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Die damals 24 und 26 Jahre alten Männer waren vor zwei Jahren mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde über den Kurfürstendamm gerast. Foto. Britta Pedersen

Illegales Autorennen

BGH entscheidet über Raser-Mordurteil

Ein unbeteiligter Autofahrer stirbt in Berlin, weil sich zwei Männer ein illegales Rennen liefern. Sie werden wegen Mordes verurteilt. Zu recht? Das entscheidet heute der BGH. Doch zuvor prüft er zwei andere Raser-Fälle mit tödlichem Ende.

Der Bundesgerichtshof (BGH) entscheidet heute (15.00 Uhr) über das bundesweit erste Mordurteil gegen Raser. Das Berliner Landgericht hat zwei Männer nach einem illegalen Autorennen zu lebenslanger Haft verurteilt. Dagegen haben die beiden Revision eingelegt (4 StR 399/17).

Die damals 24 und 26 Jahre alten Männer waren vor zwei Jahren mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde über den Kurfürstendamm gerast. Bei ihrer nächtlichen Wettfahrt über elf Kreuzungen mit mehreren roten Ampeln bis zum Kaufhaus KaDeWe erfasste der Ältere mit seinem Wagen an der Ecke Tauentzienstraße/Nürnberger Straße den Geländewagen eines 69-Jährigen, der bei Grün in die Kreuzung fuhr. Sein Auto wurde mehr als 70 Meter weit geschleudert. Der Mann starb noch an der Unfallstelle.

Aus Sicht des Landgerichts haben die Raser den Tod anderer billigend in Kauf genommen. Sie handelten demnach „mittäterschaftlich und mit bedingtem Vorsatz“ und nutzten das Auto als Mordwaffe. Fraglich ist, ob der BGH das auch so sieht. In der mündlichen Verhandlung äußerten die BGH-Richter Zweifel am Tötungsvorsatz. Der wäre Voraussetzung für ein Mordurteil.

Für Maximilian Warshitsky, Nebenkläger im Prozess und Sohn des getöteten Autofahrers, ist die Sache hingegen klar: „Es ist aus meiner Sicht Mord.“ Er hofft auf ein entsprechendes Signal aus Karlsruhe. „Mit 170 Sachen durch die Stadt - das grenzt schon an Terror auf der Straße.“

Angesichts zunehmender Aggressivität im Straßenverkehr hoffen viele auf ein Machtwort des BGH. Doch der warnt vor zu hohen Erwartungen: Es werde über diesen besonderen Fall entschieden.

Vor dem mit Spannung erwarteten Richterspruch prüft der BGH am Morgen noch zwei weitere Raser-Fälle mit tödlichem Ausgang: In Bremen fuhr ein junger Mann, der mit bis zu 150 Kilometern pro Stunde auf dem Motorrad durch die Stadt gerast war, einen Fußgänger tot (Az.: 4 StR 311/17). In Frankfurt war ein damals 20-Jähriger mit 142 Kilometern pro Stunde - erlaubt war Tempo 70 - über eine rote Ampel gefahren und in den Gegenverkehr gekommen. Ein Autofahrer starb (Az.: 4 StR 158/17). Für die Landgerichte in Bremen und Frankfurt war es fahrlässige Tötung - die Staatsanwaltschaft pocht jeweils auf vorsätzliche Tötung. (dpa)

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