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In den sozialen Netzwerken bieten Münchner „offene Türen“.
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In den sozialen Netzwerken bieten Münchner „offene Türen“.

Einkaufszentrum in München

Entsetzen in der Innenstadt

  • VonJochen Arntz
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Nach den Schüssen in einem Einkaufszentrum ist nichts mehr, wie es war in München. Eindrücke von einer aufgewühlten Stadt.

Es ist der Abend, in der die Furcht so brachial in die sommerliche Gelassenheit bricht, der Abend, in der in München gegen sieben Uhr erst ein paar Regentropfen über den Biergärten fallen, und dann die Nachrichten der Smartphones in diesen Freitag hineinschlagen, wie schon so lange nichts mehr München erschüttert hat. Es dauert keine zwei Minuten, da steht in den Blicken der Leute, sie sitzen im Hofbräukeller beim Bier unter den alten Kastanien, da steht in den gesenkten Blicken auf die Handys nicht mehr ein neugieriges Interesse. Da ist in ihren Blicken nur noch Entsetzen zu sehen.

Draußen auf den Straßen sind schon kurz nach den Schüssen am und im Einkaufszentrum am Olympiapark die Polizeisirenen zu hören, die Straßenbahnen bremsen ab, bleiben einfach auf den Gleisen stehen. Tote, Verletzte, Täter auf der Flucht melden die sozialen Medien wie Twitter, berichten die Radiosender, das Fernsehen. Drinnen im Biergarten fragen die Kinder ihre Eltern, was sie tun sollen, die Eltern versuchen souverän zu bleiben, nicht allen gelingt es. Ärzte rufen ihre Familien an, sagen, dass sie nicht mehr heimkommen an diesem Abend, sie sind alle in die Krankenhäuser gerufen worden.

Oben, über den Bäumen ist jetzt das Rattern der Hubschrauberrotoren zu hören. Die Münchner Polizei twittert, dass die Leute alle Plätze meiden sollen, dass sie nach Hause gehen oder dort bleiben sollen. Aber jetzt sind so viele gehetzt auf den Bürgersteigen unterwegs wie selten an einem Sommerabend in dieser Stadt, in der das Leben so selten nur rast, so schnell rast, wie an diesem Terrorabend. Mitten in der Stadt, am Stachus, soll es auch eine Schießerei gegeben haben, Panik. Und, wie sich herausstellt, eine Falschmeldung

„Wo seid ihr? Geht es euch gut?“ – vielleicht die am häufigsten gestellte Frage an diesem Abend. Die Leute im Biergarten starren auf ihre kleinen Bildschirme, sie kommen kaum noch dazu ihren Freunden und Verwandten zu schreiben: Ja, es ist alles in Ordnung. Die Kellnerinnen stehen an den Schanktheken, wer will jetzt schon noch etwas von ihnen. Die Menschenwollen nach Hause, aber ist das gut jetzt? Taxis gibt es nicht, jetzt mit den Kindern auf die Straße? Besser nicht.

„Offene Türen“ bieten Schutz

In den sozialen Netzwerken bieten Münchner „offene Türen“, Schutz für diejenigen, die wie gelähmt sind, und dennoch hetzten. Es dauert lange, bis die Polizei, die Meldungen dementiert, dass es am Stachus eine Schießerei gegeben habe. Aber natürlich kommt die Meldung so schnell wie möglich. Und über die Toten am Einkaufszentrum nahe des Olympiastadions gibt es nichts mehr zu dementieren.

Die Stadt ist in Angst, und selten war dieser Satz so wenig ein Klischee wie heute Abend. In jenen Minuten wird dann der Hauptbahnhof geräumt, und die Münchner Polizei fordert Unterstützung von der Anti-Terror-Einheit GSG 9 an.

Die Älteren erinnern sich noch an den Terror von 1972, an die Toten und die Geiseln im Olympiastadion, an die Attacke auf die israelischen Sportler. Der Terror war schon hier, auch 1980 auf dem Oktoberfest mit so vielen Toten nach der Bombe eines Rechtsextremen. Und jetzt ist er wieder in München, und nach dem, was in Nizza und Paris geschehen ist, haben die Menschen auf jedem Meter ihres Weges Angst; auch wenn München eine Großstadt ist, und das Olympia-Einkaufszentrum ein paar Kilometer weg liegt von den Biergärten in Haidhausen, wo jetzt nur noch wenige unter den Kastanien ausharren, sich dieser Weltlage nicht ergeben, und ihr trotzdem nicht entkommen können.

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