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2018 gingen die Bilder der Rettungsaktion um die Welt.

Thailand

Ein einstmals ruhiger Ort

Vom Katastrophenort zum Touristenmagneten: Ein Jahr nach dem Höhlen-Drama herrscht im thailändischen Mae Sai großer Andrang

Aus dem Fernsehen kennt John McGowan die Ortschaft Mae Sai bereits. Als im vergangenen Jahr eine Jungen-Fußballmannschaft dort zweieinhalb Wochen lang in einer überschwemmten Höhle eingeschlossen war, verfolgte er die dramatische Rettungsaktion am Bildschirm. Jetzt ist der Australier selbst in den Norden Thailands gereist. „Ich wollte es mit meinen eigenen Augen sehen“, sagt der 60-Jährige. Wie McGowan kommen viele Menschen, die von dem Höhlen-Drama fasziniert sind, in den einstmals so ruhigen Ort.

„Es ist so erstaunlich, was hier passiert ist“, sagt McGowan. Gerne hätte er selbst die Tham-Luang-Höhle erkundet, doch die ist noch mindestens bis nächstes Jahr gesperrt. Das Schicksal der zwölf Jungen im Alter von elf bis 16 Jahren, die bei einem Ausflug am 23. Juni 2018 mit ihrem Fußballtrainer von einer Überschwemmung überrascht wurden, hatte Menschen weltweit bewegt. 18 Tage dauerte es, bis alle Kinder in einer aufwändigen und gefährlichen Aktion von Tauchern und hunderten internationalen Helfern gerettet werden konnten.

Vier Stunden Fahrt haben Sumalee und ihre beiden Söhne auf sich genommen, um nach Mae Sai zu kommen. Die Krankenschwester legt weiße Blumen vor der Bronzestatue von Saman Kunan nieder – dem thailändischen Taucher, der bei der Rettungsaktion ums Leben kam. „Ich musste hierher kommen, um seiner zu gedenken“, sagt Sumalee. „Er ist der Held eines ganzen Landes. Er rettete unsere Kinder.“

Vor dem Unglück war Mae Sai eine ruhiger Ort, fernab von den Touristenrouten. Seit der Rettung, die Menschen auf der ganzen Welt in Atem hielt, wird er von thailändischen und ausländischen Touristen überrannt. Zwischen Oktober und April seien es 1,3 Millionen Besucher gewesen, sagt Kawee Prasomphol, zuständig für das neue Besucherzentrum hundert Meter vom Höhleneingang entfernt.

Kleinbusse karren immer neue Touristengruppen herbei. Ein Wandbild mit dem Titel „Die Helden“ zeigt die jungen Fußballer, Regierungschef Prayut Chan-O-Cha und Taucher Kunan. Touristen machen Selfies, kaufen Poster mit der Fußballmannschaft und T-Shirts mit dem Porträt Kunans.

Doch bei dem Besucherzentrum soll es nicht bleiben. Die Regierung habe Großes vor, sagt Kawee. Für 50 Millionen Bath (fast 1,5 Millionen Euro) sollen ein Einkaufszentrum, Restaurants, Hotels und mehrere Campingplätze gebaut werden.

Ganz in der Nähe haben Lotterie-Verkäufer ihre Stände aufgebaut. Früher waren es einige wenige, nun sind es um die 250. Sie spekulieren darauf, dass die Besucher am Ort der glücklichen Rettung besonders gerne Lose fürs Glücksspiel kaufen.

Der 60 Jahre alte Kraingkrai Kamsuwan ist mit seiner Bude bereits wenige Wochen nach der Rettung hierher gezogen. 4000 Lose verkauft er im Monat. Wenn erst die Höhle wieder eröffnet sei, werden es noch mehr, hofft er.

„Das ist normal, dass die Leute Profit daraus schlagen wollen“, sagt Cheong, eine Touristin aus Singapur. „Aber der Ort muss auch seine spirituelle Seite bewahren. Schließlich ist hier ein Wunder geschehen.“ (afp)

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