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Nico Seifert zusammen mit Ehefrau Ute Schmidt und Mitarbeiterin Gülendam Abaci im Fashion-Store „Gotlands“, den er im Jahr 2005 gegründet hat.

Erfolgsstory:

Ein deutscher Unternehmer, bei dem sich auch Hollywood-Stars einkleiden

Die Geschichte des Gießener Luxusmode-Geschäfts Gotlands, das von Nico Seifert 2005 gegründet und heute von ihm und seinen beiden Mitarbeiterinnen geführt wird, weist durchaus Parallelen zu einem Hollywood-Blockbuster auf.

Denn dem 50-jährigen Unternehmer gibt der internationale Erfolg Recht . Er präsentiert Mode der beiden Luxus-Labels Belstaff und Matchless. Deren Kollektionen enthalten zahlreiche Stücke, die von Hollywood-Stars in populären Filmen getragen worden sind.

Nico Seifert eröffnet Gotlands im Jahr 2005 und entdeckt Marktlücke

Die Geschichte von Nico Seifert und seinem Luxusmode-Geschäft „Gotlands“ ist zweifellos eine der besonderen Art. Ursprünglich studierte der heute 50-jährige Unternehmer Jura. Doch er entschied sich schnell, nicht den klassischen Weg eines Volljuristen einzuschlagen, sondern zunächst ein wenig zu jobben.

Als er sich von seinem erarbeiteten Geld etwas gönnen wollte, fiel seine Wahl auf eine exklusive Lederjacke, die Leonardo DiCaprio im Film im Hollywood-Blockbuster „Aviator“ aus dem Jahr 2005 trug. Doch zu seiner Überraschung stellte Seifert fest, dass dieses feine Stück Leder in Deutschland gar nicht so einfach erhältlich war. Er erkannte eine riesige Marktlücke.

Noch im selben Jahr bestellte er direkt bei Belstaff eine kleine Kollektion und eröffnet einen nur 27 Quadratmeter großen Laden in der Gießener Bismarckstraße, dem er die Bezeichnung Gotlands gab. „Ich habe mir monatelang den Kopf zerbrochen, wie ich den Laden nennen soll. Doch als ich eines Tages unserer Tochter die Geschichten von Pippi Langstrumpf, die aus Gotland stammt, vorgelesen habe, kam mir die Idee: Der Laden sollte einfach wie die gleichnamige schwedische Insel heißen“, so Seifert.

Am Anfang wurde der Gründer für seinen retrospektiv genialen Einfall, in Gießen ein Luxusmoden-Store zu eröffnen, dessen Sortiment sich vornehmlich auf die britischen Labels Belstaff und Matchless konzentriert, noch belächelt. Die Preise angeblich viel zu hoch, das passende Publikum für die Produkte vermeintlich nicht vorhanden: Eine ältere Dame prophezeite dem Firmengründer, seiner Geschäftsidee und „Gotlands“ die schnelle Pleite. Doch all das sollte sich glücklicherweise nicht bewahrheiten, wie der heute 150 Quadratmeter große Laden mit rund 17.000 Kunden in vielen Ländern rund um den Globus beweist.

Vielfältiges Sortiment von Gotlands zieht Kunden aus aller Welt an

Neben Jacken, Schuhen und Taschen der genannten Marken hat Gotlands unter anderem auch Hemden und Hosen im Angebot. Die große Auswahl an Belstaff- und Matchless-Produkten, für die Gotlands lizenzierter Händler ist, wird durch Kleidung von Modelabels wie Vivienne Westwood, Ludwig Reiter und Meindl ergänzt.

Bei Belstaff und Matchless hat Gotlands mittlerweile ein noch größeres Sortiment als die Flagship-Stores in München. Deshalb kauft bei Seifert inzwischen die halbe Welt ein – angefangen vom Studenten, über den Film- und Mode-Freak, bis hin zum CEO. Online verkaufen Nico Seifert und seine beiden Mitarbeiterinnen Gülendam Abaci und Hanna Greis dabei in etwa so viel wie vor Ort. Die persönliche Anprobe, den besonderen Flair und die warme Atmosphäre, die im Laden vorherrschen, wissen viele Kunden zu schätzen.

Ganz besonders stolz ist Seifert auf seine Eigenmarke bzw. eigene Taschenkollektion, die aktuell vier Produkte umfasst und auf einem Dachbodenfund basiert: „Wir haben eine dicke Ledertasche von 1905 oder 1908 gefunden und diese zusammen mit einem Offenbacher Unternehmen komplett auseinandergenommen, die Maße notiert und etwas Eigenes daraus gemacht. Die Taschen bestehen aus dickem Büffelleder und sind handgefertigt. Das Schöne an dem Produkt ist, dass es ein hochwertiges, schweizerisches Zahlenschloss besitzt, welches den Inhalt zuverlässig schützen kann.“

Verkauf von Hollywood-Produkten und Lieferungen nach Hollywood

Von immenser Wichtigkeit ist für Gotlands das Thema Hollywood – weshalb Seifert für Damen und Herren eine eigene Movie-Collection im Programm hat. Bei ihm konnten Kunden in der Vergangenheit beispielsweise nicht nur die Jacken aus dem Film „Terminator“ oder „Fast and Furious“ erwerben, sondern auch aus „Transformers“, „Run all Night“ oder den legendären Marvel Verfilmungen „Avengers und Civil War“.

