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Erfurt: Ein 40-Jähriger (l.) bedroht einen 17-jährigen Jungen aus Syrien in der Straßenbahn und tritt schließlich auf ihn ein.
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Erfurt: Ein 40-Jähriger (l.) bedroht einen 17-jährigen Jungen aus Syrien in der Straßenbahn und tritt schließlich auf ihn ein. (Screenshot)

Straßenbahn

Rassistischer Angriff in Erfurt: Mann tritt auf 17-jährigen Syrer ein – Ramelow: „Widerliche Tat“

  • Lukas Rogalla
    VonLukas Rogalla
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In der Straßenbahn in Erfurt wird ein Syrer von einem 40-Jährigen rassistisch beschimpft und attackiert. Ramelow spricht von einer „widerlichen“ Tat.

Erfurt – Ein 40-jähriger Mann hat einen 17 Jahre alten Syrer in Erfurt zunächst rassistisch beleidigt und dann brutal angegriffen. Das zeigt ein Handyvideo, aufgenommen in der Straßenbahn der thüringischen Landeshauptstadt. Laut Polizei handelt es sich bei dem mutmaßlichen Täter um einen Deutschen, der den Einsatzkräften bekannt ist.

Erfurt: Rassistischer Angriff auf 17-jährigen Syrer in Straßenbahn

Der Angriff habe sich nach Angaben der Polizei Erfurt am Freitagabend (23.04.2021) gegen 23 Uhr ereignet. Am Montag verbreitete sich das Video, das von einem Fahrgast aufgezeichnet wurde, in den sozialen Medien – und sorgte für Entrüstung. Es zeigt, wie sich der 40-jährige Mann vor einem 17-Jährigen, bei dem es sich um einen Syrer handeln soll, aufbaut, ihn wüst beschimpft und bedroht. „Du Drecksvieh“, schreit er ihn mehrmals an. „Du kommst hier in mein Land“ und „verpiss dich einfach dahin, wo du herkommst, du dreckige F*tze“, ist weiter zu hören.

Was genau der 17-Jährige antwortet, kann man nicht verstehen. Er bleibt allerdings ruhig sitzen. „Mach einfach deinen Kopf runter das nächste Mal, wenn ich vor dir stehe“, fordert ihn der Mann auf. Plötzlich tritt er viermal mit angehobenem Bein auf den Kopf und Oberkörper des jungen Syrers ein, hebt dessen Handy auf und schmettert es mit Wucht auf den Boden. „Denk an die Kamera“, kann man die Frau neben ihn sagen hören. Schließlich verlässt er die Straßenbahn mit seinem Fahrrad. Die „taz“ berichtet unter Berufung auf die Polizei, dass es bei der Auseinandersetzung um einen Sitzplatz gegangen sei. Auch der Straßenbahnfahrer sei vom 40-Jährigen bedroht worden.

Rassistischer Angriff in Erfurt: Polizeibekannter Mann tritt auf Syrer ein

Zeug:innen sollen die Polizei um Hilfe gerufen haben. Zunächst habe der 40-jährige Mann fliehen können. Mithilfe von gesicherten Videomitschnitten konnte man ihn identifizieren, heißt es im Polizeibericht. Er sei den Einsatzkräften bereits als Drogenkonsument und aufgrund von Eigentums- und Gewaltdelikten bekannt.

Ein Ermittlungsrichter erließ schließlich einen Haftbefehl wegen gefährlicher Körperverletzung. Am Montagnachmittag sei der 40-jährige Mann in Erfurt festgenommen worden. Die „intensiven Ermittlungen“ der Kriminalpolizei dauern demnach an. Aus „ermittlungstaktischen Gründen“ könne man keine weiteren Auskünfte erteilen. Der junge Syrer soll durch den rassistischen Angriff leichte Verletzungen davongetragen haben.

Erfurt: 40-Jähriger nach rassistischer Attacke in Straßenbahn festgenommen

Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) hat die „widerliche“ Tat in Erfurt auf Twitter kritisiert: „So ein feiger Mensch, stark und aggressiv gegen einen Wehrlosen. Da ahnt man, welche Leute sich als Herrenmenschen begreifen. Einfach widerlich!“ Auch die CDU-Landtagsfraktion verurteilte den gewaltsamen Übergriff „aufs Schärfste“.

Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antirassismus der Linksfraktion im Landtag, zeigte sich entsetzt: „Den zunehmenden rassistischen Übergriffen in Thüringen, welche auch Resultat eines insbesondere durch die AfD geschürten politischen Klimas in der Gesellschaft sind, muss endlich Einhalt geboten werden, den Tätern mit aller Konsequenz begegnet werden“, forderte die Abgeordnete. Sie verwies zudem auf die kürzlich vorgestellte Statistik der Opferberatung Ezra. Nach deren Zählung blieben die Fälle rechter Gewalt in Thüringen im Jahr 2020 etwa auf dem Niveau der Vorjahre. Die Organisation registrierte im vergangenen Jahr 102 rechte, rassistische oder antisemitische Angriffe. (Lukas Rogalla mit dpa)

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