Was soll das?

Nacktrechner

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Eine App verwandelt Fotos von bekleideten Frauen in Nacktfotos. Und die Erfinder sagen: war nicht so gedacht? Die Panorama-Kolumne „Was soll das“.

Zum „Tag des Witzes“, der am 1. Juli gefeiert wird, wollten wir eigentlich ein paar erfrischende Gedanken über die unfreiwillige Komik des Alltäglichen notieren. Etwa, ob die kleinen E-Lastwagen, mit denen an Bahnhöfen der Müll zur zentralen Sammelstelle gefahren wird, womöglich „Wertstofftaxi“ heißen, weil sie, hihi, all die „Wertstoffinseln“ an den Bahnsteigen abklappern? Wie, nicht lustig? Also, wir könnten uns da vor Lachen wegschmeißen...

Nun wird es nichts mit den Wortwitzen, denn gestern kam die Meldung rein, dass die Macher einer App „zur virtuellen Entkleidung von Frauen“ diese nun „nach einem Sturm der Entrüstung im Internet“ abgeschaltet haben. Die Entwickler der App erklärten via Twitter, „wir wollen auf diese Weise kein Geld machen“. Nach Ansicht der Erfinder der Nacktrechnung sei das Risiko eines Missbrauchs bei rund 500 000 Nutzern einfach zu groß. Und außerdem hätten sie „niemals gedacht, dass sich das so verbreiten würde“

Natürlich nicht! Wer käme auch darauf, mithilfe der sogenannten Deepfake-Technologie, bei der täuschend echte Bilder erzeugt werden, ein Foto von einer bekleideten Frau aufzunehmen und dieses in ein Nacktbild umzuwandeln? Einfach so? Der Mann von heute fragt eine Frau ganz direkt, ob sie sich nicht kurz frei machen könnte für ein schönes Nacktfoto!

Von daher dürfte die Jura-Professorin Mary Anne Franks, die sich für den Schutz von Persönlichkeitsrechten im Internet stark macht, auch völlig daneben liegen mit ihrem Vorwurf, die App sei darauf ausgerichtet, den „grotesken sexuellen Fantasien armseliger Männer“ zu dienen. Das sagt sie bestimmt nur, weil es keine männliche App-Version gab.

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