„Damit hatten wir die ganz großen im Sortiment“, so Seifert. Jacken, die auf der Leinwand oder am Set von Arnold Schwarzenegger, Emilia Clark, Liam Neeson, Robert Downey Junior oder Scarlett Johansson getragen wurden.

Weitere exemplarische Bekleidungs-Highlights stammen bzw. stammten aus Filmen wie:

  • "The Dark Knight“ mit Christian Bale
  • "I am Legend“ mit Will Smith
  • "Leatherheads" mit George Clooney
  • "War of the Worlds“ mit Tom Cruise
  • "Angel Has Fallen“ mit Gerard Butler und Morgan Freeman
  • "Indiana Jones” mit Harrison Ford
  • "Der seltsame Fall des Benjamin Button” mit Brad Pitt
  • "The Tourist” mit Angelina Jolie

„Wir hatten auch Produkte aus den legendären Marvel-Verfilmungen, oder Filmen wie „Batman v. Superman“, „Mission: Impossible“ und „Star Wars“ im Programm. Ein Highlight war, dass wir zu „James Bond 007: Spectre“ 65 der insgesamt nur 80 Jacken, die nach Deutschland gekommen waren, verkaufen konnten“, so Seifert. Insgesamt waren es über 60 Blockbuster, aus denen Jacken, Taschen, Hosen oder Stiefel in den Regalen von Gotlands Fashion landeten.

Das umfangreiche Sortiment, das ein klassischer USP von Gotlands ist, führte im Übrigen im Jahr 2009 sogar dazu, dass der Unternehmer 24 Jacken direkt ans Set des Filmes „Amelia“ mit Richard Gere lieferte. Eine Vorzimmerdame aus Hollywood hatte persönlich bei Gotlands angerufen und ihren Wunsch geschildert. „Das war ein bisschen Glück, da waren wir einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, resümiert Seifert heute. Seit diesem Tag waren er und Gotlands noch enger mit Hollywood verbunden, was sich bis heute fortsetzt.

Bescheidenheit, Nachhaltigkeit und soziales Engagement als Werte

Im von Armut und sozialer Ungerechtigkeit geprägten Land Bangladesch hat Nico Seifert schon zwei Schulen bauen lassen.

Nicht nur, weil in Hollywood niemand, der dringend eine Jacke benötigt, auf die Uhr schaut, sondern auch, weil der Kunde mit seinen Bedürfnissen und Wünschen bei Gotlands stets im Mittelpunkt steht, sind die Telefone des Ladens immer angeschaltet.

Trotz des ganzen Hypes, Erfolges und der Tatsache, dass Seifert inzwischen Hollywood-Größen wie Ralph Möller, Arnold Schwarzenegger und viele weitere persönlich kennt, ist der einstige Gründer bescheiden sowie bodenständig geblieben. Themen wie Nachhaltigkeit und soziales Engagement sind ihm wichtig, weshalb nur qualitative und langlebige Produkte verkauft werden, die unter fairen Bedingungen produziert worden sind. Außerdem wird bei Gotlands auf Produkte von exotischeren Tieren wie Kojote oder Krokodil verzichtet.

Stichwort: soziale Projekte. Nico Seifert hat inzwischen den Bau von zwei Schulen in Bangladesch finanziert, um etwas gegen die dortige Armut und die prekären Lebens- sowie Arbeitsverhältnisse zu tun. „Uns war wichtig, dass auf unsere Schulen auch Mädchen gehen können, da dies dort nicht in allen Dörfern selbstverständlich ist. Wir wollen damit ein Zeichen setzen und sind davon überzeugt, dass Bildung der einzige Weg aus der Armut ist. Jeder hat diese Chance verdient“, so Seifert. Doch mit diesen beiden Projekten erschöpft sich sein Engagement noch nicht, denn er unterstützt ebenso weitere in Sri Lanka und die Kindertafel in Waren in Ostdeutschland.

Zwei Schülerinnen freuen sich auf ihr neues Schulgebäude.

Was seine eigene Zukunft und die von Gotlands angeht, gibt sich Nico Seifert bescheiden. Er sei froh über das, was er erreicht habe und habe für die Zukunft keine konkreten Expansionspläne. Anderen Gründern rät er, an ihre eigene Vision zu glauben und immer zu versuchen, Träume in die Realität umzusetzen. Dafür sei zwar harte Arbeit notwendig, aber mit dem richtigen Produkt zur richtigen Zeit sei alles möglich.

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