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Ernst August von Hannover

Ernst August ist dann mal weg

  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
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Der als "Prügel-" oder "Pinkelprinz" bekannte Ernst August von Hannover feiert den 60. Geburtstag ganz ohne Paparazzi. Sein Nichtstun ist in den letzten Jahren nur halb gelungen: Er soll einen Diskobesitzer in Kenia verprügelt haben und er zog erfolgslos an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Der Boulevard muss ohne ihn auskommen. Ernst August von Hannover liefert nicht mehr. Der einst als „Prügelprinz“ oder „Pinkelprinz“ in Verruf geratene Welfe hält an sich. Keine Schlägereien, keine Saufgelage, keine Notdurft am falschen Ort, keine Verkehrsdelikte, keine Geschichten, nichts – was nicht heißt, dass bei einem wie ihm nicht auch schlichtes Nichtstun Geschichten abwirft.

Als Caroline von Monaco ohne ihn, den Ehemann, im Sommer 2011 auf dem Hochzeitsfest ihres Bruders Albert II. erschien, machte das Oberhaupt des ältesten deutschen Herrscherhauses durch Abwesenheit Schlagzeilen. Was nicht heißt, das Caroline dem sich auch anschließend öffentlich rarmachenden Gatten gram wäre. Über den Mann, den sie in jungen Jahren kennengelernt und Anfang 1999 geheiratet hat, ist ihr kein böses Wort zu entlocken.

Und jetzt will er eben nicht mehr. Mit der ihm eigenen, gelegentlich in Grobheit ausartenden Geradlinigkeit hat er das Weite gesucht. In Afrika soll er sich angeblich aufhalten, was dem gelernten Landwirt und ehemaligen Produzenten von Tier- und Dokumentarfilmen altbekannte Betätigungsfelder eröffnen würde.

Er soll in Kenia einen Diskobesitzer krankenhausreif geschlagen haben

Aber auch auf seinem österreichischen Landsitz soll der Welfe gelegentlich gesehen worden sein.

Die Paparazzi hat er auf alle Fälle abgeschüttelt. Allein die Jahre holen ihn jetzt noch ein. Am heutigen Mittwoch feiert der mit vollem Namen Ernst August Albert Paul Otto Rupprecht Oskar Berthold Friedrich-Ferdinand Christian-Ludwig Prinz von Hannover heißende Urenkel des Deutschen Kaisers Wilhelm II. seinen 60. Geburtstag.

Wobei einer wie er – Adel verpflichtet – nicht einfach so verschwindet. Reinen Tisch wollte er machen, bevor er ging, „die verlorene Ehre“ des Ernst August wiederherstellen. Gelungen ist dies nur halb. Nachdem ihm vorgeworfen worden war, in Kenia einen deutschen Diskothekenbesitzer krankenhausreif geschlagen zu haben, der die Nachbarn mit dröhnender Musik und Laserlicht zu überziehen pflegte, setzte der Prinz 2009 die Wiederaufnahme des Verfahrens durch und bekam im Jahr darauf vor Gericht teilweise Recht.

„War das Ernst? Oder August?“ stand neben einer kaputten Zigarettenschachtel

Von der angeblichen Tracht Prügel blieben nach neuerlicher juristischer Prüfung noch zwei Ohrfeigen übrig, „eine für das Licht, eine für den Lärm“, wie die als Zeugin vernommene Gattin Caroline dem Richter erläuterte. Die Geldstrafe von ursprünglich 445 000 Euro schrumpfte auf 200 000, der Tatbestand der gefährlichen Körperverletzung zur einfachen.

Weniger erfolgreich wehrte sich der Nachfahre Heinrich des Löwen gegen eine Anzeige der Zigarettenmarke „Lucky Strike“. „War das Ernst? Oder August?“ stand neben einer zerdrückten Zigarettenschachtel zu lesen. Der Prinz sah sich als „brutaler Schläger“ an den Pranger gestellt, zog vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, wo er unterlag.

Und natürlich sind auch die alten Sünden nicht aus der Welt: die Dresche, die der leicht Aufbrausende einem Kameramann mit dem Regenschirm verabreicht hat, die Pinkelei beim türkischen Pavillon auf der Expo 2000 in Hannover.

Doch auch wenn der Welfe vor Gericht nicht die erhoffte Genugtuung erfahren hat, im Familienkreis ist sie ihm bislang immer zuteil geworden. Nicht nur Caroline (57), Mutter der gemeinsamen Tochter Alexandra (14), lässt auf Ernst August nichts kommen. Auch die aus erster Ehe mit der Schweizerin Chantal Hochuli stammenden zwei Söhne halten zu ihm. Der älteste, auch er trägt den Namen Ernst August, verwaltet die Liegenschaften der Familie. Wie der Vater legt er Eigenschaften an den Tag, die das Volk bei Adligen nicht unbedingt vermutet.

Erbprinz Ernst August frönt nicht der Muße, sondern der Arbeit. Er lebt in London, wo er nach einem in New York absolvierten Volkswirtschaftsstudium als Berater einer Investmentbank seinen Lebensunterhalt verdient.

In seiner knapp bemessenen Freizeit jettet er nach Niedersachen, wo er sich zumal um Schloss Marienburg kümmert, das er touristisch vermarktet. Auf Scheinwerferlicht legt der 30-Jährige wenig Wert, pflegt mit Journalisten und Fotografen aber einen wesentlich reibungsloseren Umgang als einst der in Verruf geratene Vater. Das Welfenhaus scheint – runderneuert – in der Moderne angekommen zu sein.

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