+
Die Vornamen Emma und Ben sind bei Eltern derzeit am beliebtesten.

Beliebte Vornamen

„Eltern mögen jetzt kürzere Namen“

  • schließen

Der Namensforscher Knud Bielefeld spricht im Interview über die beliebten Vornamen Emma und Ben.

Sie haben jetzt die beliebtesten Baby-Vornamen für das Jahr 2014 veröffentlicht. Emma und Ben führen die Liste an, dicht gefolgt von Mia und Luis. Erkennen Sie einen langfristigen Trend bezüglich des Klangs deutscher Babynamen?
Ja. Sowohl weibliche als auch männliche Babynamen sind tendenziell kurz, auf jeden Fall kürzer als vor 30 bis 40 Jahren. Ich tausche mich mit mehreren Wissenschaftlern aus. Auffällig ist, dass so genannte Konsonantencluster – Namen, in denen viele Konsonanten vorkommen – zurückgedrängt werden. Beispiele wären Namen wie Konstantin oder Franziska. Ansonsten sind die Anfangsbuchstaben „L“ und „E“ sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen sehr angesagt. Auffällig ist auch, dass Jungennamen weicher klingen und sich annähern an Mädchennamen, insgesamt androgyner klingen.

Gehen mit der Namensgebung auch unterschiedliche pädagogische Rollenvorstellungen der Eltern einher?
Namensmoden sind sehr langfristig ausgelegt. Trends wie die Namenslänge bilden sich über Jahrzehnte. Es ist eine schleichende Entwicklung, daher ist es schwer, Schlüsse daraus zu ziehen. Es wird ja oft gemutmaßt, dass heutzutage einhergehend mit der Zahl von Kirchenaustritten weniger biblische Namen vergeben werden. Die statistischen Daten widerlegen diese Annahme jedoch. Deutlich ist aber, dass vor 50 Jahren ganz andere Namen vergeben wurden als heute. Und heute zum Teil Namen, die vor 100 Jahren beliebt waren – etwa der Name Emma.

Lesen Sie auch: Das sind die beliebtesten Babynamen 2018

Wie erklären Sie sich das?
Das ist ein klassischer Modenamenkreislauf. Manche Namen werden sehr beliebt, werden immer häufiger vergeben, werden „Top-Namen“. Wir finden einen Namen umso schöner, je öfter wir ihn hören. Nur irgendwann tritt ein Sättigungseffekt ein und der Name wird nicht mehr vergeben. Dann kommt es dazu, dass man einen Namen aus der eigenen Generation weniger vergibt, weil man jemanden kennt, der so heißt und den man nicht so gern mag. Wenn man niemanden kennt, der Emma heißt, gibt es keine unangenehmen Assoziationen. So kommt der Name auch wieder infrage.

Sind heutige Vornamen eher von den Massenmedien oder von internationalen Bestsellern beeinflusst?
Man sieht schon, dass es Einflüsse aus der Literatur gibt. Aber ich schätze, dass junge Menschen, die heute Mutter und Vater werden, öfter ins Kino gehen als Romane lesen. Insofern sind Filme und verfilmte Bestseller vermutlich öfter Ideengeber als Bücher.

Zum Beispiel?
In diesem Jahr haben wir erstmals den Namen Katniss aus dem Film „Die Tribute von Panem“ entdeckt. Den Namen gab es etwa fünf Mal in unserer Statistik. Ein weiteres Beispiel wäre der Name Cataleya aus dem Film „Columbiana“. Das gab es als Vornamen noch nicht. Und die Namensgebung ist eindeutig auf den Film zurückzuführen.

Sie beobachten auch ausländische Vornamenstatistiken. Welche Schlüsse ziehen Sie daraus?
Interessant ist ja, dass die Namen aus England, Skandinavien und USA auch bei uns vorkommen. Oft sind es Namen, die bei uns gerade aktuell sind, aber dort schon altmodisch sind. Und oft kann man sich bei den neueren Namen, die vom Klangbild passen, vorstellen, dass sie in zehn Jahren auch bei uns spitze sind.

Werden Sie häufig von Eltern um Rat gefragt? Und wofür interessieren sich Eltern, wenn es um Namen ihrer Kinder geht?
Es kommt vor, dass Eltern sich einen Namen ausgedacht haben und der Standesbeamte den Namen nicht anerkennen möchte. Dann verweise ich auf eine der anerkannten Namensberatungsstellen. Andere möchten wissen, ob ein Name in einer bestimmten Region Deutschlands besonders häufig vorkommt. Viele Eltern habe Bedenken, dass ihr Kind einen Namen bekommt, den zu viele andere Kinder auch haben.

Welche war die bisher ungewöhnlichste Anfrage?
Jemand hat sich mal nach Möglichkeiten erkundigt, den Namen seines Kindes rechtlich zu schützen, damit niemand sonst sein Kind so nennen darf.

Gibt es Fälle, in denen Ihre Forschung den Eltern konkret helfen kann, wenn es etwa um die Anerkennung ungewöhnlicher Namen geht?
Ja, das beeindruckt die meisten Standesbeamten, wenn sie erfahren, dass es anderswo ein Kind mit einem ähnlichen Namen gibt. Wenn man frühzeitig erfährt, dass der Standesbeamte den Namen vermutlich nicht anerkennen würde, lohnt es sich zu überlegen, ob das Kind nicht woanders zur Welt kommt. Das ist einfacher, als hinterher ein Gerichtsverfahren in Kauf zu nehmen.

Interview: Corina Silvia Socaciu

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion