SpaceX-Gründer

Turbulentes Jahr für Elon Musk: Twitter-Tiraden haben Konsequenzen

  • Joshua Schößler
    vonJoshua Schößler
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Der umstrittene Tesla-Gründer Elon Musk legte 2020 ein turbulentes Jahr hin. Es war allerdings nicht nur von Erfolgen gekrönt. Ein Jahresrückblick in Tweets.

  • Der umstrittene Tesla-Gründer Elon Musk hat ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Nicht alles war gut.
  • Während Corona lieferte sich der Chef von Tesla einen Streit mit dem US-Bundesstaat Kalifornien.
  • Wirtschaftlich geht es SpaceX*-Gründer Elon Musk so gut wie nie. Neues aus der Weltraumforschung.

Almeda County – Januar 2020. Aufrecht ragt die Rakete in Startposition dem wolkenlosen Himmel entgegen. Der Countdown läuft. Drei, zwei, eins, Start. Gewaltige Druckkräfte heben die 55 Meter hohe Rakete des Typs Falcon 9 mit einem Feuerschweif dem Weltall entgegen. Gleichmäßig klettert die Geschwindigkeitsanzeige in die Höhe. Nach eineinhalb Minuten detoniert der Flugkörper plötzlich bei über 1600 Kilometern pro Stunde hoch über den Köpfen zahlreicher Zuschauer. Ein gigantischer Feuerball verwandelt sich in eine Staubwolke, während die Raketenspitze wie ein Projektil aus ihr herausschießt. Tosender Beifall.

Tesla-Gründer Elon Musk scheint zunehmend egal zu sein, was man über ihn denkt

Der gelungene Test für eine Rettungskapsel des Raumfahrtunternehmens SpaceX könnte sinnbildlich für das turbulente Jahr des Technologie-Gigantomanen Elon Musk stehen. Kaum eine Figur polarisiert durch ihr exzentrisches Auftreten wie der milliardenschwere Unternehmer. Insbesondere seine verbalen Entgleisungen auf Twitter sorgen in der Medienwelt für Entsetzen und lassen den Kurs börsennotierter Unternehmen über Nacht um Millionen fallen. Doch es scheint so, als würde das den Gründer von Paypal, SpaceX*, Tesla und Starlink* zunehmend weniger interessieren.

Elon Musk besucht die Baustelle der Tesla-Fabrik in Grünheide

Hierzulande machte Elon Musk vor allem durch seine Tesla-Riesenfabrik im brandenburgischen Grünheide in der Nähe von Berlin von sich reden. Sie soll bereits im Juli 2021 den Betrieb aufnehmen und 500.000 Fahrzeuge pro Jahr mit der Hilfe von 12.000 Mitarbeitenden fertigen. Der Bau der Fabrik schreitet in rasendem Tempo voran – obwohl die endgültigen Zulassungen bis heute noch überhaupt nicht vorliegen. Das bedeutet für Elon Musk im schlimmsten Fall, dass am Ende alles abgerissen werden muss. Trotz des rasenden Bautempos lief dieses Jahr nicht immer alles glatt und so geschah im Oktober eine Peinlichkeit: Das Wasser wurde beim Bau der Tesla-Fabrik abgedreht, weil die Rechnungen nicht bezahlt wurden.

Für Tesla-Fabrik in Brandenburg lädt Elon Musk zum Bewerbungsgespräch

Und obwohl die endgültigen Genehmigungen noch nicht vorliegen, lud Musk persönlich zum Bewerbungsgespräch ein. So setzte er in Silicon-Valley-typischer Manier bei seinen Bewerbungskriterien auf unkonventionelle Methoden. Beispielsweise sei kein Universitätsabschluss, ja nicht mal ein Abitur notwendig, um dort als Ingenieur zu arbeiten. Vielmehr geht es um Antworten auf Fragen wie „Erzählen Sie mir von den Problemstellungen, an denen Sie gearbeitet haben und wie Sie sie gelöst haben.“

Einer der größten Tiefpunkte des Jahres war hinsichtlich seiner Wahrnehmung in der Öffentlichkeit sicherlich seine Äußerung zur Corona-Pandemie. Die restriktiven Corona-Maßnahmen im US-amerikanischen Kalifornien, wo er eine Produktionsstätte betreibt, waren Elon Musk schon länger ein Dorn im Auge. Die Corona-Maßnahmen nannte er wiederholt „faschistisch“, womit er in der Öffentlichkeit nahe an die Aussagen von US-Präsidenten Donald Trump rückte. So behauptete er im März, dass die Infektionszahlen bereits im April bei null liegen würden. Im weiteren Verlauf drohte er dem Kalifornischen Staat mit dem Abzug seiner Fabrik, sollte er nicht weiter ungehindert produzieren dürfen.

