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Elizabeth Banks bei der Premiere von 'Pitch Perfect' in Kalifornien.

"Tribute von Panem"-Star

Elizabeth Banks: Dramatisch komisch

Ihr Gesicht hat man schon häufig gesehen, aber der Name Elizabeth Banks ist trotzdem noch nicht geläufig. Seltsamerweise, denn eigentlich bringt die Schauspielerin alles mit, was auch ihre Kolleginnen Cameron Diaz oder Jennifer Aniston zu Stars gemacht hat.

Von Patrick Heidmann

Sie ist blond, attraktiv, fleißig und gnadenlos ehrgeizig. Wenn sie lächelt, zeigt sie jene strahlend weißen Zähne, die für einen US-Filmstar ein Muss sind. Was Elizabeth Banks außerdem noch besitzt, ist ein stark ausgeprägtes Talent für Komik. Schön und lustig, das ist eine Kombination, die ihre Kolleginnen vor Neid erblassen lassen dürfte.
Zur Zeit spielt sie zwar die Hauptrolle in dem Familiendrama „Zeit zu leben“, der derzeit auch in deutschen Kinos zu sehen ist. Doch tatsächlich möchte Banks auch mal die Hauptrollen in jenen romantischen Komödien spielen, in denen man sonst Diaz oder auch Reese Witherspoon zu sehen bekommt. Das zumindest erklärt sie gerne in Interviews. In solchen Filmen haben die Stars für gewöhnlich viel mitzureden, sie können sich einmischen und ihren Einfluss auf einzelne Szenen geltend machen. Ihren Humor müsste die 38-Jährige Banks dann allerdings anpassen. Banks ist als ältestes von vier Kindern in einer Arbeiterfamilie in Massachusetts aufgewachsen und bekannt für einen deftigen Humor, den man in Hollywood Frauen nicht unbedingt zugesteht.
Mit der kleinen, heute längst als Kult verehrten Komödie „Wet Hot American Summer“ von David Wain, in der sie wild mit Paul Rudd herumknutschte, begann vor elf Jahren die Karriere der klassisch ausgebildeten Schauspielerin. Seither durfte Banks nur in Nebenrollen auf den Putz hauen. In „Jungfrau (40), männlich, sucht“ spielte sie eine sexverrückte, masturbierende Buchhändlerin, in „Zack and Miri Make a Porno“ wollte sie mit ihrem besten Freund einen Sexfilm drehen, um die Mietschulden bezahlen zu können. Und in der Sitcom „30 Rock“ von Tina Fey gibt sie eine Fernsehjournalistin, die irgendwann in Nordkorea gefangen gehalten und mit dem Jung-Diktator Kim Jong-Un zwangsverheiratet wird.
Dass die Beschäftigung mit Shakespeare und den anderen Klassikern während des Studiums am American Conservatory Theater nicht umsonst war, darf Banks in letzter Zeit häufig unter Beweis stellen. Oliver Stone gab ihr vor einigen Jahren die Rolle der Laura Bush in seiner Politsatire „W.“, braungefärbte Haare inklusive. In dem Remake „The Next Three Days“ übernahm sie den im Original von Diane Kruger gespielten Part und ließ sich als Ehefrau von Russell Crowe aus dem Gefängnis befreien.

Zurück zur Comedy

Ihre bekannteste Arbeit ist die Verfilmung des Jugendbuchs „Die Tribute von Panem“, in der sie mit lila Perücke die skrupellose Effie Trinket verkörperte. In „Zeit zu leben“, gibt sie eine alleinerziehende Mutter, die trotz überwundener Alkoholsucht in einer Bar jobbt und eines Tages feststellen muss, dass der Mann, in den sie sich gerade verliebt, ihr Halbbruder ist.
Das Drama liegt ihr und dennoch drängt es Banks, die seit 2003 mit dem Autor Max Handelman verheiratet ist, zur leichten Komödie. Deshalb reagierte sie auch so dünnhäutig als kürzlich die einflussreiche Film-Bloggerin Nikki Finke auf Twitter schrieb, dass hübsche Frauen nicht komisch seien. Auch wer nicht hässlich sei, antwortete die Schauspielerin in einem Kommentar, könne sich mit emotionalen Untiefen und Peinlichkeiten auskennen: „Mir zum Beispiel ist es gerade erst wieder passiert, dass ich den halben Morgen mit Klopapier am Schuh herumgelaufen bin. Wäre es nicht großartig, wenn erfahrene Frauen wie Finke netter zu ihren Geschlechtsgenossinnen in der Unterhaltungsbranche wären? Das würde unserer Sache sicher mehr helfen.“
Ihrer eigenen Sache hilft die Mutter eines anderthalb Jahre alten Sohnes, der mittels einer Leihmutter zur Welt kam, derweil erst einmal selbst am meisten. Während die Arbeit an der Fortsetzung an „Die Tribute von Panem“ bereits begonnen hat, kommt im Dezember zunächst „Pitch Perfect“ in die Kinos. Die Musikkomödie ist der erste Film, den Banks – gemeinsam mit ihrem Ehemann – auch als Produzentin verantwortete. Sie selbst spielt darin zwar nur eine Nebenrolle, aber die Gründe für den Wechsel hinter die Kamera liegen auf der Hand. „Es ist verdammt schwer, auf der Leinwand ungewöhnliche, starke Frauenfiguren zu finden“, gab sie kürzlich zu Protokoll. „Das weiß ich selbst am besten, schließlich habe ich oft genug die Freundin oder Ehefrau gespielt.“

Vorbild Cameron Diaz

Das nächste Projekt als Produzentin ist deswegen auch längst geplant: eine feministische Comedyserie, die sie gerade an einen großen US-Sender verkauft hat. Und für die absurde Ensemblekomödie „Movie 43“, die Ende Januar in die Kinos kommt, zeichnete sie bei einer Episode auch als Regisseurin verantwortlich. Es sieht also ganz so aus, als würde sich Banks tatsächlich ein Vorbild an ihrer Kollegin Cameron Diaz nehmen. Diese hat stets die Kontrolle. Entweder sie redet als Darstellerin mit oder führt selbst Regie.

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