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EM 2021

Greenpeace-Aktivist stand wohl vor Abschuss – „Man hat von Scharfschützen abgesehen“

Gegen den Aktivisten, der kurz vor Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich im Stadion notlanden musste, wird ermittelt. Für ihn hätte es tödlich ausgehen können.

+++ 14.48 Uhr: Das Polizeipräsidium München teilt mit, dass gegen den festgenommenen Piloten aus Baden-Württemberg wegen „verschiedener Delikte nach dem Strafgesetzbuch und dem Luftverkehrsgesetz“ ermittelt wird. Für seine missglückte Protestaktion hat der 38-Jährige fast mit seinem Leben bezahlen müssen. Denn auf den umliegenden Hügeln sollen während der Spiele Scharfschützen positioniert sein, um auf einen möglichen Terror-Angriff reagieren zu können. Für die Zeit der EM 2021 wurde über der Allianz Arena ein Flugverbot erlassen.

„Man hat aufgrund der Beschriftung ‚Greenpeace‘ davon abgesehen, dass Scharfschützen hier eingegriffen haben. Wenn die Polizei zu einer anderen Einschätzung gekommen wäre, dass es sich um einen Terror-Anschlag handeln könnte, dann hätte der Flieger die Aktion möglicherweise mit seinem Leben bezahlen müssen“, so Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Ministerpräsident Markus Söder übte scharfe Kritik am Aktivisten und kündigte Konsequenzen an: „Das wird genau behandelt, das sind klare Verstöße“, sagte der CSU-Politiker im Bayerischen Rundfunk: „Sowas ist kein Kavaliersdelikt.“ Die Polizei betonte, „dass es keinerlei Verständnis für solche unverantwortlichen Aktionen gibt, bei denen eine erhebliche Gefährdung von Menschenleben in Kauf genommen wird“.

EM 2021 - Deutschland gegen Frankreich: Ein Aktivist von Greenpeace landet in der Allianz Arena in München.

EM 2021: Aktivist von Greenpeace landet nach missglückter Protest-Aktion im Stadion

Erstmeldung vom 16. Juni 2021, 7.11 Uhr: München - Kurz vor dem Anpfiff des EM-Spiels zwischen Deutschland und Frankreich gab es einen Schreckmoment: Plötzlich gerät ein Motorschirm-Flieger über der Münchner Arena ins Taumeln, kommt Zuschauern gefährlich nahe und landet unsanft auf dem Rasen. Zwei Menschen werden bei der missglückten Aktion, die von Greenpeace initiiert wurde, verletzt. Eigentlich wollte die Umweltorganisation damit gegen Volkswagen, den Sponsor des Spiels, protestieren. Der Aktivist sei festgenommen worden, sagt ein Sprecher der Münchner Polizei. Später entschuldigt sich Greenpeace - und erntet heftige Kritik.

EM 2021: Motorschirmpilot landet vor Spiel mitten im Stadion

Der Motorschirm-Pilot flog zunächst über dem Stadion und versuchte, einen großen gelben Ball in die Arena sinken zu lassen. Dabei geriet er in eine Stahlseilkonstruktion am Stadiondach und kam ins Trudeln. Nur mit großer Mühe konnte er einen Absturz in die Zuschauerränge verhindern. Nach der Notlandung eilten ihm noch zwei Spieler der deutschen Mannschaft zur Hilfe - dann wurde er von zwei Sicherheitskräften abgeführt. Auf Bildern ist zu sehen, wie er zuvor noch einige Zuschauer streifte. „Wir haben nach dem jetzigen Stand zwei verletzte Männer, die zur weiteren medizinischen Versorgung ins Krankenhaus gebracht worden sind“, sagt der Polizeisprecher. Über die Schwere der Verletzungen gibt es zunächst keine Informationen.

Die Europäische Fußball-Union UEFA sprach von einer „rücksichtslosen und gefährlichen Aktion“, die schwerwiegende Folgen für viele Menschen hätte haben können. Auch der Deutsche Fußball-Bund verurteilte den Protest. „Derjenige hat nicht nur sich, sondern auch andere gefährdet und verletzt. Das ist aus unserer Sicht nicht hinnehmbar“, sagte Verbandssprecher Jens Grittner bei der Pressekonferenz nach dem 0:1 zum Turnierstart gegen Frankreich. „Der Vorgang wird jetzt auch geprüft, bei der Polizei, bei den Behörden hier in München und der UEFA.“

Aktion während EM 2021: Greenpeace wollte gegen VW protestieren

Eigentlich hätte laut Greenpeace alles ganz anders ablaufen sollen: Die Umweltorganisation forderte bei Twitter von Volkswagen, keine klimaschädlichen Diesel- und Benzinautos mehr zu verkaufen. Ein Sprecher räumte noch während des laufenden Spiels ein, dass die Aktion missglückt sei - und entschuldigte sich. „Das tut uns wahnsinnig leid“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auf dem Twitteraccount von Greenpeace hieß es: „Dieser Protest hatte nie die Absicht das Spiel zu stören oder Menschen zu verletzten.“ Greenpeace Aktionen seien immer friedlich und gewaltfrei.

Eigentlich sei der Plan gewesen, dass der Pilot mit einem großen Latexball über das Stadion schwebt, erklärte der Sprecher. Der Ball hätte dann hinab sinken sollen - der Pilot, der auch einen Propeller auf dem Rücken festgeschnallt hatte, sollte gar nicht landen. Technische Schwierigkeiten hätten ihn aber zur Notlandung auf dem Spielfeld gezwungen.

Kritik an Greenpeace auch von Volkswagen

Volkswagen kritisierte, Greenpeace habe mit der Protestaktion „Leib und Leben unbeteiligter Zuschauer und Fans eines Fußballspiels in Gefahr gebracht und es wurden sogar Menschen verletzt.“ VW sei offen für den kritischen und konstruktiven Dialog in Sachen Umwelt und Nachhaltigkeit und bekenne sich klar zum Pariser Klimaabkommen bis 2050.

EM 2021: Ein Greenpeace-Aktivist landet auf dem Spielfeld im Münchner Olympiastadion.

Auch in den Sozialen Medien erntete Greenpeace Spott und scharfe Kritik. „Wichtiges Thema, aber krass idiotische und unverantwortliche Aktion“, schrieb der Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz bei Twitter. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nannte den Piloten in der Bild-Zeitung einen unverantwortlichen Abenteurer, „der seine Flugkünste selbst maßlos überschätzt hat und dadurch Leib und Leben von Zuschauern im Stadion ernsthaft gefährdet hat“. (ktho/lrg/dpa/afp)

Rubriklistenbild: © Matthias Balk/dpa

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