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Gib mir 2!

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Von: Boris Halva

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Der 22.2.22 – ein episches Datum.
Der 22.2.22 – ein episches Datum. © imago

Mehr Zweier im Kalender gibt’s erst in zweihundert Jahren. Also nutzen wir heute die bis auf Weiteres einmalige Gelegenheit, um der ewigen Nummer 2 zu huldigen.

Es heißt, aller guten Dinge sind drei. Aber ein Paar ist auch was Schönes. Viel besser eigentlich als ein Trio. Da gibt‘s ja gern Streit, bei dem sich dann der berühmte Dritte freut. Natürlich kriegt sich auch ein Duo in die Haare, aber zwei braucht es mindestens, um etwas anfangen zu lassen. Es braucht Gegensätze, um Spannung zu erzeugen: Himmel und Erde, Tag und Nacht, Adam und Eva, um nur drei Paare zu nennen, ohne die das Leben auf diesem Planeten zweifellos recht eintönig wäre. Und dass wir zwei Hände, zwei Füße, zwei Augen und Ohren und auch in uns drin das ein oder andere Organ in doppelter Ausführung haben, spricht ebenfalls dafür, dass die Zwei eine große Nummer ist.

In der Kernphysik, die man ja nicht unbedingt mit Zauberei in Verbindung bringt, gilt die 2 gar als magische Zahl. Magisch, weil sie für besonders stabile Atomkerne sorgt, sogenannte „magische Kerne“, aus denen sich Vorhersagen über nicht weniger magische „Inseln der Stabilität“ ableiten lassen. Das ist jetzt zwar leicht verkürzt, aber wer 2 und 2 zusammenzählen und Fünfe auch mal gerade sein lassen kann, spürt vielleicht, wie sich tief drinnen eine Ahnung regt, dass Physik und Magie eben doch zwei Seiten einer Medaille sind.

Da wir gerade von Medaillen sprechen: Muss es wirklich immer der erste Platz sein? Hat eine zweite Siegerin nicht auch Großes geleistet? Überhaupt: Was soll das Gerede, man bekomme keine zweite Chance, einen ersten Eindruck zu hinterlassen? Zweite Chancen gibt es wie Sand am Meer! Ach was, wie natürliche Zahlen in der Fibonacci-Folge! (Da ist die zwei übrigens die dritte Zahl…) Wir können doch wohl von Glück reden, wenn wir einen Menschen, den wir beim ersten Mal doof fanden, bei einer zweiten Begegnung wirklich kennen und vielleicht sogar schätzen lernen dürfen! Verhält es sich umgekehrt, muss das nicht immer Pech sein. So wie auch die Zwei weder gut noch böse ist: Der Gelehrte Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim bezeichnete Anfang des 16. Jahrhunderts die Zwei als „die Mitte zwischen Gutem und Bösem, als an beiden theilhabend“.

Ungefähr in der Mitte zwischen Australien und Papua-Neuguinea liegen die Torres-Strait-Inseln. Die Menschen, die dort leben, kennen nur die Zahlen 1 und 2. Und begnügen sich damit, aus den beiden Zahlen die Zahlen 3, 4, 5 und 6 zu berechnen – jenseits der 6 gibt es für dieses Naturvolk lediglich die Zahl „viel“.

Apropos viel: In Agrippas Welt legt die Taube auch zwei Eier, „aus deren erstem sie das Männchen, aus dem zweiten das Weibchen ausbrütet“. Stadtmenschen werden mich dafür hassen, aber ich sag‘ mal: ein Hoch auf die Zwei!

Opa wollte das Glück nicht beim Spielen stören.
Opa wollte das Glück nicht beim Spielen stören. © BARBARA SAX/afp

Mit und auf der 2 ins Glück

Die 2 steht auf meinem Lottoschein. Ganz hinten. Am Ende der Zahlenreihe, mit der mein Schein am Spiel 77 teilnimmt und an der Super 6 und an der Glücksspirale. Wenn ich mitspiele. Ich spiele nicht immer mit, aber wenn, dann mit diesem Schein, der auf 2 endet. Das hat sich so ergeben und das bleibt so. Es ist ein bisschen wie bei meinem Opa Alfred, der am Glücksspielautomaten nie die Weitertaste drückte, weil er das Glück nicht beim Spielen stören wollte.

