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Eisbein und ein Hoch aufs Leben

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Von: Boris Halva

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„Dinner for one“ ist für mich: der Geruch von Eisbein und dampfendem Sauerkraut. Und Omas Lachen. Omas Lachen, das eher ein Jauchzen war, mochte ich sehr gern. Eisbein und Sauerkraut hingegen sehr, sehr gar nicht! Und dann saß ich da als Bub an Silvester neben Oma und versuchte zu verstehen, was dieser Mann mit der Knubbelnase und der Zahnlücke und die Dame, die das R so komisch rollte, da an diesem Tisch machten.

Heute weiß ich: Ich versuchte damals wohl eher zu verstehen, warum ich das nicht lustig finde, was da passiert. Stimmte etwas nicht mit mir? War ich humorlos? Herzlos gar?! Inzwischen weiß ich, dass es okay ist, „Dinner for One“ nicht lustig zu finden. Und ich sehe den Sketch mit anderen Augen: Jenen eines Mittvierzigers, der erlebt, wie es ist, wenn immer mehr Stühle leer bleiben. Und dass es etwas Tröstliches hat, auf die anzustoßen, die nicht mehr da sind. Ich kann Miss Sophie verstehen, dass sie nicht loslassen möchte; dass sie es gerne so hat, wie es immer war. Ich sehe aber auch, wie gut es tut, loszulassen. Die Lücken anzunehmen. Oma jauchzt jetzt eben im Himmel, Eisbein wird von anderen gegessen. Das Leben geht weiter. Nicht für alle, aber für die, die da sind – und mit denen sollten wir anstoßen. Nicht nur an Silvester.

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