Während Corona liefert sich Tesla-Chef Elon Musk Streit mit US-Staat Kalifornien

Schließlich ließ er ohne Genehmigung weiterproduzieren und bot bei Twitter im Falle eines Polizeieinsatzes an, man solle lieber nur ihn verhaften. Am Ende gab es eine Einigung und Tesla durfte produzieren.

Auf Twitter näherte er sich mit seiner Rhetorik Corona-Skeptiker:innen an, über die in Deutschland viel gesprochen wurde. Aber so ganz will dieser Vergleich nicht aufgehen, denn schließlich finanzierte er mit Curevac ein Tübinger Unternehmen, das an der Entwicklung eines Impfstoffs beteiligt ist.

Twitter-Tiraden Elon Musks haben Konsequenzen

Wie folgenreich seine wüsten Twitter-Tiraden sein können, bewies Elon Musk, als er auf dem Netzwerk bekannt gab, sämtlichen physischen Besitz inklusive seiner Häuser zu verkaufen.* Man interpretierte das vermutlich so, als sei der er pleite; die Tesla-Aktie stürzte am nächsten Tag um ganze zehn Prozent.

Der Verdacht, Elon Musk sei pleite, stellte sich insofern als abwegig heraus, als dass er im August laut dem Bloomberg Billionaires Index zum viertreichsten Menschen der Welt erkoren wurde. Im Mai erhielt Elon Musk Zugriff auf ein Tesla-Aktienpaket mit einem Wert von 775 Millionen Dollar (umgerechnet ungefähr 700 Millionen Euro). Elon Musk lässt sich von seinem Unternehmen nämlich nicht auszahlen, sondern erhält bei Erfüllung gewisser Anteile an seinem Unternehmen.

Elon Musk verdient dieses Jahr mit Tesla 775 Millionen Dollar

Elon Musk hat dieses Jahr auch mit allerlei Kuriositäten aus seinem Alltag von sich reden gemacht. Schlagzeilen machte die Benennung seines Sohnes, den er mit der kanadischen Sängerin Claire Elise Boucher alias Grimes bekam. Dieser sollte ursprünglich „X Æ A-12“ lauten. Da das kalifornische Recht allerdings keine arabischen Ziffern im Namen erlaubt, benannte er ihn kurzerhand in „X Æ A-Xii“ um, was am Ende auch funktionierte.

Kurios ist ebenfalls, dass der Gründer der derzeitig wertvollsten Firma zur Herstellung von Elektro-Autos auf Twitter forderte, Amazon zu zerschlagen*, denn „Monopole sind falsch.“ Hintergrund ist wohl, dass Elon Musk vermutet, Amazon würde den Verkauf eines Buches unterdrücken, das sich kritisch mit Corona-Maßnahmen befasst. Seinen Tweet richtete er direkt an Amazon-Chef Jeff Bezos.

Umstritten ist auch Elon Musks folgenschwere Gestaltung unseres Nachthimmels. Anfang Januar beförderte sein Unternehmen Starlink zum dritten Mal 60 Satteliten in die Erdumlaufbahn. Helle Lichterketten, die diese am Sternenhimmel bildeten, riefen zahlreiche Ufo-Sichter:innen auf den Plan. Astronom:innen warnten, dass die Satelliten die Beobachtung von Himmelskörpern erheblich erschwerte.* Ziel von Starlink ist es, weltweiten Internetzugang aus dem Weltraum heraus zu ermöglichen. Vor wenigen Tagen erst verkündete Elon Musk, noch in diesem Jahr einen Starlink-Standort in der Mainmetropole Frankfurt zu eröffnen.

Tesla-Gründer Elon Musk will von Kalifornien aus nach den Sternen greifen

Man könnte meinen, Elon Musk hätte sich die Liedzeile „It‘s better to burn out than to fade away“ aus Neil Youngs „Hey hey, my my“ zum Lebensmotto erkoren. Seine Selbststilisierung zum größenwahnsinnigen Tech-Genie auf Twitter ist ihm Fluch und Segen zugleich, da sie einerseits seinen Erfolg beschleunigt, andererseits die Börsenkurse seiner Unternehmen stürzen lässt und seinen Ruf nachhaltig beschädigt. Bisher hat ihm das allerdings mehr genutzt als geschadet. Ob Elon Musk am Ende in die ewigen Weiten des Weltraums aufsteigt oder er wie seine Falcon 9 Rakete am Himmel verglüht, werden die nächsten Jahre zeigen müssen. Doch egal, welches Ende eintritt, klar ist bereits jetzt: Es wird ein Spektakel. (Joshua Schößler) *fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Patrick Pleul/dpa

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