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Der spanische Ex-König Juan Carlos ist nicht mehr bei allen Landsleuten beliebt. Andrea Comas/dpa
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Der spanische Ex-König Juan Carlos ist nicht mehr bei allen Landsleuten beliebt. Andrea Comas/dpa

Spaniens Ex-König Juan Carlos

Er zahlt schon wieder

  • Martin Dahms
    VonMartin Dahms
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Der spanische Ex-Monarch Juan Carlos begleicht eine offene Rechnung beim Finanzamt über mehr als vier Millionen Euro. Es geht um Steuerschulden für Flugreisen, die ihm ein Gönner spendierte.

Juan Carlos de Borbón y Borbón hat immer gerne gelebt wie ein König. Auch wenn sein Gehalt dafür nicht ausreichend war. Um diese Lücke zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu schließen, sprangen reiche Gönner:innen ein, zum Beispiel ein entfernter Verwandter namens Álvaro de Orleans, der ihm Flüge im Privatjet spendierte. Sehr viele Flüge. Um die acht Millionen Euro soll Orleans’ Stiftung Zagatka – mit Sitz in Liechtenstein, wo sonst? – für Ausflüge des spanischen Ex-Monarchen im Privatjet hingelegt haben. So etwas ist allerdings eine Sachleistung, die versteuert werden muss. Was Juan Carlos bisher nicht tat. Nun aber doch.

An diesem Freitag hat die große spanische Tageszeitung „El País“ mit der Exklusivmeldung über die königliche Steuernachzahlung in Höhe von rund 4,4 Millionen Euro aufgemacht, und viele andere Medien ließen sich die Nachricht sofort von „Kennern der Operation“ bestätigen.

Die Onlinezeitung „El Confidencial“ brachte auch gleich noch eine gute Theorie über den Anlass für die plötzliche Nachzahlung: Sie sei das Ergebnis diskreter Verhandlungen zwischen der Regierung und dem Königshaus, um eine halbwegs respektable Rückkehr des früheren Monarchen nach Spanien zu ermöglichen. Denn bereits seit vergangenem August ist Juan Carlos in Abu Dhabi untergekommen, soll sich dort allerdings nicht recht zu Hause fühlen.

Der 83-jährige frühere König wird es schwer haben, die Herzen der Spanierinnen und Spanier zurückzuerobern, jedenfalls eines gewichtigen Teils der Menschen. Manchen tut er auch einfach leid. Sein Sohn und Nachfolger, Felipe VI., hat an diesem Mittwoch noch einmal an eine der großen Leistungen seines Vaters erinnert: die „Festigkeit und Autorität“, mit denen er sich vor 40 Jahren, am 23. Februar 1981, dem Putschversuch rechter Militärs entgegenstellte und damit den „Triumph der Demokratie“ möglich machte.

Das ist vielen jungen und manchen älteren Spaniern jedoch egal. Für sie ist Juan Carlos wenig mehr als ein Lebemann „unter Korruptionsverdacht“. Selbst wenn sich bislang noch keine einzige Verdächtigung bestätigt hat.

Was dem alten König statt Korruption vorgehalten werden kann, ist eine miese Steuermoral. Er fand es normal, sich beschenken zu lassen und dafür keine Steuern zu bezahlen. Und offenbar war er von Leuten umgeben, die ihn in dieser Überzeugung bestärkten. Es war ein langsamer Prozess, ein gesellschaftlicher sowie ein persönlicher, der Juan Carlos aus seiner Blase hervorholte, in der für Könige andere Regeln gelten als für das Volk. Schließlich dürfte ihn die Möglichkeit eines Strafprozesses beeindruckt haben. Ein abgedankter König kann im Gegensatz zu einem amtierenden König in Spanien vor Gericht gestellt werden.

Und gut vier Millionen Euro Steuerschulden sind keine Kleinigkeit. Ab 120 000 Euro hinterzogener Steuern im Jahr beginnt in Spanien die Strafbarkeit. Wer seine Steuerschuld allerdings begleicht, ehe ihn das Finanzamt dazu aufgefordert hat, kommt straffrei davon.

Juan Carlos hatte erst im Dezember knapp 680 000 Euro an Steuern nachgezahlt, damals wegen der Ausgaben über eine Kreditkarte, die ihm ein mexikanischer Geschäftsmann großzügig überlassen hatte. Es ist bemerkenswert, wie viele Gönnerinnen und Gönner der alte König im Laufe seines Lebens gefunden hat.

Der Großzügigste von allen war der mittlerweile verstorbene saudische König Abdullah, der seinem spanischen Königskollegen im Jahr 2008 rund 100 Millionen US-Dollar überwies, die Juan Carlos später seiner deutschen Freundin Corinna zu Sayn-Wittgenstein weiterverschenkte. Den Königskritiker:innen fällt es schwer, sich solche Geschenke ohne eine Gegenleistung auszumalen. In Genf ermittelt deswegen ein Staatsanwalt, er hat aber in knapp drei Jahren noch nichts Verwertbares gegen Juan Carlos herausgefunden.

Dass der ehemalige Monarch eine Millionensteuerschuld zu begleichen hatte, sei „keine gute Nachricht“, sagte die spanische Vizeministerpräsidentin Carmen Calvo am Freitagvormittag. Schlimmer wär’s allerdings, er hätte nicht bezahlt.

2008 in Madrid mit dem saudischen König Abdullah (l.). imago images

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