzentrieren. „Die Leute werden dann erst einmal Tagesausflüge machen oder einen Kurzurlaub.“ Andreas Braun aus Stuttgart sieht es ganz ähnlich: „Viele Menschen werden sich vorsichtig herantasten.“ Baden-Württemberg werde dann den Nahurlaub gezielt bewerben. „Wir glauben, dass sich die Menschen erst einmal in der eigenen Region sicher und aufgehoben fühlen.“

Zu viele in der Berggondel?

Zuerst geht es laut Braun um Aktivitäten in der Natur, nicht um Städtebesichtigungen oder Kulturveranstaltungen, die es bis auf weiteres eh nicht gibt. „Der Schwarzwald und die Schwäbische Alb werden davon profitieren“, ist er sich sicher. Städte hingegen würden noch lange Probleme haben, meint auch Barbara Radomski aus München. Sogenannte Hotspots wie etwa die bayerische Landeshauptstadt dürften eher gemieden werden, weil man fürchtet, dass sie zu voll sind und damit die Corona-Ansteckungsgefahr zu hoch. Wer will sich nach den vergangenen langen Wochen etwa gleich an den Tegernsee quetschen und einen womöglich stark frequentierten Biergarten ansteuern? Dann lieber beispielsweise das fränkische Seenland. Stufe drei des bayerischen Plans dürfte noch in weiter Ferne liegen – „die Rückkehr zur völligen Normalität mit offenen Grenzen“, so Radomski.

In Stuttgart wie in München geht man allerdings mangels ausländischer Alternativen davon aus, dass es touristisch eine „hohe Nachfrage“ geben könnte, wie die Geschäftsführerin aus München sagt. Doch gerade im Detail sind die Probleme immens, Lösungen werden kompliziert sein. „Wie viele Leute dürfen auf einer Alpenvereinshütte übernachten? Wie viele dürfen in eine Berggondel? Wie wird der Sicherheitsabstand im Biergarten eingehalten?“

Andreas Braun vom baden-württembergischen Verband meint „mit aller Vorsicht“, wie er betont: „Im Hochsommer könnten wir in die Normalität zurückkommen.“ In Hotels sei es durchaus möglich, wirksamen Coronaschutz zu erfüllen: „Es ist kein Problem, hohe Sauberkeits- und Hygienestandards zu bieten, man kann Abstände gewährleisten.“ Egal, wie es kommt, dieses Jahr wird auf jeden Fall einen riesigen Rückschlag für den Tourismus in Süddeutschland bedeuten.

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