Ehrlich gesagt, hat mir die 2 bisher nicht so viel Glück gebracht, dass ich sie deshalb unbedingt beibehalten müsste. Es ist vielmehr so, dass ich den größten Lottogewinn meines Lebens mit einem Schein erzielte, dessen Lottokästchen mit der 1 und der 3 anfing, also die 2 bewusst aussparte. Es war eine Zahlenreihe, die schon meine Eltern jahrzehntelang getippt hatten. Die Gewinnsumme entsprach auf den Euro genau der Zahnarztrechnung, die mir tags zuvor präsentiert worden war. Da konnte ich meinen Frieden mit der 1 und der 3 machen und mich voll auf die 2 konzentrieren. Irgendwann muss sie ja. Wobei die fünf bis sechs Ziffern davor dann auch mitspielen müssten. Leider gibt es am 22.2.22 keine Ziehung. Sonst wär’s ja einfach.

Bis die 2 mich reich macht, fahre ich weiter gern Zweirad. Das ist auch besser für den Planeten. Davon haben wir momentan nur einen. (Thomas Stillbauer)

Tony Curtis und Roger Moore (r.) klärten in der Serie „Die 2“ 
irgendwelche Fälle auf. Warum auch immer.
Tony Curtis und Roger Moore (r.) klärten in der Serie „Die 2“ irgendwelche Fälle auf. Warum auch immer. © Rights Managed/imago

Zweierlei Unsinn für sonnige Gemüter

Die Zwei ist eine schöne Zahl, aber das Schönste sind die zwei. Genauer: „Die 2“. Wenn Sie jemals den blöden Spruch „Sleep well in your Bettgestell“ gehört haben, und wenn Sie sich über so etwas entspannt amüsieren können, dann sind Sie hier richtig. Na ja, vielleicht nicht über den einen Satz, so doll ist er nun auch wieder nicht. Aber das ging halt dauernd so, und wer darüber nicht lachen musste, war aus unserer jugendlichen Sicht alt oder selber schuld oder beides.

„Die 2“, auf Englisch „The Persuaders!“ (ja, mit Ausrufezeichen), war eine britische Krimiserie mit insgesamt 24 Folgen, 15 davon sendete das ZDF 1972 erstmals in deutscher Synchronisation. „Die 2“, das waren vor allem Tony Curtis und Roger Moore, und das ist auch schon nicht schlecht. Aber das Beste war die deutsche Übersetzung von Rainer Brandt, denn die machte aus der britisch-skurrilen Handlung einen noch wundervolleren Quatsch.

Die beiden Hauptfiguren sind Roger Moore als Lord Brett Sinclair, ein adliger Brite und Millionenerbe, sowie Tony Curtis als Danny Wilde, ein US-amerikanischer Aufsteiger aus der Bronx und Ölmillionär. Irgendwie (wie genau, hat das Gedächtnis verschluckt, bitte, das ist 50 Jahre her!) sind sie gezwungen, ungeklärte Kriminalfälle zu lösen, und wer in jenen Jahren auch nur einmal den kreuzbraven Erik Ode in „Der Kommissar“ gesehen hatte, lernte jetzt endlich, dass Krimi auch ohne deutschen Bierernst geht. Wobei die Sache mit dem Bier wörtlich gemeint ist – im „Kommissar“ wurde stets anständig gesoffen.

Wie auch immer: Wenn „Die 2“ kamen, saßen wir schön vor dem Röhrenfernseher, brüllten hereinschauende Mütter wieder raus und genossen den dahersynchronisierten Unsinn. Wir waren halt sonnige Gemüter damals, und ein Tony Curtis, der beim Falschparken „Mach ich vorm ZDF auch immer so“ sagt und Kumpel Moore gern mit „Halloluja“ begrüßt, um sich anschließend mit geistigen Getränken „den Staub aus den Nebenhöhlen zu spülen“, versetzte uns in endlose Lachanfälle.

Das unverhohlene Anstarren mehr oder weniger blonder Damen müssen wir in jenen Tagen noch irgendwie für normal gehalten haben, wir kannten es ja nicht anders.

Es dürfte damit ausreichend erklärt sein, dass das Zweite (!) Deutsche Fernsehen schon in frühen Jahren seinem Bildungsauftrag gerecht geworden ist. Für unsereinen jedenfalls ist klar: Wer an die Zwei denkt, denkt am besten an „Die zwei“. Genauer: an „Die 2“. (Stephan Hebel)

Star-Trek-Fans wissen, wann Captain James T. Kirk seinen Bruder Sam zum letzten Mal gesehen hat.
Star-Trek-Fans wissen, wann Captain James T. Kirk seinen Bruder Sam zum letzten Mal gesehen hat. © Rights Managed/imago

Vom Singen und Klingen und der ewigen Nummer 2 im Weltraum

Die Zahl „2“ und Musik – der Zusammenhang liegt auf der Hand. Das Wort Musik hat zwei Silben. Es gibt zwei Tonarten, eine Schallplatte hat zwei Seiten, eine Audiokassette ebenso. Aber auch darüber hinaus kommt man an der „2“ nicht vorbei. Denn was wäre die Musikgeschichte ohne die zahlreichen legendären Duette und Duos, die so alt sind wie die Musikgeschichte selbst?

