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Weißer sprechender Hund mit Alkoholproblem: Brian.

„Family Guy“

Tod eines Zeichentrickhelden

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Brian, der Hund aus der Serie Family Guy, stirbt im Straßenverkehr. Anders als in Cartoons üblich kehrt er in der nächsten Folge nicht zurück. Auch bei den Simpsons soll es weitere Tote geben.

Sonntagabend, Quahog, Rhode Island: Ein sprechender Hund mit Alkoholproblem und einer Schwäche für sein Frauchen spielt unschuldig auf der Straße, als ein Auto heranbraust. Es erfasst den Hund. Die Besitzer, die Familie Griffin, können nur noch entsetzt zuschauen, wie ihr Brian überrollt und getötet wird. Ein klassischer Roadkill, wie ihn jedes Jahr unzählige Hunde erleiden.

Bloß gut, dass Brian ein Zeichentrickhund ist. Dennoch sitzt der Schock tief. Denn Zeichentrickhunde sterben nicht. Zumindest nicht endgültig. Das Leben in Zeichentrickserien folgt schließlich anderen Regeln. Während Fernsehserien die Folgen dramaturgisch aufeinander aufbauen, wird in Zeichentrickserien die Uhr immer wieder zurückgedreht. Normalerweise.

Besonders plakativ ist das bei den modernen Klassikern zu beobachten: In Serien wie Die Simpsons, Family Guy, American Dad oder auch South Park ist im Großen und Ganzen immer derselbe Tag. Die Helden altern nicht, sie tragen immer und immer wieder die selben Klamotten. Selbst schlimmste Verletzungen sind spätestens in der nächsten Folge komplett verheilt, nichts hat Konsequenzen und Kontinuität spielt keine Rolle im Leben der Zeichentrickhelden.

Paradebeispiel ist hierfür die Serie South Park: Der kleine Unterschicht-Junge Kenny wird nicht nur wegen seiner Armut gemobbt, er stirbt auch in jeder Folge. Um das noch zu unterstreichen, rufen die anderen Kinder „Ihr habt Kenny getötet! Ihr Schweine!“ Und sollte Kenny in einer Episode mal mit dem Leben davon kommen, ist das bemerkenswert und meist ein eigener Gag.

So ist Kenny seit dem Serienstart im Jahr 1997 schon jeden erdenklichen Tod gestorben, nur um in der nächsten Folge völlig unbeschadet und unkommentiert wieder aufzutauchen. Denn auch in South Park beginnt mit jeder Folge der selbe Tag immer und immer wieder von vorn.

Trotz der allgemein fehlenden Kontinuität ereignen sich in Zeichentrickserien immer wieder schockierende Todesfälle, die dann eben doch Auswirkungen auf das Serien-Kontinuum haben. Wie jüngst der Tod des sprechenden Hundes Brian bei Family Guy. Oder aber, noch weitaus bekannter und folgenschwerer, der Tod von Ned Flanders‘ Frau Maude bei den Simpsons.

Aus Fat Tony wird Fit Tony

Maudes Serientod ist vor allem deshalb so folgenreich, weil die charakterliche Entwicklung von Ned sowie seinen Söhnen Rod und Todd auf diesem einschneidenden Erlebnis aufbaut. Ned wird als der lustige, auch mal verzweifelte, aber stets begehrte Junggeselle inszeniert. Und obwohl in Bezug auf Maudes Tod bei den Simpsons durchaus Zeit vergeht, steht die Zeit im Kontext zum Rest der gezeichneten Welt nach wie vor still: Bart, Lisa und Maggie altern keinen Tag, während Ned den Tod seiner Frau zusehends besser verarbeitet.

Ein weiterer prominenter Todesfall bei den Simpsons ist der Abgang von Fat Tony, dem stadtbekannten Serien-Mafioso. In der 22. Staffel stirbt Fat Tony, nur, um von seinem schlanken Cousin Fit Tony ersetzt zu werden. Der Kunstgriff der Macher, um die Kontinuität an dieser Stelle außer Kraft zu setzen: Fit Tony frisst sich im Laufe der Folge so fett, dass am Ende der Episode aus Fit Tony wieder der Original-Charakter Fat Tony geworden ist.

Anders verhält es sich bei „Zahnfleischbluter Murphy“, Lisas Saxophonlehrer. Nach zwei Folgen stirbt er an einer Krankheit – nur, um danach immer wieder den einen oder anderen Szene aufzutauchen. Zum Beispiel als Sänger der Nationalhymne oder auf Plattencovern.

Manchmal kann der Tod eines Zeichentrick-Charakters aber auch der Ausdruck „unüberwindbarer Differenzen“ mit einem Sprecher der Figur sein. So zum Beispiel im Fall des Charakters „Chefkoch“ bei South Park, der von Musiker und Radio-Legende Isaac Hayes gesprochen wurde. Hayes kündigte seine Zusammenarbeit mit South Park offiziell wegen eines kurz zuvor erlittenen Schlaganfalls auf. Es wird allerdings vermutet, dass Hayes, bekennender Scientologe, der Sendung den Rücken kehrte, weil Scientology in einer Folge stark kritisiert wurde.

Matt Stone, einer der South Park-Produzenten, sagte gegenüber der „Associated Press“, dass es an Hayes gelegen habe, dass Scientology nicht schon früher ins Visier der Gag-Schreiber geriet. Wenig verwunderlich ist, dass der Chefkoch nicht zurückkehrte. Im Gegenteil: Sein Tod wurde ganz im Sinne der Produzenten inszeniert – blutig und geschmacklos. Der farbige Chefkoch wird von weißen Hobby-Jägern in eine Schlucht gestürzt, dort aufgespießt und von Raubtieren zerrissen.

Wer stirbt in Springfield?

Warum Brian am Sonntagabend sterben musste, ist offiziell nicht bekannt. Wollten die Macher von Family Guy vielleicht den Simpsons-Produzenten zuvorkommen? Al Jean, einer der Simpsons-Macher, hat in einem Interview mit „The Hollywood Reporter“ einen Hinweis darauf gegeben, dass Springfield in der 26. Staffel von einem weiteren Todesfall heimgesucht werden könnte. Ein Charakter, dessen Sprecher für diese Rolle mit dem Emmy ausgezeichnet wurde, solle das Zeitliche segnen.

Das schränkt die Auswahl zumindest ein bisschen ein. Da wäre Prinzessin Penelope, eine von Anne Hathaway gesprochene Sängerin, die in der Krusty Show kurzzeitig eine singende Märchenprinzessin spielt. Oder Tingeltangel Bob, in den USA von Kelsey Grammer gesprochen. US-Sprecher und Emmy-Gewinner Dan Castellaneta verkörperte schon eine ganze Reihe von Figuren: Grampa Simpson, Barney Gumble, Krusty der Clown, Hausmeister Willie, Bürgermeister Quimby und Tingeltangel Mel. Auch Hank Azaria ist in mehreren Rollen zu hören: Chief Wiggum, Moe, Cletus, der Comicbuchhändler und Apu. Castellaneta spricht übrigens auch den Homer. Aber Homer ist tabu. Hoffentlich.

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