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Erklärungsnöte

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Von: Eckart Roloff

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Ein lustiger Name, der Unlust weckt: das Elster-Formular.
Ein lustiger Name, der Unlust weckt: das Elster-Formular. © Christin Klose/dpa

Warum wir nicht zu lange darüber nachdenken sollten, was uns das Finanzamt eigentlich sagen will. Die Kolumne „Was soll das?“

Da liegt sie wieder und immer noch, die Steuererklärung. Diesmal die für 2021. Abzugeben ausnahmsweise und als Corona-Folge erst bis zum 31. Oktober 2022, gleichsam eine Gnadenfrist, so man sie selbst erledigt. Also ohne Steuerberater oder Steuerberaterin.

Keine Gnade gibt es bei den vielen Anlagen mit Kürzeln wie KAP, R, AUS, ESt 1 A, V und N. Aber es gibt Hilfe. Das sind die Erläuterungen für die Erklärung. Im Prinzip Erklärungen zur Erklärung, und zwar gutgemeinte – und dringend nötige. Bei diesem Dschungel aus Vokabeln à la Bindungswirkung, bestandsgeschützte Alt-Anteile an Investmentfonds, Abtretungsvordruck, Kultussteuer, vorfinanziertes Insolvenzgeld und Spendenvortrag. Eine Rede ist etwas anderes.

Da kommt auch oft das Wort „erklären“ vor. Das aber meint etwas völlig anderes als das, was die Deutschen an sich unter erklären verstehen: etwas deutlich machen, erläutern, mitteilen, begründen, deuten. Es gibt auch Kombinationen wie sich solidarisch oder einverstanden erklären. Und sogar jemanden für tot erklären.

Für die Steuerleute unserer Republik hat das Erklären einen ganz anderen Sinn, auch wenn das noch so dicke Wörterbücher und lange Texte bei Google & Co. verschweigen. Schlecht vor allem für die, für die Deutsch weder Mutter- noch Vatersprache ist. Ein Beispiel aus der amtlichen Information zur Einkommenssteuererklärung, eine Frage an die Ausfüller aller Art: „Was ist zu tun, wenn ich abweichende Daten erklären möchte?“ Tja, was? Wie kann man derlei Abweichungen erklären?

Hier die rettende Antwort, nur unter uns: Da wäre gar nichts zu erklären. Wenigstens dann nicht, wenn Sie das Erklären so auslegen, wie das all die Nachschlagewerke tun. Nur macht der Fiskus da nicht mit. Es fängt ja schon an mit dem Begriff „Steuererklärung“. Da erklärt man ja nicht die Steuer. Vielmehr sind Kreuzchen zu machen und Zahlen anzugeben, meist Euro-Beträge. Aber das Angeben bitte nicht falsch verstehen!

Da geht es nicht um prahlen und protzen, um Eindruck schinden und sich dicke tun. Nicht schon wieder so eine unpassende Auslegung. Bei Steuern passt das sowieso nicht. Mit angeben ist hier – ob nun bei der elektronischen Variante mit dem schönen Namen „Elster“ oder auf den traditionellen Seiten – stets das Vermerken oder Eintragen gemeint. Ganz einfach.

Ist das jetzt richtig erklärt?

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