Prägende Duos waren Simon & Garfunkel, Roxette, Wham, Sonny & Cher, Al Bano & Romina Power, Tina & Ike Turner, Eurythmics, Pet Shop Boys. Und natürlich Modern Talking, Milli Vanilli, Die Doofen und die Wildecker Herzbuben. Aus Frankfurter Sicht wichtig: Jam & Spoon, Snap! und das Rödelheim Hartreim Projekt. Auf Seiten der Duette sind zum Beispiel Frank Sinatra und seine Tochter Nancy zu nennen, deren 1967 veröffentlichtes Lied „Something stupid“ 34 Jahre später von Robbie Williams und Nicole Kidman neu vertont wurde. Oder „Endless love“ von Lionel Richie und Diana Ross aus dem Jahr 1981, das 1994 durch Mariah Carey und Luther Vandross ein Comeback feierte. In anderen Fällen kamen regelrechte Superstars zusammen: George Michael und Elton John, David Bowie und Mick Jagger, Michael Jackson und Paul McCartney, Rihanna und Jay-Z – und natürlich David Hasselhoff und Blümchen. Manche Musiker und Bands trugen die 2 dann gleich im Namen: Am bekanntesten ist da sicher U2, gleich danach käme 2Pac. In den 90ern war die 2 dann offenbar besonders beliebt, Bandnamen wie 2 Unlimited, 2-4 Family, K2 oder Reel 2 real zeugen davon.

Und auch in manchen Liedern wird der 2 gehuldigt. „Wir beide“ von Juli, eine Hymne an die Freundschaft. Bill Withers sang 1981 „Just the two of us“, was Will Smith 1998 coverte. Oder „2 become 1“ von den Spice Girls, „Stark wie zwei“ von Udo Lindenberg, „Two princes“ von den Spin Doctors. Den Vogel schießt aber bis heute der „Song 2“ von Blur ab. Er war 2 Minuten und 2 Sekunden lang, das 2. Lied auf dem Album „Blur“ und die 2. Single daraus, in den britischen Charts landete der Song auf? Genau: Platz 2.

Beenden wir den Text mit dem vermutlich eher unbekannten Song „How does it feel“ der Punkband Die Kassierer. Keine 2 im Titel, keine im Bandnamen. Dafür ein interessanter Ansatz der Band aus Wattenscheid. Denn sie stellen darin die viel zu selten behandelte Frage, wie es sich anfühlt, nur der Bruder von Captain Kirk, also die Nummer 2 im All zu sein.Für den 5.5.5555 hinterlasse ich dann einen Text über „Mambo No. 5“ „I got 5 on it“ und die „Jackson 5“. (Fabian Böker)

Vom endlosen Drehen und Wenden

„Ach, 22022022! Du bist von hinten wie von vorne, ach 22-0-22-0-22!“ Die abgewandelten Worte des Dada-Dichters Kurt Schwitters bringen die Freude an dieser besonderen Zahlenfolge auf den Punkt.

Wenn Mathematikmenschen den 20.02.2022 sehen, verschwimmen die Punkte und die Zeit bleibt für 24 Stunden in einem Palindrom aus Zahlen im Kalender stehen. Über allen Aus-beiden-Richtungen-gleich-schön-Zahlen thronen die Primzahlpalindrome, also die 11, die 101, die 382 und ihre Schwestern, die sich – von jeder Seite aus gerechnet – weder durch andere Zahlen teilen lassen noch den Wert ändern. Vielleicht die schönste im Kreis der Edlen ist die 1000000000000066600000000000001 – die wird nach dem Dämon der Genialität auch „Belphegors Primzahl“ genannt. Und ist natürlich auch ein Palindrom.

Nicht zu verwechseln sind diese mit der Mirp-Zahl. Die gibt es wirklich und das sind Primzahlen wie 13, 17, 37, die rückwärts gelesen (Mirp – Prim!) wieder eine Primzahl ergeben, allerdings mit anderem Zahlenwert.

Dagegen ist der 22. Februar 2022 fast ein wenig banal, hat aber einen großen Vorteil: Auch ohne Mathematikstudium können sich alle das Datum für Hochzeitstage einfach merken. (Thomas Kaspar)

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