Erkältungs-, Corona- und Grippewelle rollt über Deutschland – Experten ordnen aktuelle Lage ein
Die aktuellen Zahlen der Atemwegserkrankungen in Deutschland übertreffen die Vorjahre während und vor der Pandemie. Was steckt hinter dem Anstieg?
Frankfurt am Main - Viele Deutsche kämpfen derzeit mit einer Erkältung, der Grippe oder gar Corona. Die Atemwegserkrankungen kursieren im November besonders hoch, wie aus einem wöchentlichen Bericht des Robert-Koch-Instituts (RKI) über die Infektionszahlen hervorgeht. In der aktuellen Übersicht fallen vor allem zunehmende Corona-Nachweise sowie verstärkte Anzeichen für eine Verbreitung des RS-Virus (Respiratorisches Synzytial-Virus) auf.
In der zweiten Novemberwoche erreichten die Zahlen bislang einen Höhepunkt, mit 8.200 akuten Atemwegserkrankungen pro 100.000 Einwohnern - unabhängig davon, ob die Betroffenen eine ärztliche Praxis aufgesucht haben oder nicht. In anderen Worten gab es somit rund 6,8 Millionen Menschen innerhalb einer Woche, die mit neuen Symptomen wie Husten, Halsschmerzen oder Fieber zu kämpfen hatten.
Laut dem RKI-Bericht bewegt sich dieser Wert seit dem Beginn der Saison 2023/24 konstant über den Werten der vorpandemischen Jahre. Der Wert dürfte angesichts der bevorstehenden Kälte voraussichtlich in den kommenden Wochen weiterhin um diesen Wert schwanken.
Corona, Grippe oder Erkältung: Experte warnt vor fehlender Immunität in Deutschland
Ursachen für die bemerkenswert hohe Anzahl von Atemwegsinfektionen in diesem Herbst und Winter werden diskutiert. Prof. Dr. Andreas Radbruch, Immunologe, sagte dem Online-Portal t-online, dass die Menschen wieder lernen müssten, eine bessere Immunität gegen Atemwegserkrankungen aufzubauen. Einfach erklärt finde im Körper ein Prozess statt, bei dem „die Antikörper gegen die Atemwegsviren aus dem Blut auf die Schleimhäute gebracht werden müssen. Diese Transportmechanismen müssen stimuliert werden“, erklärt Radbruch. Diese Mechanismen seien während der Corona-Pandemie wegen der vielen Schutz-Maßnahmen nicht stimuliert worden. Nun müsse die Immunität in der Bevölkerung „wieder geschaffen werden“, so der Immunologe weiter. „Das wird damit einhergehen, dass wir uns erkälten.“

Neben Erkältungen steigen die Zahlen vor allem im Bereich Corona. Bei ersten Anzeichen einer Corona-Infektion sollte umsichtig gehandelt und sich zu Hause geschont werden. Das RKI schlägt vor, bei Symptomen drei bis fünf Tage zu Hause zu bleiben, bis eine deutliche Besserung eintritt. „Alle Einschätzungen gehen derzeit dahin, dass es zwar saison- und variantenbedingt wieder mehr Infektionen gibt, dass es aber bei der Erkrankungsschwere kaum zu Änderungen kommt“, sagte Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen der Deutschen Presse-Agentur Anfang November. „Dennoch gilt: mehr Infektionen, mehr schwere Erkrankungen, weil es immer einen gewissen Anteil gibt, der nicht günstig verläuft.“
Atemwegserkrankungen rollen über Deutschland hinweg: Liegen die Zahlen an zunehmenden Meldungen?
Ein besonderes Augenmerk gilt auch dem starken Anstieg von RSV-Diagnosen bei Kleinkindern in Deutschland. Das RS-Virus ist verantwortlich für die meisten Fälle von akuter Bronchitis in dieser Altersgruppe und bei Säuglingen. Eine mögliche Erklärung für den Anstieg könnte aber die Einführung einer bundesweiten RSV-Meldepflicht sein. Experten betonen, dass die Rate RSV-positiver Proben in der virologischen Überwachung noch niedrig ist.
Die allgemein erhöhten Meldezahlen von Atemwegserkrankungen könnten auch auf die vorsichtige Haltung der Bevölkerung zurückzuführen sein. Nicola Buhlinger-Göpfarth, Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbandes, erklärte dem RND, dass viele Menschen nach der Pandemie umsichtiger geworden sind, was zu mehr Arztbesuchen und Krankmeldungen bei Symptomen führt. Statt in die Arbeit zu gehen wird sich zunehmend zuhause auskuriert. Das sei „aus medizinischer Sicht auch sinnvoll.“ (nz mit dpa-Material)
Dieser Artikel wurde mithilfe maschineller Unterstützung erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redakteurin Nadja Zinsmeister sorgfältig überprüft.