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Der Direktor des Forschungslabors stellte den Kontakt her – nun bereut man am MIT die Zusammenarbeit zutiefst.

MIT bekam Zuwendungen

Epstein-Affäre: Hinein bis in die altehrwürdigen Säle

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Nach dem Tod Jeffrey Epsteins wird immer deutlicher, wie weit seine Verbindungen tatsächlich reichten. Ein Magazin legt nun offen, dass auch eine Elite-Uni jahrelang umfangreiche Zuwendungen von ihm bekam.

Joichi Ito wusste, dass es so kommen würde. Seit Wochen schon hatte er auf den Tag gewartet, an dem auch sein Name in Verbindung mit Jeffrey Epstein ans Tageslicht kommt. Und so hatte Ito sich innerlich längst darauf eingestellt, dass er sich von seinem Amt als Direktor des Forschungslabors für neue Medien am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston würde verabschieden müssen.

In der E-Mail, die Ito am Sonntag an den Kanzler der technischen Hochschule versandte, war zu lesen, dass sich Ito nach „Wochen der reiflichen Überlegung“ dazu entschlossen habe, seine Position am MIT niederzulegen. Ein spontaner Entschluss war sein Rücktritt nicht. Auslöser für Itos Rückzug aus der Leitung des Labors, das über großzügige Fördermittel aus dem Silicon Valley verfügt, war ein umfangreiches Dossier in der Zeitschrift „New Yorker“, das Itos Verbindungen zu Epstein offenlegte.

Epstein-Affäre: Führende Forschungsinstitution vertuscht Namen

Der Text des investigativen Journalisten Ronan Farrow, der bereits den Fall Harvey Weinstein ins Rollen gebracht hatte – der einstige Filmmogul wird von mehr als 90 Frauen des sexuellen Missbrauchs beschuldigt –, war ein schockierendes Dokument über eine führende Forschungsinstitution, die über viele Jahre gezielt vertuscht hatte, wer ihr da großzügige Spenden an Land zog. Jeffrey Epstein, das konnte Farrow anhand von E-Mails und internen Dokumenten belegen, fungierte als Mittler zwischen dem MIT und prominenten Spendern wie etwa Bill Gates oder dem Investor Leon Black.

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Rund 7,5 Millionen Dollar überwies Gates an das MIT Media Lab, ein Geschenk, das nachweislich von Epstein eingefädelt wurde. Belastend für Ito ist dabei vor allem, dass er nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 wegen Missbrauchs Minderjähriger genau wusste, mit wem er es zu tun hatte. Deshalb taten er und andere Führungspersönlichkeiten der Universität alles, um Epsteins Identität zu verschleiern.

Laut Aussagen einer ehemaligen Angestellten wurde Epstein in allen internen Kommunikationen anonym gehalten. Auf Nachfragen besorgter Angestellter verteidigte Ito Epstein als „faszinierende Figur“. Er ging sogar so weit, Epstein auf dessen Wunsch hin auf den Campus einzuladen. Nach Aussagen der Ex-Angestellten brachte er dabei zwei junge weibliche „Assistentinnen“ mit, nach ihrer Einschätzung vermutlich russische Models. Einige MIT-Professoren fragten die Frauen sogar, ob sie aus eigenem Willen da seien und ob man ihnen helfen könne.

In gewisser Weise passte die Epstein-Connection gut zu der Persönlichkeit von Joichi Ito. Er ist ein Shootingstar der Internetwelt, der – wie Epstein – seinen Weg nach oben weniger akademischen und beruflichen Meriten als der Fähigkeit zum Networking und einem guten Investoren-Instinkt zu verdanken hat.

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Ito brach zweimal ein Studium ab und leitete einen Nachtclub in Tokio, bevor er mit seiner eigenen Internetfirma und frühen Investitionen in Twitter, Kickstarter und Flickr rasch in der Internetwelt aufstieg. Für die Position am MIT war Ito eine ungewöhnliche Wahl, doch das Media Lab, das sich als innovativ und unkonventionell verstand, sah in ihm jemanden, der sowohl die Studenten begeistern als auch hervorragend externe Mittel beschaffen konnte.

Epstein-Affäre: Statement des MIT

Nun bereut man am MIT, dass man sich auf die Verbindung mit einem Außenseiter aus der IT-Branche eingelassen hat. „Wir müssen mit tiefer Scham eingestehen, dass das MIT dazu beigetragen hat, die Reputation eines überführten Kriminellen zu stützen und ihm dabei zu helfen, von seinen schockierenden Taten abzulenken“, sagte der Präsident der Universität, Rafael Reif, in einem Statement.

Es ist allerdings bei weitem nicht das erste Mal, dass Elite-Colleges der USA Zuwendungen aus dubiosen Quellen annehmen. Noch Wochen, bevor dessen Rolle beim Mord am Journalisten Jamal Kashoggi bekannt wurde, empfingen sowohl Harvard als auch das MIT den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Er hatte in den vergangenen Jahren Hunderte Millionen Dollar an US-Universitäten überwiesen.

Immerhin steht die Universität nun zu ihren Fehlentscheidungen. Die Spender, die Epstein gemäß der Nachforschungen von Farrow an das MIT vermittelt hat, streiten weiterhin die Verbindung ab. Bill Gates behauptet, niemals eine geschäftliche Verbindung mit Epstein gehabt zu haben. Leon Black verweigerte jeglichen Kommentar, hatte jedoch bereits in den vergangenen Wochen behauptet, dass seine Verbindung mit Epstein sich auf Steuerstrategie und Erbschaftsplanung beschränkt habe.

Wirklich glaubwürdig kommen beide nicht an den Recherchen des „New Yorker“ vorbei. So verstärkt sich der Eindruck, dass Epsteins Verbindungen in der Tat in alle Bereiche der amerikanischen Gesellschaft reichten.

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